Medien 11.01.2002, 17:32 Uhr

Spezial-Effekte locken Zuschauer

Der Erfolg des Fantasy-Films „Herr der Ringe“ ist auch ein Erfolg der Digitaltechnik. Spezial-Effekte und Post-Produktion erobern das internationale Filmgeschäft.

Noch ist es still im Wald, doch Hobbit Frodo ahnt die Gefahr: Die dunklen Ringgeister nahen. Der Sprung ins Versteck hilft für kurze Zeit – Rettung bringt ihm jedoch nur der goldene Ring, denn der macht ihn unsichtbar.

Seit dem Kinostart im Dezember hält der erste Teil der Fantasy-Trilogie „Der Herr der Ringe“ die Spitzenplätze der Kinocharts. Peter Jackson heißt der Regisseur, der die aufwändige Verfilmung des Romans von J.R.R. Tolkien wagte und nun Millionen von Zuschauern weltweit in die Kinosäle lockt.

Jackson, bisher ein Vertreter der „Splatter“-Fraktion, bediente sich bei dem rd. 400 Mio. ® teuren Filmexperiment in weiten Teilen der Digitaltechnik. So schrumpfte er Menschen auf Hobbit-Format, ließ Fabelwesen und -reiche entstehen. Verantwortlich für die Spezialeffekte aller drei gedrehten Teile ist das neuseeländische Unternehmen Weta Digital Effects. Zeitweise bearbeiteten 143 Grafiker mehr als eine halbe Mio. eingescannter Bilder allein für den ersten Teil des Films. Zum Speichern der riesigen Datenmengen wurden Highend-Fileserver von Network Appliance eingesetzt.

„Es wird in den nächsten Jahren eine Revolution geben“, prognostiziert der Geschäftsführer des Frankfurter Postproduction-Unternehmens „Das Werk“ Christian Leonhardt. Die Postproduction boome und sei inzwischen längst aus dem Stadium heraus, in dem es darum gehe, Filmen im nachhinein etwas mehr Blattgold zu verpassen oder einem verregneten Dreh zu blauem Himmel zu verhelfen.

„Früher waren wir ein lästiges Anhängsel“, beschreibt Leonhardt die Entwicklung. „Heute sind wir selbstverständlicher Teil des Teams.“ Spezialisten der digitalen Nachbereitung verstehen sich längst selbst als Kreative, die mittlerweile frühzeitig in die Produktion eingebunden werden. Von vielen Produzenten, die schon beim Verfassen des Drehbuchs digitale Effekte mit einplanen, wird das veränderte Rollenverständnis mittlerweile angenommen. „Die, die es begriffen haben“, sagt Werk-Geschäftsführer Leonhardt, „gehen sehr selbstverständlich damit um.“

Postproduction kennt keine Grenzen, solange der Geschmack des Publikums nicht verletzt wird und der Zuschauer von den technischen Kniffen nichts merkt. „Man kann alles erfinden, alles erzählen“, sagt die freie Autorin Annette Ernst. Spezialeffekten, die mittlerweile auch in so genannte Low-Budget-Produktionen wie „Lola rennt“ Einzug gehalten haben, gehöre die Zukunft, sagt die Frankfurter Regisseurin.

Doch die Digitalisierung macht nach Einschätzung der Fachleute nicht Halt bei der Nachbereitung und Produktion von Filmen. Digitale Filmprojektionen, wie sie -prototypisch – in Multiplextheatern in Köln, Düsseldorf und Berlin möglich sind, gehören nicht mehr in den Bereich der Vision, sondern könnten sich in den nächsten zwanzig Jahren auf dem Markt durchsetzen, meinen die Experten. Einen ersten Belastungstest dürfte der vollständig digital produzierte und präsentierte Film zu bestehen haben, wenn im kommenden Jahr die nächste Star-War-Produktion von Hollywood-Regisseur George Lucas in die Kinos kommt. „Wenn die ersten Filme dieser Art im Kino Erfolg haben“, glaubt Erfolgsregisseur Roland Emmerich, „werden andere nachziehen.“

Nach Meinung von Leonhardt liegen die Vorteile eines voll digitalisierten Films , der nicht kopiert werden muss und zudem kostengünstiger archiviert werden kann, auf der Hand. Der Postproduction-Experte schätzt die Einsparungen bei den Vertriebskosten bei einer komplett digitalen Produktion auf rund 77 Mio. ® im Jahr. Um das neue Geschäftsfeld, das allerdings die Existenz von Kopierwerken und klassischen Filmverleihern bedrohen könnte, voranzubringen, hat das Werk ein Pilotprojekt „Digitales Kino“ ins Leben gerufen. Beteiligt sind unter anderem T-Systems und der Werbemulti „Heinefilm“.

In der Digitalisierung sieht Leonhardt auch eine Chance für den deutschen Film insgesamt, der vor allem an Geldmangel und guten Storys krankt. Rund 250 Mio. ® stecken Bund und Länder im Schnitt in den deutschen Film. Der Löwenanteil des Geldes kommt jedoch aus so genannten Filmfonds: So flossen im Jahr 2000 rd. 2,5 Mrd. ® Fondsgelder in Filmproduktionen, ein großer Teil davon in Form von Koproduktionen in die USA. „Die Deutschen wollen Hollywood finanzieren“, kritisiert Emmerich die derzeitige Praxis, die vor allem zu Lasten der freien Produzenten hierzulande geht.

„Mehr Geld und Zeit für Drehbuchentwicklung“, wünscht sich z. B. die Co-Autorin von „Mädchen, Mädchen“, Meggi Peren. Zu schnell gingen Filme in Deutschland in die Produktion. Gedreht werde für den Markt, nicht fürs Herz, klagt die Schauspielerin. Die unabhängigen Produzenten stärken und den Film als Kulturgut fördern möchte deswegen der Berliner Anwalt für Medienrecht, Andreas Schardt. Ihm schwebt eine Fondslösung vor in dem Bereich, in dem nach Meinung vieler Filmschaffender die Qualitätsmängel beginnen. „Wir müssen in Dramaturgie, Drehbücher, Recherche und Marktanalyse investieren“, sagt Schardt, der über einen „Developmentfonds“ gezielt die kreative Phase vor der eigentlichen Produktion unterstützen möchte. Postproduction-Fachmann Leonhardt denkt in die gleiche Richtung. Wenn mit der vollen Digitalisierung Budgetmittel frei würden, sollte das Geld in gute Geschichten, ein fundiertes Marketing investiert werden und in gute Schauspieler, die – trotz allen technischen Fortschritts – auch im digitalen Zeitalter unersetzbar bleiben.

JUTTA WITTE/zel

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