Medien 18.01.2008, 19:32 Uhr

Spekulationen um Murdochs Einstieg bei Premiere  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 1. 08, jdb – Seit Bekanntwerden des Einstiegs von Rupert Murdoch bei Premiere schießen die Spekulationen ins Kraut. Will der Medienmogul seinen Anteil beim Pay-TV-Sender von 15 % noch erhöhen? Welche Pläne haben Murdoch und sein Sohn James in Deutschland? Welches Schicksal droht der Sportschau im Bundesliga-Poker?

Operation Nachtangriff“ betitelte der Spiegel die überraschende Übernahme von 15 % der Premiere-Aktien durch den australisch-amerikanischen Medienmogul Rupert Murdoch und seine News Corporation. Der am Montag vergangener Woche bekannt gewordene Deal soll demnach binnen einer Woche per E-Mail und Handy verhandelt und am Sonntag zuvor abgeschlossen worden sein. Branchenbeobachter sind sich einig, dass Murdoch damit dem französischen Medienkonzern Vivendi zuvorkommen wollte, über dessen Einstieg bei Premiere schon länger spekuliert worden war.

Zu dieser Interpretation passt, dass sich James Murdoch (34), seit Dezember Europachef der News Corporation und wohl designierter Nachfolger seines 76-jährigen Vaters, erst am Dienstag dieser Woche mit dem Premiere-Management in Unterföhring getroffen hat. James ist zugleich Vorstandsvorsitzender des britischen Pay-TV-Senders BSkyB, an dem News Corp. 39 % der Anteile hält.

Seit dem Bekanntwerden des Deals schießen nun die Spekulationen ins Kraut: Was plant Murdoch mit Premiere? Bleibt es beim 15 %-Anteil, der News Corp. zwar zum größten Einzelaktionär macht, aber noch wenig Einfluss garantiert? Wird gar Premiere das umstrittene Verschlüsselungssystem Nagravision aufgeben und zum vermeintlich sichereren Videoguard des Murdoch-Unternehmens NDS wechseln? Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten.

Fakt ist: Murdoch kauft jene 14,58 % der Premiere-Aktien, die einst Unitymedia im Zuge des Bundesliga-Abkommens von Premiere erhalten hat. Die dafür zu zahlenden 287 Mio. $ entsprechen einem Kurs von 17,50 €, rund 2 € mehr, als das Papier zum Stichtag an der Börse wert war.

„Warum sollte der neue Anteilseigner einen so hohen Aufschlag für eine Minderheitsbeteiligung zahlen, ohne an einer Aufstockung des Anteils interessiert zu sein“, gaben daraufhin die Experten von Unicredit laut Reuters zu bedenken. Zwar habe eine mit der Sache vertraute Person gesagt, dass Murdoch momentan keine Absichten hege, die Beteiligung zu erhöhen. Branchenkreisen zufolge werde er sich damit aber nicht begnügen. Murdochs News Corp. könne mit diesem Anteil Premiere weder kontrollieren noch eine Übernahme durch Dritte verhindern, argumentieren z. B. die Analysten von MM Warburg.

Für Murdoch sind jedenfalls die 287 Mio. € ein kleiner Fisch, bezahlte er doch kurz vor dem Jahreswechsel erst rund 5 Mrd. $ für die Übernahme des altehrwürdigen US-Verlags Dow Jones, die ihn zum wohl mächtigsten Medienzaren der Welt machte.

So gehören dem gebürtigen Australier, der seinen weltweiten Eroberungszug in seiner Heimat begann, laut AP fast 40 % aller britischen Zeitungen, darunter die renommierte „Times“, und die beiden Massenblätter „Sun“ und „News of the World“.

In den USA baute Murdoch, der inzwischen die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hat, den Sender Fox News während des Irak-Feldzug mit betont patriotischer Berichterstattung, konservativer Grundhaltung und Parteinahme für US-Präsident Georg W. Bush 2005 zum beliebtesten Kabelkanal auf.

Auch in Deutschland war Murdoch schon mehrfach aktiv – letztlich gelang es ihm aber trotz zahlreicher Versuche nicht, sich auf dem hart umkämpften Markt zu etablieren. Beteiligt war er unter anderem an den Sendern Vox, Pro Sieben, TM3 und Premiere. In Erinnerung blieb vor allem sein Engagement in der Kirch-Gruppe. Nachdem diese nach hohen Verlusten bei dem Bezahlsender Premiere World 2002 in immer stärkere Finanznöte geriet, war Murdoch letztlich nicht bereit, eine Rettungsaktion für die in Insolvenz gegangene KirchPayTV und die Dachgesellschaft Taurus zu starten: 1,7 Mrd. € musste er abschreiben.

Jetzt also der neue Anlauf. Und der alte Fuchs gibt sich optimistisch: „Pay-TV ist ein Kerngeschäft von News Corp. und es gedeiht in ganz Europa durch eine Vielzahl neuer Angebote und Innovationen. Wir sehen enormes Wachstumspotenzial in Deutschland und glauben, dass der Zeitpunkt genau richtig ist, um in das führende Pay-TV-Unternehmen Premiere zu investieren“, so der am 7. Januar per Presseerklärung verbreitete Originalton Rupert Murdoch.

Mit rund 4 Mio. Abonnenten ist Premiere allerdings noch nicht einmal halb so groß wie die britische BSkyB, die es auf rund 8,7 Mio. zahlende Zuschauer bringt. Die exklusiven Sportrechte sehen Branchenbeobachter als Schlüssel zum Erfolg auf der britischen Insel.

Und da kommt in Deutschland unweigerlich das Thema Bundesliga auf den Tisch: Mit der News Corp. im Rücken werde Premiere bei den Verhandlungen für die Sendelizenzen ab 2009 eine deutlich bessere Ausgangsposition haben, prognostizieren die Auguren. Sie sehen schwere Zeiten auf die gute alte ARD-Sportschau zukommen, denn ohne Exklusivität sei Pay-TV nur schwer am Markt durchzusetzen. Andererseits brauchen die Bundesligavereine die Reichweite, die ihnen das öffentlich-rechtliche Fernsehen garantiert, um Sponsoren und Werbetreibende bei der Stange zu halten.

In jedem Fall wird Murdoch bei den Verhandlungen auf einen alten Bekannten treffen: Der 81-jährige Leo Kirch wird – wenn er bis Ende Januar eine Bankbürgschaft über 500 Mio. € erhält – die Vermarktung der Liga-Rechte übernehmen. Ob die beiden älteren Herren noch eine Rechnung offen haben? Auch das gehört derzeit ins Reich der Spekulationen. jdb

Kauf von Dow Jones machte Murdoch zum wohl mächtigsten Medienzaren

Von Jens D. Billerbeck

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