Medien 14.12.2007, 19:32 Uhr

Soziale Netzwerke verraten viel über ihre Mitglieder  

VDI nachrichten, Bonn, 14. 12. 07, rb – Mit Millionen, manchmal auch Milliarden € kaufen IT-Riesen und Verlage soziale Netzwerke auf. Der Wert dieser Plattformen liegt in den Profilen ihrer Mitglieder, die dort oftmals mehr über sich preisgeben, als ihnen bewusst ist. Das zeigt jetzt ein neues Feature der Business-Plattform Xing, das Mitgliedern eine gegenseitige Überwachung ermöglicht.

Jüngst bewerteten die IT-Schwergewichte Microsoft und Google den Dienst Facebook, eine Plattform für soziales Netzwerken, auf rund 15 Mrd. $. 85 Mio. € blätterte der Holtzbrinck-Verlag für die Übernahme des deutschsprachigen Studentennetzwerks StudiVZ hin. Als wertvoll gelten die Netzwerke, weil sie zielgruppengerechte Werbung versprechen. Möglich ist das aufgrund der oftmals recht detaillierten Nutzerprofile. Dabei werden diese umso wertvoller, je mehr Daten die Nutzer über sich bereitstellen.

Wie schmal dabei der Grat zwischen Privatsphäre und Transparenz ist, zeigte jetzt der Dienst „Neues aus meinem Netzwerk“, den Xing, eine Plattform für soziales Netzwerken im Business-Umfeld, vor wenigen Tagen vorstellte und damit prompt heftige Diskussionen unter seinen Mitgliedern auslöste. Mit Hilfe des Dienstes erfährt man, dass Herr Meyer an „neuen Mitarbeitern“ interessiert ist, Frau Müller eine Person namens „Erika Muster“ als neuen Kontakt hat.

Der Newsstream wird automatisch aus den Veränderungen generiert, die Nutzer an ihrem Profil vornehmen. Die Informationen aus „Neues aus meinem Netzwerk“ stehen den Xing-Mitgliedern auch als neue Powersuche sowie als RSS-Feed zur Verfügung und lassen sich mobil abrufen. Wenn man nicht möchte, dass andere Mitglieder von den Änderungen erfahren, kann man die Freigabe von bestimmten Datengruppen wie „Persönliches“, „Neue Kontakte“ oder Stammdaten über ein Opt-Out unterbinden.

Xing-Chef Lars Hinrichs verspricht sich von dem neuen Feature eine „neue Dimension“ des Netzwerkens. Für das langjährige Xing-Mitglied Michael J. Erner, selbst als Datenschutzbeauftragter in mehreren Unternehmen tätig, geht die Funktion „Neues aus meinem Netzwerk“ jedoch zu weit. Er stört sich daran, dass fast alle Funktionen bei Xing mit Opt-Out-Funktionen versehen sind – Nutzer müssen sie also aktiv ausschalten.

Erner: „Das Opt-Out-Verfahren ist darauf ausgerichtet, dass der Nutzer sich selbst gar nicht darum kümmern muss, sein Verhalten transparent zu machen. Dies übernimmt Xing und zieht sich darauf zurück, dass die Nutzer bei Begründung ihrer Mitgliedschaft mit der Datenschutzerklärung ihr Einverständnis zu solchen Funktionen abgegeben haben.“

Auf diese Weise, so befürchtet Erner, könnte sich der Nutzer ohne sein aktives Zutun irgendwann im Internet oder in ihm bis dato unbekannten Datenbanken wieder finden. Auch andere langjährige Mitglieder störten sich an der Neuerung und bezeichneten sie als „Bewegungsmelder“, der ein „vollständiges Protokoll des sozialen Lebens im Web“ ermögliche.

Vor über einem Jahr musste Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine schwere Schlappe einstecken, als er über Nacht einen ähnlich ausgerichteten „News-Feed“ einführte, der Mitglieder automatisch über Profil- und Kontaktänderungen informierte. Ändern oder abschalten ließ sich der Feed damals, anders als bei Xing, nicht.

Eine Gruppe namens „Studenten gegen Facebook News Feeds“ konnte deshalb in kürzester Zeit mehr als 700 000 Mitglieder gewinnen, die eine Petition für eine Anpassung oder Abschaffung des neuen Features unterstützten. Nachdem sie zu einem Boykott unter dem Motto „A Day Without Facebook“ aufgerufen hatten, ruderte Zuckerberg in letzter Minute zurück und ermöglichte eine Änderung sowie Deaktivierung des Dienstes.

Xing-Chef Lars Hinrichs teilte mit, dass Xing mit dem neuen Feature einen „neuen absoluten All-Time-High-Rekord an Pageviews“ erreichen konnte. Laut Statistik würden sich nahezu alle Mitglieder über die Neuerung „sehr freuen“. „Fast niemand“ habe bislang den eigenen Newsfeed abgeschaltet bzw. beschränkt. Allerdings hatte Xing nur in einem Newsletter-Beitrag und einer Pressemitteilung auf die Neuerung hingewiesen. Eine persönliche E-Mail an Mitglieder wurde nicht verschickt. C. SCHULZKI-HADDOUTI

Ein Beitrag von:

  • Christiane Schulzki-Haddouti

    Freie Journalistin und Buchautorin in Bonn. Scherpunktthemen: Bürgerrechte, Informationsfreiheit, Datenschutz und Medienethik.

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