Medien 12.05.2000, 17:25 Uhr

Städte und Länder kämpfen um den Titel „Deutscher Medienstandort Nr. 1“

Als „Medienstandort Nr. 1“ verkauft NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement sein Bundesland im Wahlkampf gern. Doch diesen Titel beansprucht nicht nur das größte deutsche Bundesland. Konkurrenz kommt aus Hamburg, München, Berlin und nun auch aus Leipzig.

Der Wahlkampf bringt es an den Tag. Pünktlich vor dem Termin am kommenden Sonntag stellte Ministerpräsident Wolfgang Clement Zahlen vor, die sein Engagement in puncto Medienwirtschaft und „New Economy“ demonstrieren sollen. Mehr als 275 000 Menschen seien inzwischen in der Medienwirtschaft NRW beschäftigt, Tendenz steigend. „Der Medienstandort Nordrhein-Westfalen ist zur Nummer 1 in Deutschland geworden“, so Clement in Köln. „Wir haben ein Wachstum in der Medienwirtschaft gefördert, das in Deutschland und Europa ohne Beispiel ist.“
Doch um den Titel des besten Medienstandortes buhlen auch die klassischen Medienzentren wie Hamburg und München, außerdem beteiligen sich Berlin, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Leipzig am Wettstreit. Wer hat denn nun die Nase vorn?, fragt sich der Beobachter. Die Antwort auf diese Frage hat im Zeitalter von Internet und Multimedia eine immense Bedeutung, wenn es um die Ansiedlung von neuen Investoren für Medienprojekte geht. Fakt ist, dass die Medienbranche boomt wie keine andere. Hier entsteht Beschäftigung, hier wird gegründet – sei es in der Fernsehproduktion, der Online-Programmierung oder bei neuen Mobilfunk-Anwendungen wie WAP. „Multimedia-Unternehmen sind Bausteine für die Zukunft und jeder ist daran interessiert, möglichst viele dieser Bausteine zu haben“, sagt der Kölner Experte Füser.
„Die Spitzenposition von NRW ist im Bereich Film- und Fernsehproduktion unbestritten“, sagt Medienwissenschaftler Horst Röper. Der Forscher und Statistiker am Dortmunder Institut Formatt hat im vergangenen Jahr die Produzentenszene in Deutschland unter die Lupe genommen und das Ergebnis fiel nach eigenen Angaben selbst für ihn überraschend aus. „In den letzten Jahren hat NRW – gemessen am Output – die klassischen Standorte deutlich überholt“, sagt Röper. Für den Erfolg von Köln sei nicht zuletzt der WDR ausschlaggebend gewesen, der wiederum den Privatsender RTL angelockt habe. Diesen Trend bestätigt auch Andreas Füser, Leiter des Servicebüros Film- und Fernsehproduktion der städtischen Kölner Stabsstelle Medienwirtschaft. „Selbst wenn die Fernsehsender nicht alle in Köln angesiedelt sind, die Produktion von Unterhaltungs-Sendungen und Serien läuft zum Großteil bei uns.“ Ein Erfolgsbeispiel ist die Produktionsfirma „Brainpool“, die sich in der Szene einen Namen mit Comedy-Formaten gemacht hat. Für sie arbeitet unter anderem die Schauspielerin Anke Engelke , die sich mit Klamauk-Sendungen wie der „Wochenshow“ und „Danke Anke“ zur echten Quoten-Garantin mauserte.
Der Privatsender SAT1 hat inzwischen seinen alten Standort Mainz verlassen und in Berlin sein Quartier aufgeschlagen. Das dürfte nach Ansicht Röpers weitere Medienschaffende anlocken und den örtlichen Produktionsstudios langfristiges Wachstum bescheren. Ähnliches erwartet Röper in Leipzig, wo der MDR und das frisch eingeweihte Produktionszentrum „Media City“ weiteres Wachstum bringen dürften. Doch nicht nur Hörfunk und Fernsehen zieht es nach dem Wechsel des Regierungssitzes in die Nähe der Bundeshauptstadt, auch jeder große Verlag schickt seine Korrespondenten zur Berichterstattung vor Ort.
Etwas langsamer geht es noch bei den Werbern. Erst in diesem Jahr hat Markführerin BBDO neben Düsseldorf eine zweite Dependence in Berlin eröffnet, sie ist eine von sieben der 20 größten deutschen Werbeagenturen, die derzeit in Berlin kreativ sind. Der Schritt von BBDO wird wohl auch andere zum Umzug bewegen.
„Wir liegen wirklich im Wettstreit mit den anderen Medienstandorten, aber wir wollen keinem etwas wegnehmen“, sagt Eva Emenlauer-Blömers, Leiterin der Berliner Landesinitiative „Projekt Zukunft“ im Berliner Senat für Wirtschaft und Technologie. Berlin profitiere derzeit vom Zuzug in die Hauptstadt – vor allem junger und kreativer Existenzgründer. Von den mehr als 230 Firmen, die derzeit am Frankfurter Neuen Markt, der Börse für Technologie und Zukunftswerte, gehandelt werden, haben allein 40 ihren Sitz in Berlin. „Wir brauchen diese neuen Firmen dringend für den Strukturwandel“, so Emenlauer. Da die traditionellen Großunternehmen nicht mehr nach Berlin kommen, werden jetzt die kleinen Multimedia-Firmen unterstützt.
„Bei der Unterstützung geht es meistens nicht um Geld“, sagt die Projektleiterin, denn finanziell profitieren die Startups vom Risikokapital-Boom, der gegenwärtig in Deutschland herrscht. Wichtiger seien Beratung und Förderung, erklärt Emenlauer. So organisiere die Landesinitiative Treffen und Veranstaltungen wie die Podiumsdiskussionen „Zukunftsgespräche“, bei denen sich Existenzgründer informieren und Kontakte knüpfen könnten. Zu diesem Zweck werden auch Round-Table-Gespräche angeboten, um Kooperationen zwischen verschiedenen Branchen zu erreichen.
Den Service-Gedanken verfolgen inzwischen auch die Rheinländer. So wirbt die Industrie- und Handelskammer Köln (IHK) mit Qualifizierungsprogrammen rund um das Thema Medien, dort können sich zum Beispiel Requisiteure oder Aufnahmeleiter weiterbilden.
Da bilden auch die traditionellen Standorte München und Hamburg keine Ausnahme. Die ehrgeizigen Bayern haben gerade im Februar eine Studie herausgebracht, die den ersten Platz Münchens unter den deutschen Medienmetropolen manifestieren soll, und auch auf den Hamburger Internetseiten lässt sich eine stolze Bilanz für Beschäftigung und Unternehmenswachstum im Bereich der Neuen Medien ablesen. Und selbst Niedersachsen hat eine Studie in Auftrag gegeben, die in ihrem Ergebnis dem Bundesland beste Wachstumschancen in der Medienwirtschaft bescheinigt.
Die korrekte Abgrenzung aber bleibt schwierig. Noch immer ist interpretierbar, wer oder was wirklich zum Bereich Medien gehört. Der Begriff ist weder bei Beschäftigung noch bei Branchenanalysen geschützt. So hat die die Staatskanzlei NRW in ihre Erfolgsbotschaften natürlich auch die Telekommunikationsbranche eingerechnet, die seit der kompletten Marktöffnung im Jahr 1998 ein beeindruckendes Wachstum mit Unternehmen wie der Deutschen Telekom oder Mannesmann verzeichnen konnte. In Baden-Württemberg arbeiten die meisten Beschäftigten der Media-Branche in der Hardware-Industrie, doch die taucht längst nicht in allen Statistiken auf.
„Die statistischen Landesämter haben ihre Berechnungsarten zwar etwas renoviert, aber Vergleiche sind noch immer schwierig“, erklärt Fachmann Röper. Und ein anderer Branchenkenner gesteht: „Bei den ganzen verschiedenen Berechnungen bekommt es jeder irgendwie hin, irgendwo die Nummer eins zu sein.“ SIMONE ZELL
Vorzeige-Objekt Mediapark: Das zunächst eher ungeliebte Kind der nordrhein-westfälischen Medienbranche entwickelt sich langsam doch noch zu einem begehrten Standort für Investoren und Kreative.

Von Simone Zell

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