Medien 23.03.2001, 17:28 Uhr

TV-Gerät hat nichts im Kinderzimmer verloren

Fernseher, Babyphon und sogar das Aquarium entpuppen sich als heimtückische Elektrosmog-Quellen im Haushalt. Im schlimmsten Fall können sie Leukämie bei Kindern verursachen. Eltern sollten deshalb nicht dringend benötigte Elektrogeräte unbedingt aus dem Kinderzimmer verbannen.

Noch immer ist Leukämie die häufigste Krebserkrankung bei Kindern. Rund 620 neue Fälle meldet das Deutsche Kinderkrebsregister am Mainzer Institut für Medizinische Statistik und Dokumentation (IMDS) pro Jahr, die Heilungschancen liegen mittlerweile bei 80 %. „Über die Ursachen weiß man nichts“, erklärt Institutsdirektor Prof. Jörg Michaelis. Dennoch sind zumindest die Medizinstatistiker in der Erforschung der lebensbedrohenden Krankheit ein erhebliches Stück weiter gekommen.
Statistisch gesehen ist 1 % aller Leukämiefälle auf Elektrosmog zurückzuführen dies haben das IMDS und der Braunschweiger Forschungsverbund Elektromagnetische Verträglichkeit herausgefunden. Problematisch sind nicht nur die sehr selten vorkommenden Magnetfelder, die stärker als 0,4 µT (Mikrotesla) sind. In der Nacht reicht offenbar schon ein Wert von 0,2 µT, um das Leukämierisiko für Kinder zu verdreifachen, die im Schlaf über mehrere Stunden Elektrosmog ausgesetzt sind. Besonders betroffen sind nach Aussagen der Medizinstatistiker Kinder unter fünf Jahren.
Die höhere Belastung in der Nacht könnte nach Meinung von Michaelis nicht nur statistische Bedeutung haben. In der Nacht produziert der Mensch vermehrt Melatonin, ein Hormon, von dem die Forscher vermuten, dass es die Entstehung von Tumoren verhindert oder deren Wachstum hemmt. Sollten elektromagnetische Felder die Melatoninproduktion hemmen, wäre auch ein medizinischer Zusammenhang möglich zwischen Elektrosmog und Krebsentwicklung. „Dies könnte zumindest ein Denkansatz sein“, sagt Michaelis vorsichtig.
Auch wenn die 1,5 Mio. DM teure Studie, die seit 1997 in ganz Westdeutschland durchgeführt wurde, keine medizinische oder biologische Aussagekraft hat, hält der IMDS-Direktor es für unwahrscheinlich, dass es sich bei den Übereinstimmungen um Zufall handelt. Michaelis: „Man muss das schon ernst nehmen.“ Denn belastende Magnetfelder gehen nicht, wie gemeinhin angenommen, hauptsächlich von Hochspannungsleitungen aus, sondern vielmehr von Niederspannungsverteilsystemen auf Hausdächern und von veralteten Installationen. Auch im Haushalt kann der Elektrosmog überall lauern. So warnen die Experten nicht nur vor Baby-Phonen, sondern auch vor Fernsehern in Kinderzimmern, die womöglich noch auf »stand by« geschaltet sind. Zu den Gefahrenquellen kann alles im Niederfrequenzbereich von 50 Hz zählen – vom Kühlschrank über die Fußbodenheizung bis hin zum Aquarium. Je näher das betreffende Gerät sich beim Kind befindet, desto größer ist die Gefahr.
Nach zwei Vorstudien, die zwischen 1993 und 1997 in Niedersachsen und Berlin durchgeführt wurden, haben die Mainzer Medizinstatistiker und der Forschungsverbund für ihre aktuelle Studie insgesamt 1815 Wohnungen und deren Umfeld getestet. Bei 514 Familien waren Leukämieerkrankungen aufgetreten, die allerdings zum Teil schon bis zu sieben Jahre zurücklagen. Die übrigen 1301 Familien dienten als Kontrollgruppe. Dabei bildeten die Innenmessungen den Kern der Studie, die – wie der verantwortliche Ingenieur Jan Peter Grigat betont – zurückgreifen kann auf „konstante und kontinuierliche Messungen“ am wahrscheinlichsten Aufenthaltsort des Kindes. Das heißt: Es wurde zwei Mal 24 Stunden im Kinderzimmer und im Wohnzimmer gemessen.
„Die Messungen sind insofern plausibel, als unbekannt war, ob es sich um eine Familie mit einem gesunden oder einem kranken Kind handelte“, erklärt Grigat. Im Ergebnis bestätigt die vom Bundesumweltministerium geförderte Studie, die als die erste dieser Art in Deutschland und die größte weltweit gilt, auch die Aussagen der beiden Vorstudien. „Durchschnittliche Magnetfelder, die größer als 0,2 µT sind, sind in Deutschland selten“, heißt es im Abschlussbericht. Am häufigsten seien Mehrfamilienhäuser mit mehr als 10 Wohneinheiten betroffen. Auffällige Werte zeigten sich in Wohnungen, die an stark befahrenen Straßen liegen. Den Unterschied zwischen Stadt und Land halten die Experten allerdings für gering.
Wer sich von Elektrosmog bedroht fühlt, sollte sich an die Energieversorger, den TÜV oder an die Verbraucherberatung wenden. Die Kosten – nach Angaben des IMDS rund 350 DM für eine kurze Messung – trägt allerdings meist der Verbraucher. Abhilfe können Modernisierungen an den Installationen, der Erdung metallener Rohrsysteme oder den Steigleitungen schaffen. Vor dem Bau von Grundschulen und Kindergärten in der Nähe von Hochspannungsleitungen sollte vorsorglich der Elektrosmog gemessen werden, raten die Fachleute. Generell jedoch gelte: „Je geringer der Energieverbrauch, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlichen Magnetfeldbelastung.“ JUTTA WITTE

E-Smog und Leukämie

Die Ergebnisse der Mainzer Studie

Mittlere Magnetfelder größer als 0,2 Mikrotesla wurden gemessen:
* im Umfeld von 18 der 690 erkrankten Kinder oder 2,6 %
* im Umfeld von 26 der 1715 nicht erkrankten Kinder oder 1,5 %
Nächtliche Magnetfelder größer als 0,2 Mikrotesla wurden gemessen:
* im Umfeld von 21 der 690 erkrankten Kinder oder 3 %
* im Umfeld von 17 der 1715 nicht erkrankten Kinder oder 1 %
Mittlere Magnetfelder größer als 0,4 Mikrotesla wurde gemessen
* im Umfeld von 6 Teilnehmern oder 0,3 % der Studienpolulation

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