Software für Gesichtserkennung 06.11.2013, 14:51 Uhr

Supermarkt scannt Kunden beim Tanken für personalisierte Werbung

Autofahrer in Großbritannien werden künftig beim Tanken gescannt – jedenfalls dann, wenn sie die Zapfsäulen von Tesco nutzen, der größten Supermarktkette Großbritanniens. Die Kette will festhalten, welche Kunden wie lange welche Werbung anschauen.

In britischen Tankstellen der Supermarktkette Tesco stellt Amscreen jetzt Bildschirme für Werbung auf, die messen, ob und wie lange ein Spot angeschaut wird.

In britischen Tankstellen der Supermarktkette Tesco stellt Amscreen jetzt Bildschirme für Werbung auf, die messen, ob und wie lange ein Spot angeschaut wird.

Foto: Amscreen

Tesco will alle seine 450 Tankstellen im Land mit Hightech-Bildschirmen ausrüsten, die über eine Software zur Gesichtserkennung verfügen. Die Bildschirme, über die Werbung ausgestrahlt wird, sollen Kunden nach Geschlecht und Alter identifizieren und dann passende Werbung einspielen.

Software erkennt Geschlecht und Alter

Das sogenannte OptimEyes-System des Technologieunternehmens Amscreen soll zunächst Geschlecht und Alter des vor der Kasse stehenden Kunden automatisch abschätzen. Anschließend werden zehn Sekunden kurze, zum Kunden passende Werbesports eingeblendet. Dabei registriert die Technik, ob und wie lange der Kunde den Spot anschaut.

Diese Echtzeitdaten werden digital an die Werbeanbieter weitergeleitet, damit diese einen besseren Eindruck bekommen, wie ihre Kampagnen auf die Kunden wirken.

Der britische Anbieter Amscreen ist mit seinen Werbedisplays auch schon in deutschen Tankstellen präsent, allerdings noch ohne Gesichtserkennung.

Der britische Anbieter Amscreen ist mit seinen Werbedisplays auch schon in deutschen Tankstellen präsent, allerdings noch ohne Gesichtserkennung.

Foto: Amscreen

Sie sollen damit auch in der Lage sein, ihre Kampagnen auf ganz bestimmte Tageszeiten zuzuschneiden. Eine Werbung für ein Energiegetränk könnte dann zur Zeit des Hauptberufsverkehrs oder in den Abendstunden laufen. Werbung für Frauenzeitschriften könnte am Vormittag geschaltet werden, nachdem die Mütter die Kinder zur Schule gebracht haben.

Die neue Technologie erinnert an den Science Fiction „Minority Report“ mit Tom Cruise aus dem Jahr 2002. Darin läuft Cruise eine Straße entlang und wird mit personalisierter Werbung bombardiert.

Tom Cruise wird im Film Minority Report mit virtueller Werbung bombardiert.

Tom Cruise wird im Film Minority Report mit virtueller Werbung bombardiert.

Foto: Filmverleih

Die OptiEyes-Technik, die Amscreen mit dem französischen Gesichtserkennungsspezialisten Quividi entwickelt hat, soll dabei keine Fotos der Kunden speichern oder erkennen. Die Kunden werden in drei Alterskategorien sowie nach Geschlecht eingeordnet.

Technik wird schon weltweit eingesetzt

Nach Aussagen von Simon Sugar, Sohn des bekannten britischen Geschäftsmanns und Multimillionärs Lord Sugar und CEO von Amscreen, könnte die Technik den britischen Einzelhandel stark verändern. Ziel sei es, die Bildschirme in so vielen Supermärkten wie möglich aufzustellen. Laut Quividi soll die Technik bereits in 2500 Orten in 35 Ländern eingesetzt werden.

Im Marketing gilt die Personalisierung von Werbung inzwischen als das ganz große Thema. Ursprünglich wurde die Gesichtserkennung zum Aufspüren von Kriminellen und Terroristen benutzt. Inzwischen sieht auch der Handel enormes Potenzial in der Technik. Je besser man die Wünsche des Kunden erkennen kann, desto mehr Umsatz ist zu erzielen.

Tesco  hatte bereits mit der Einführung der Clubcard-Kundenkarten, mit der die Supermarktkette die Einkaufsgewohnheiten der Kunden präzise nachvollziehen kann, eine Vorreiterrolle übernommen.

Auch ist es nicht das erste Mal, dass die neue Technik nun zum Einsatz kommt. Im vergangenen Jahr arbeitete die Wohltätigkeitsorganisation Plan mit einer ähnlichen Software an Bushaltestellen. Schaute ein Mann auf den Bildschirm, wurden Details zur Webseite übertragen, schauten Frauen darauf, lief eine Video-Kampagne mit drei Mädchen, die über ihr Leben redeten.

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