Medien 30.11.2001, 17:32 Uhr

Sorgen im Micky-Maus-Imperium

Am 5. Dezember ist der hundertste Geburtstag von Walt Disney. Der Vater der Micky Maus hat das Filmgeschäft geprägt wie kaum ein anderer und einen der weltweit größten Medienkonzerne geschaffen. Doch weder den Mitarbeitern noch Disney-Boss Eisner steht der Sinn nach Feiern.

Atlantis“ lautet der Titel von Disneys diesjährigem Weihnachtsmärchen. Die Geschichte, in der es um eine versunkene Stadt geht, spiegelt mehr wider als nur Historie. Auf paradoxe Weise zeigt sie auch die Situation des Konzerns. Denn der Traumfabrik geht es alles andere als märchenhaft gut. Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Burbanks und Konzernchef Michael Eisner kämpften bereits vor dem 11. September mit Schwierigkeiten.

Bereits im März diesen Jahres kündigte der Unterhaltungskonzern Entlassungen und den erstmaligen Verkauf von Filmrechten an internationale TV-Sender an. Rund 4000 Stellen von 120 000 sollten weltweit entfallen. Als Grund nannte der in den USA sehr bewunderte Eisner die schleppende Konjunktur. Zum Konzern gehören insgesamt fünf Geschäftsbereiche: Media Networks mit TV-Sendern wie ABC und ESPN, Studio Entertainment mit TV-Sendungen und Musik, Themenparks, Verbraucherprodukte sowie Internet- und Direktmarketing. Auf die ersten drei entfallen je rund ein Drittel des Umsatzes – und sie alle sind im Moment kräftig angeschlagen. Auch eine Übernahme durch einen anderen Medienriesen scheint nicht mehr ausgeschlossen.

Gründer Walt Disney würde sich wahrscheinlich filmreif im Grabe umdrehen. Denn der Sohn einer Deutschen und eines Iren achtete stets auf Unabhängigkeit und beließ die Macht in der Familie. Anfangs fiel nur seine zeichnerische Gabe auf, die die Eltern förderten. Später machte der Reklamezeichner mit seiner ersten Filmgesellschaft Pleite. Dann zeichnete er stumme Kino-Vorfilme. Auch Micky Maus war zunächst kein Renner und wurde erst 1928 mit dem ersten vertonten Zeichentrickfilm „Steamboat Willie“ bekannt. Disney schuf Donald Duck, organisierte für jeden Film eine Projektgruppe – und war doch Füllprogramm. Das änderte sich mit dem Film „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, der 1937 in die Kinos kam. Ihm folgten „Bambi“, „Dumbo“ und „Fantasia“. Politisch profitierte Disney während der Ära McCarthy von seiner antikommunistischen Einstellung. Er galt als äußerst rechts. In den fünfziger Jahren drehte sein Konzern erstmals Spielfilme wie „Die Schatzinsel“ und Naturstreifen („Die Wüste lebt“). In Burbank beschäftigte er über 3000 Angestellte. Mit der Eröffnung von Disneyland erfüllte sich Disney 1955 einen Traum. 1971 folgte Disneyworld in Florida.

„Ich mache nicht Filme, um Geld zu verdienen, sondern verdiene Geld, um Filme zu machen“, soll Disney gesagt haben. Als er mit 65 Jahren an den Folgen einer Lungenoperation starb, besaß seine Familie noch 34 % des Unternehmens. Nach seinem Tod 1966 entwickelte sich kaum etwas im Disney-Konzern. Erst mit Eisners Einstieg 1984 kam der Aufstieg. Disney hält mit 32 Oskars immer noch einen Rekord. Absahner war unter anderem der Dinosaurier-Klassiker „Jurassic Parc“.

Trotz aller Erfolge – die Zahlen wurden im Laufe der Jahre schlechter. Eine Wende schien notwendig, nachdem schon 1999 das schlechteste Ergebnis seit Eisners Antritt vor 17 Jahren erwirtschaftet wurde. Die Attentate vom 11. September taten ein Übriges. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres, das für Disney am 30. September endete, brachen die Nettogewinne gegenüber dem Vorjahresquartal um 78 % auf 53 Mio. Dollar ein.

Zum einen leidet der Konzern unter fehlenden Werbeeinnahmen. Dieses Problem macht sich schon seit einiger Zeit bemerkbar, da die Sender ABC sowie der Sportkanal ESPN als reine Inhalte-Anbieter stärker als andere von Werbeeinnahmen abhängen. „Der schwache Werbemarkt wird wohl bis 2002 anhalten“, glaubt Eisner. Zum anderen leiden die Parks unter Besucherschwund. Allein in Florida sackte die Zahl der Besucher um ein Viertel ab. Der erst im Februar eröffnete Park „California Adventure“ lief so schlecht, dass Disney die Eintrittspreise sogar senken musste.

In Europa waren Analysten enttäuscht, weil Euro Disney gerade erst ein Ergebnis von 30,5 Mio. Euro verkündete – 21 % weniger als im Vorjahr. Der Konzern setzt auf den Walt Disney Studio Park, der derzeit direkt neben Euro Disney entsteht. Er soll schon Mitte März 2002 eröffnen.

Der Aktienkurs rutschte inzwischen von 43 Dollar (April 2000) auf unter 30 Dollar. Das ist weit mehr als AOL Time Warner oder Viacom verloren. Analysten werfen dem Konzern vor, sich nur auf Inhalte zu stützen, während Konkurrent AOL Time Warner auch Infrastruktur bietet.

Disneys größter Einzelaktionär verkaufte Anteile für 135 Mio. Dollar. Disney blieb nichts übrig als die Papiere wenigstens teilweise aufzukaufen. Dafür musste sich die Unterhaltungsikone erneut verschulden – und wurde von Moody“s herabgestuft. Schließlich stand der Konzern schon wegen des Kaufs des Fox Family Kabelfernsehens in der Kreide. Und zum ersten Mal wurden Gerüchte über eine mögliche Übernahme von Disney laut.

CORDELIA CHATON

www.waltdisney.com

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