Medien 28.11.2008, 19:38 Uhr

Terrestrisches TV ist jetzt bundesweit digitalisiert  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 28. 11. 08, jdb – Digitales terrestrisches Fernsehen wurde seit 1997 in Bayern und Berlin erprobt, ehe sich Berlin am 31. Oktober 2002 traute, die ersten regulären Digital-Sender ein- und zehn Monate später alle analogen in der Hauptstadtregion abzuschalten. Seitdem ist dort kein terrestrisches Fernsehen ohne digitale Settop-Box oder integrierten Empfänger mehr zu haben. Jetzt ist das auch bundesweit so – Bayern hat das Licht in den letzten analogen Sendern ausgepustet. Nur in drei Gegenden glimmt es noch leise vor sich hin.

Nicht mit einer roten, sondern einer frühlingshaft grünen Supertaste wurden am 25. November um 17.45 Uhr im Nürnberger Fernsehstudio des Bayerischen Rundfunks gleich sieben terrestrische digitale Fernsehsender in Ober-, Mittel- und Unterfranken sowie der Oberpfalz und Unterbayern symbolisch ein- und die analogen Sender abgeschaltet.

Die Standorte Amberg, Bamberg, Büttelberg, Hesselberg, Ochsenkopf und Pfaffenberg klingen nicht nur ländlich, sie sind es auch. „Damit bringen wir das zum Abschluss, was sich ARD und ZDF bereits im Herbst 2005 auf die Fahnen geschrieben haben, nämlich DVB-T auch in der Fläche auszubauen“, erklärte Eckhard Matzel, Koordinator des Technical Innovation Office beim ZDF. Damit widersprach er süffisant Katja Hessel, der Bayerischen Staatssekretärin für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, die die Umschaltaktion zu einem „Einstieg in die digitale Welt“ postulierte.

In Bayern erfolgte der zwar erst am 30. Mai 2005, was Herbert Tillmann, Produktions- und Technikdirektor des BR, mit „sorgfältigem Umgang mit dem Geld der Gebührenzahler“ begründete. „Dafür sind wir aber auch die Letzten, die jetzt das analoge Licht auspusten und den terrestrischen Umstieg bundesweit zum Abschluss bringen.“

Laut Tillmann können nun in Bayern knapp 12 Mio. Einwohner, das sind etwa 96 %, zwölf öffentlich-rechtliche DVB-T-Programme „barrierefrei und ohne Mautkosten“ mit einer Dachantenne empfangen. 9,5 Mio. brauchen noch nicht einmal die: Sie können gewissermaßen im Park, auf der Straße oder dem Balkon ihren Fernseher aufbauen bzw. das Handy-TV-Gerät aus der Tasche holen. Allein davon soll es inzwischen eine halbe Mio. geben. Und 4,1 Mio. könnten ihr DVB-T-Programm sogar in der Wohnung mit einer kleinen Antenne sehen, die an den meisten Geräten gleich dran ist.

Mit anderen Worten – echtes Überallfernsehen. „Nur in Garmisch, Ruhpolding und Passau müssen wir im nächsten Jahr noch was machen, das war im Etat für 2008 nicht drin“, so der BR-Technik-Chef. Die privaten Programmanbieter konnten sich nicht durchringen, ebenfalls in die Fläche zu gehen, es wäre schlichtweg zu teuer. „Die beiden großen Senderfamilien ProsiebenSat.1 und RTL sowie lokale Anbieter nutzen für ihre zwölf Programme je drei Standorte und sind von München bis nach Landshut und Augsburg zu empfangen sowie in Nürnberg“, erklärte Reiner Müller, technischer Leiter der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. „Überall dort, wo die Privaten dabei sind, kommt es durch Zweit- und Drittgeräte zu einer deutlich höheren Akzeptanz, teilweise eben bis 24 % wie in Nürnberg.“

Das hat auch die Werbewirtschaft erkannt und so wird nach Techniken gesucht, auch die Nutzungszeiten von Handy-TV und Co. messen zu können. Und dann dürfte das Engagement der Privaten künftig eher zu- als abnehmen. Schon jetzt haben die beiden großen privaten Senderfamilien ihr Interesse signalisiert, DVB-T in Bayern auch nach Ablauf des Genehmigungszeitraums Ende Mai 2009 weiter zu betreiben.

Bundesweit sind laut ZDF über 11 Mio. verkaufte DVB-T-Empfänger im Einsatz. Nicht immer, aber immer öfter. So dürfte privates Fernsehen terrestrisch bald nach Halle/Leipzig und Stuttgart kommen. Dass DVB-T auch spart, machte Matzel deutlich. „Vor dem Umstieg hatte allein das ZDF 3000 analoge Sender und Umsetzer in Betrieb, jetzt sind es nur noch 140 digitale. Damit erreichen wir über 90 % der Bevölkerung – und sparen so etwa 30 %.“

Doch Matzel weiß auch: „Leider sind die Umstiegsszenarien für Kabel und Satellit nicht ganz so klar. Beim Satellit haben wir einen Digitalisierungsgrad von 60 %, könnten dort eventuell Ende 2010 Analog abschalten. Beim Kabel sind es erst 20 % – und da geht es noch lange nicht.“

Erstaunlich, dass alle Umschaltaktivisten sich jetzt auch terrestrisches HDTV vorstellen können. „Wenn in Großbritannien und Frankreich HDTV über die Dachantenne kommt, wird sich Deutschland da nicht abkoppeln können und nur ein Arme-Leute-Fernsehen bieten“, so der ZDF-Stratege.

Aber vielleicht geht es dabei gar nicht so sehr um das bessere Bild, sondern nur um bessere Argumente, wie die beim Umstieg frei werdenden Frequenzen künftig genutzt werden könnten? Da gibt es Bedarf von vielen Seiten, alles unter dem Stichwort der digitalen Dividende. „Der Rundfunk kämpft um die Kanäle 61 bis 69, erklärte Tillmann und will vor allem verhindern, dass die Begehrlichkeiten seitens der „Nicht-Rundfunker“ zu Beschädigungen der Rundfunkversorgung führen. Auch andere Funkdienste, z. B. für drahtlose Mikrofone, müssten dabei berücksichtigt werden.

Während in Nürnberg am 25. November die letzten terrestrischen DVB-T-Sender in Betrieb gingen, hat die Medienanstalt Berlin-Brandenburg am gleichen Tag ein neues Fenster der Telekommunikation aufgemacht: Elf Jahre nach Beginn der ersten DVB-T-Testausstrahlungen und fünf Jahre nach Ende des analogen Antennenfernsehens muss die Terrestrik dort beweisen, dass sie auch zu mehr nütze ist als zur Verteilung von Hörfunk und Fernsehen.

So sollen in Wittstock, gut 100 km nördlich von Berlin gelegen, 100 Testhaushalte terrestrischen Breitband-Internetzugang erhalten, nicht mit Wimax, wie einst gedacht, sondern durch eine Kombination verschiedener Modulationsverfahren: mit Zimmerantenne im Stadtbereich, mit Dachantenne bis 25 km ins Umland.

Überhaupt scheint der 25. November fernsehtechnisch eine hohe Faszination zu besitzen. Jahrelang nutzten japanische Programmveranstalter diesen Tag, um für ihr hochauflösendes Fernsehen Hi-Vision zu trommeln. Die japanisch-amerikanische Schreibweise 11-25 steht nämlich zugleich für die Brutto-Zeilenzahl des analogen HDTV. Heute wird indes nur noch die effektive Zeilenzahl der Displays genannt, und die ist in der Regel 1080. Dumm nur, dass es keinen 80. Oktober gibt …

RAINER BÜCKEN

Private TV-Sender sind nur in Teilen Bayerns mit dabei

Von Rainer Bücken

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