Medien 05.01.2001, 17:27 Uhr

Rammbock für mehr Transparenz

Die Kirch-Gruppe wandelt sich vom undurchschaubaren Medien-Imperium zum klar strukturierten Filmunternehmen. Informationstechnik und moderne Datenspeicher helfen, die so genannten Rich-Media-Inhalte zu verwalten und neue Dienste zu etablieren.

Medienzar – diesen inoffiziellen Titel trägt der Münchener Unternehmer Leo Kirch nicht ohne Grund. Er ist Herr über mehr als 85 000 Programm-Stunden und ein weit verzweigtes Geflecht von Tochterfirmen. Bis vor kurzem galt das Imperium als eines der undurchschaubarsten der Republik. Doch der angekündigte Börsengang der Unternehmenssparte Kirch Media, in der u. a. die Filmrechte und der Lizenzhandel gebündelt sind, zwingt Kirch, Licht in die Strukturen zu bringen. Der wichtigste Helfer dabei: die Informationstechnik (IT).
„Die IT ist immer auch ein Vorreiter für Transparenz und Kompetenz“, so Martin Weinert, Vice President Information Management and –systems bei der Kirch Holding. „Sie zwingt die Gruppe, sich bis zum letzten zu strukturieren.“ Erst wenn alle Abläufe transparent sind, kann die IT ihre Potentiale voll ausspielen. Doch der Wert der IT wächst bei Kirch auch aus einem anderen Grund. „In Verbindung mit einer effizienten Rechteverwaltung und digitalisiertem Content lassen sich Spartenprogramme paketieren, die sonst nicht wirtschaftlich verwaltet werden können“, sagt Weinert. Teilweise weiß man bei Kirch noch gar nicht, welche Schätze überhaupt in den Kellern lagern. Das Zauberwort heißt Rich Media – Daten, z. B. Musik und Filme, die mehrfach verwertbar sind und satte Gewinne versprechen (s. Interview).
Kirchs Einkaufsstreifzüge der vergangenen Jahre haben bislang ungesichtete Medienschätze in die Lager gebracht – und die sollen jetzt in bare Münze umgewandelt werden. Die Medien müssen dazu digitalisiert und „verschlagwortet“ werden, erklärt Weinert. Digitale Technik und riesige Speichernetzwerke sollen helfen, mit bewährter Ware neue Märkte zu erobern.
Denn ob Filmmusik, Vermarktungs- und Verleihrechte – Kirch entscheidet und überwacht, wer was wann sehen darf und wie viel dafür zu zahlen ist. Möglich macht dies das so genannte Rechte-Handels-System (RHS) – eine Eigenentwicklung zur Rechteverwaltung und -Vermarktung.
Eine der größten Zukunftschancen liegt dabei in neuen Übertragungstechnologien wie Breitbandkabel, DSL oder UMTS. Leo Kirchs Stellvertreter Dieter Hahn hat entsprechende Pläne mit Mobilfunkherstellern angekündigt. Die Vertriebserfahrung habe man bereits durch die Abonnenten des Pay-TV-Senders Premiere World, so Weinert.
Bis Juni will Kirch ein gruppenweites Intranet etablieren. Neben allen Mitarbeitern soll von diesem geschlossenen Netz auch der Film-Kunst-Musikverlag (FKM), und seine B2B-Handelsplattform intervox.de für Musikrechte mit rund 300 Kunden, profitieren. Die Intervox-Kunden, professionelle Musikanwender wie Tonstudios, bekommen im Netz eine Musik-Vorauswahl, können probehören und anschließend direkt downloaden oder eine CD bestellen. „Wir wollen der Zigarettenautomat der Musikindustrie werden, der in allen Tonstudios und Schnittplätzen hängt“, sagt Weinert, auch Geschäftsführer der FKM. Von 40 000 Rechten an Filmmusiktiteln seien erst 5000 digital restauriert.
An einem B2C-Portal arbeitet zur Zeit die Kirch New Media. Hier sollen Filmtrailer und Videoclips angeboten werden. „Unsere Infrastruktur dafür steht, aber auf der Kundenseite lassen die Leitungen noch nicht genügend Bandbreite durch“, erklärt Günter Dierolf, Leiter der zentralen Informatik der Kirchmedia. Erst wenn DSL und UMTS etabliert seien, lohne sich das richtig.
„Wir kennen alle Billingsysteme“, ist Martin Weinert vor der Achillesferse beim E-Commerce gar nicht bange. Entweder werde die Abrechnung im Geschäft mit Endverbrauchern über eine Kopplung mit SAP oder die Telefon-Rechnung erfolgen. „Wir haben alles ausprobiert und entwickeln jetzt die Plattform, um unsere audiovisuellen Inhalte an den Kunden zu bringen.“
Um diese Schritte zu stemmen, will die Kirch-Holding die komplexe IT-Infrastruktur räumlich bündeln und einheitliche Standards etablieren. Dazu gehört die Auswahl strategischer Lieferanten wie Sun, Oracle oder EMC, deren Produkte die Mediengruppe bereits heute einsetzt. Der bisherige Gemischtwarenladen soll durch SAP, Data-Warehousing und Content-Management-Systeme vereinheitlicht werden.
Alles steht und fällt mit den Speichersystemen. „Der künftige Speicherbedarf durch Rich Media ist für uns kaum abschätzbar.“ Allein im Online-Bereich erwartet IT-Chef Dierolf in den nächsten Jahren Größen bis zu 100 TByte. Eine Auslagerung der Daten an Storage Service Provider (SSP) ist jedoch nicht geplant. Weinert: „Es ist wichtig, die IT-Kompetenz im eigenen Haus zu halten. Die Daten, die bei uns anfallen, sind wirklich kritisch. Wir würden eher das Rechnungswesen auslagern, als die Filme und die Rechteverwaltung.“ S. EDER/S. ZELL

 

Von S. Eder/S. Zell

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