Medien 01.11.2002, 18:22 Uhr

Überall-TV soll Berlin erobern

In Berlin-Brandenburg fällt in dieser Woche der Startschuss für das digitale terrestrische TV. Im Juni 2003 wird die analoge Übertragung abgeschaltet.

Großbritannien hat es, Spanien und Schweden ebenso: Das terrestrische Digital Video Broadcasting (DVB-T) machte vor allem in Ländern mit hohem Anteil an terrestrischer TV-Übertragung das Rennen. Auch hierzulande soll bis 2010 die Ära des Empfangs über die Hausantenne vorbei sein, so will es die Regierung. Bereits morgen fällt in Berlin-Brandenburg der Startschuss.
Feierlich drücken die Senderchefs von ARD, ORB, SFB, ZDF, ProSiebenSat1 und RTL in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom auf den roten Knopf. In der Region um Berlin sind dann via DVB-T zunächst acht Programme kostenlos zu empfangen. Vom 1. März 2003 an sollen es mit WDR, NDR, MDR, Arte, Phoenix, ZDF-Doku- und Infokanal, N 24 und Super RTL 20 Programme sein. Die Abschaltung der analogen Sender erfolgt im Juni 2003. Wann andere Bundesländer nachziehen, hängt vom Erfolg in Berlin ab.
Spannend ist dabei, wie Kunden reagieren, wenn der Empfang – wie im Mobilfunk – über Zimmerantenne gestört wird. Schuld daran sind z.B. Gebäude mit Aluminiumfassade oder metallverspiegelte Fenster, so Ulrich Reimers, DVB-T-Experte und Professor für Nachrichtentechnik an der TU Braunschweig. „Wir rechnen aber damit, dass die Sendeleistung zu 95 % im Großraum Berlin funktioniert“. Kabel, Satellit oder zukünftig DVB-T, das ist nun die Gretchenfrage für 240 000 Haushalte in Berlin-Brandenburg. Bundesweit schauen nur noch 8 % der Zuschauer per Analog-Antenne, 55 % sind Kabelempfänger, der Rest schaut per Satellit.
„Die Einführung von DVB-T ist zu kostspielig“, kritisiert deshalb Ralf Sürtenich den neuen Übertragungsweg. Der Wiesbadener Berater von Insieme Consult stützt sich auf Berechnungen der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg: „Die jährlichen Kosten pro Programm je nutzender Wohneinheit liegen im Kabel bei 0,14 ®, beim Satellit bei 0,49 ® und bei der Terrestrik bei 24,50 ®“. Zwar könnten via DVB-T mehr Programme übertragen werden. Um den Empfang zu gewährleisten, seien aber auch mehr Sendemasten notwendig.
Konsumenten müssen sich eine Settop-Box für rd. 200 ® zulegen, die es inzwischen von 19 Anbietern gibt. Damit können sie aber weniger Programme als über Kabel oder Satellit empfangen. Umsteiger auf DVB-T sieht Sürtenich deshalb weder bei verärgerten Kabelzuschauern, noch bei Zuschauern, denen die Installation einer Sat-Schüssel zu kompliziert oder nicht gestattet ist.
Dass sich die einmalige Investition für den Dekoder gegenüber der Kabelgebühr schnell amortisieren kann, damit wirbt derzeit der Handel. Auch DVB-T-Experte Reimers schätzt die Berliner Offensive in Sachen DVB-T positiv ein. Im Gegensatz zu Großbritannien und anderen europäischen Ländern seien beim Start in Deutschland die Receiver ab Tag eins im Handel. Zudem ist mit dem sog. Überallfernsehen auch portabler Empfang möglich, z.B. im Auto, auf Laptops, oder auf Booten über eine bleistiftgroße Stabantenne.
Konvergenz und Zusatzdienste heißen die Zauberworte, die Sender, Telekom-Unternehmen und Diensteentwickler treiben. Zum klassischen Fernsehprogramm bietet so das ZDF ab März 2003 den Zusatzdienst ZDFmobil rund um das ZDF-Hauptprogramm, sowie ständig aktualisierte Servicebeiträge aus dem ZDF-Infokanal. Weitere Dienste verschiedener Anbieter sind in der Pipeline, wie ein Workshop des Berliner „Projekt Zukunft“ zeigte.
Den Beteiligten ist klar: Nur geschnürte Pakete mit mehreren Diensten locken Konsumenten. „Vor 2004 rechnen wir nicht mit einem Markteintritt“ so Hubert Fank, Leiter des Projektes Mobile Media Distribution MMD bei T-Systems. Dabei sollen das Verteilmedium DVB-T und der personalisierte Kanal Mobilfunk kombiniert werden, z. B. mit Diensten von Inhalteanbietern wie Reuters oder dem Verlag Gelbe Seiten.
„Entscheidend für Netzbetreiber, Contentanbieter und Gerätehersteller ist es, in naher Zukunft eine kritische Masse an Konsumenten aufzubauen“, so Fank. Für Diensteanbieter ist DVB-T momentan noch kein lohnendes Geschäft. „Die Reichweite fehlt, weil die Digital-TV-Empfänger erst auf den Markt kommen“, sagt Mark Poldermann, Projektmanager bei der Scip AG. Das Hamburger Unternehmen liefert für ARD und RTL Software für interaktives Satelliten-TV. Das Reichweitenproblem könne sich aber bald ändern – je nachdem, wie sich der Markt in Berlin entwickelt. „DVB-T darf hier nicht schief gehen, sonst ist es geplatzt“, so die Einschätzung von Ulrich Reimers. NIKOLA WOHLLAIB

Von Nikola Wohllaib

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