Medien 19.09.2008, 19:37 Uhr

Spektakuläre TV-Bilder aus London machen Appetit auf Olympia 2012  

Mit 7680 x 4320 Pixel wird hier eine Auflösung erreicht, die dem 16-Fachen des hochauflösenden Fernsehbildes nach Full-HD-Standard entspricht. Die Europapremiere ist für die Olympischen Sommerspiele in London geplant

Besser hätte eine erfolgreiche Vorführung der japanischen Super-Hi-Vision-Technik auf der IBC in Amsterdam gar nicht ausgehen können: Ein Messebesucher glaubte während einer Direktübertragung aus London, auf der dortigen Towerbridge seinen Freund erkannt zu haben. Ein kurzer Anruf auf dessen Handy und den zur Bestätigung gewunkenen rechten Arm brachten Gewissheit – er ist es. „Mit normaler Fernsehtechnik, selbst mit Full-HD, wäre das bei einer solchen Totalen und einer Aufnahmeentfernung von etwa 250 m sowie dieser Projektion hier gar nicht möglich gewesen“, erklärt Yoshihiro Fujita, Executive Research Engineer bei der japanischen Fernsehanstalt NHK.

Alle Komponenten dieses Systems haben irgendetwas Gigantisches an sich. Allein die auf der City Hall, dem Amtssitz des Londoner Bürgermeisters, aufgebaute Kamera wiegt 45 kg, das Fünffach-Zoom-Objektiv nicht mitgerechnet. Die zweite Kamera dieser Art – mehr gibt es einfach noch nicht – war als Reservekamera vor Ort. Immerhin kommt damit eine Bildqualität zustande, die Experten gerne als „unglaublich“ bezeichnen.

Das wundert nicht, schaut man sich die technischen Daten an. Mit 7680 x 4320 Pixel wird eine Auflösung erreicht, die dem 16-Fachen des so genannten progressiven Full-HDTV-Formats mit seinen 1920 x 1080 Pixel entspricht. Zwar finden sich letztere Werte heute auf vielen High-End-Fernsehdisplay, doch werden sie so noch nicht gesendet, kommen vielmehr nur über das Vehikel des Zeilensprungs zu den Zuschauern.

Anders Super Hi-Vision. Da geht es grundsätzlich nur ohne Zeilensprung, wobei die beiden parallel betriebenen Großbildprojektoren das Superbild dann auf eine 6,10 m x 3,40 m große Leinwand zaubern. Umgerechnet wäre das eine Bilddiagonale von etwa 275 Zoll, also knapp 7 m. Jedes Bild besteht aus über 33 Mio. Pixel, die 60-mal pro s auf die Leinwand geworfen werden. Hinzu kommt noch der Ton aus insgesamt 22 Lautsprechern, die in drei Ebenen angeordnet sind. Zwei große Bässe sorgen unterhalb der Leinwand für den vibrierenden Baucheffekt, was besonders beim vorgeführten akustischen Donnerwetter wirkt: Zweimal pro Stunde zog es grollend auf, eigens in der Nähe vom Mount Fuji aufgenommen. Auch Musik und Lieder eines Kinderchors ließ NHK speziell für diese Präsentation komponieren.

„Wir hatten Zweifel, ob das den europäischen Geschmack treffen würde“, so Fujita. Unbegründet, wie sich schnell herausstellte. Jede halbe Stunde fand eine 20-minütige Vorstellung statt, bei der die 70 Plätze immer voll ausgenutzt waren, Stehplätze nicht mitgerechnet. Und heftiger Beifall zeigte die Begeisterung des Fachpublikums. „Europa will das auch“, so ein oft geäußerter Kommentar am Schluss der Vorführung.

Die gezeigten Bilder waren spektakulär. Beim Schwenk von der City Hall über die Themse entlang hatte man den Eindruck, selbst vor Ort zu sein, Telepräsenz in einer ganz neuen Dimension eben. Egal, ob Sonnenblumenfeld oder ein Bienenvolk bei der Arbeit, Landschaftsaufnahmen oder Kinderchor – niemand kann sich der Faszination der Bilder entziehen, die eben in einer bislang nicht erlebten Schärfe daherkommen.

Das alles zu übertragen ist nicht ganz einfach. Unkomprimiert kommt durch die Kamera eine Datenrate von 24 Gbit/s zustande, die aber nur über kurze Entfernungen sinnvoll zu übertragen ist, aber eben nicht von London nach Amsterdam. Erst eine MPEG-2- Kompression auf etwa 630 Mbit/s macht sie passend für eine Übertragung via Internet-Protokoll über eine 1-Gbit/s-Glasfaser-Verbindung. Hier haben Siemens IT Solutions and Services sowie Cable and Wireless mitgewirkt.

Eine zweite Übertragung kam aus Turin, wo die RAI in einem großen Server das Super-Hi-Vision-Programm unkomprimiert gespeichert hatte. 16 Encoder mit H.264 (MPEG-4) sind parallel tätig, um das Material auf zweimal 70 Mbit/s zu bringen und es damit „satellitenfähig“ zu machen. Hierfür waren zwei Eutelsat-Transponder von Atlantic Bird auf 5° West belegt.

Bislang arbeitete NHK vor allem mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Japan zusammen, jetzt folgte der große Sprung zu Europas Broadcastern. Nicht zu allen, sondern zunächst nur zu der BBC, der RAI und dem IRT, also dem Institut für Rundfunktechnik in München. Alle haben sich in der „Broadcast Technology Futures Group btf“ versammelt, die sich ebenfalls auf der IBC erstmals präsentierte. „In Zeiten knapper finanzieller Mittel wird es zunehmend darum gehen, Forschungs- und Entwicklungsauf- und ausgaben zu konzentrieren, Doppelausgaben zu verhindern. Nicht alles muss überall gemacht werden“, so IRT-Direktor Klaus Illgner-Fehns. Es ist verständlich, dass „sein“ Institut mit Super Hi-Vision noch nicht viel am Hut hat. „Unsere Gesellschafter (vor allem ARD und ZDF, die Red.) sind gerade dabei, sich auf den Start des HDTV-Regeldienstes im Jahr 2010 vorzubereiten – da können wir nicht jetzt schon an einem weiteren System mitwirken. Das würden auch die Gebührenzahler nicht verstehen.“

Derartige Bauchschmerzen hat die Europäische Rundfunkunion EBU nicht, bei der das IRT ebenfalls Mitglied ist. So war auf dem EBU-Stand Super Hi-Vision selbstredend ein wichtiges Thema, konnte dort allerdings „nur“ mit 3840 x 2160 Pixel gezeigt werden, was immerhin vierfaches progressives Full-HD bedeutet. „Vor der Zukunft kann keiner die Augen verschließen“, erklärte Lieven Vermaele, Technischer Direktor der EBU, dieses Engagement.

Perspektivisch wird Super Hi-Vision zunächst in Kinos und andere Veranstaltungssäle einziehen, bevor es dann so etwas wie heimtauglich werden könnte. Technisch gesehen könnte vielleicht schon in zehn Jahren an den Sprung in die Wohnzimmer gedacht werden. Doch bis dahin können und müssen sich Japans Haushalte weiterhin mit der bisherigen HD-Technik begnügen, die nach wie vor „nur“ mit 1920 x 1080 Pixel und Zeilensprung daherkommt. Alle analogen TV-Übertragungen werden dort übrigens am 24. Juli 2011 abgeschaltet.

Ein Jahr später wird es eine fulminante Europa-Premiere von Super Hi-Vision geben. Olympische Aufnahmen und Public Viewing auf Super-Großbild. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Kaum haben nämlich die Messebesucher den NHK-Stand auf der IBC verlassen, bauten Ingenieure die diffizile Technik ab, um sie zur BBC nach London zu bringen. In einer Woche sollen dort intensive Gespräche die nächsten Entwicklungsschritte für Olympia 2012 definieren. Schließlich sind es bis dahin auch nur noch 1407 Tage. RAINER BÜCKEN

Zuschauer der Super-Hi-Vision- Demo waren begeistert: „Europa will das auch.“

Von Rainer Bücken

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