Medien 03.11.2000, 17:27 Uhr

Quo vadis, Deutsche Welle?

Die steuerfinanzierte Deutsche Welle ist seit den Etatkürzungen im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Ein Gutachten soll jetzt Klarheit über den Sinn des Senders im Internet-Zeitalter geben.

Niemand kann sie empfangen, aber alle kommen für sie auf – im eigenen Land ist die Deutsche Welle eigentlich nur vom Hörensagen bekannt. Aus diesem Grund stieß der deutsche Auslandrundfunksender, der sich vollständig aus Steuergeldern (1999: 606 Mio. DM) finanziert, stets auf wenig Interesse.
Das änderte sich, als Staatsminister Michael Naumann dem Sender vor einem Jahr eine Etatkürzung von 54 Mio. DM aufbürdete und massive Entlassungen ankündigte. Seitdem ist eine Debatte um Sinn und Zweck eines Auslandssenders in Zeiten globaler Digitalmedien entfacht. Will man Programm für Deutsche im Ausland machen oder für an der deutschen Kultur interessierte Ausländer? Und mit welchen Medien richtet man sich an sie – Fernsehen, Kurzwelle oder Internet? Eine Folge dieser Diskussion ist ein Gutachten, das Jo Groebel, Direktor des Europäischen Medieninstituts, im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung am vergangenen Wochenende in Berlin vorgestellt hat.
„Die Rolle des Auslandsrundfunks – Eine vergleichende Analyse der Erfahrungen und Trends in fünf Ländern“ so der Titel der Studie, die die Auslandssender Großbritanniens, der USA, Frankreichs und der Niederlande für einen Vergleich mit der Deutschen Welle zu Rate zieht. „Wir haben versucht, die Profile, Aufträge, Umsetzungen, Funktionen und Zielgruppendefinitionen verschiedener internationaler Auslandsrundfunkanstalten zu beschreiben“, erklärt Jo Groebel dazu.
Herausgekommen ist ein Bericht, der laut Groebel „keinerlei wirtschaftsprüferische Merkmale“ aufweisen will und schon aus diesem Grund auch an den Grundfesten der Deutschen Welle nicht rüttelt. An der prinzipiellen Funktion des Senders, eine angemessene Außenrepräsentation der Wirtschafts- und Kulturnation Deutschland zu betreiben, wird festgehalten. Aber: „Es bedarf eines präziseren Auftrages, Deutschland in der Welt darzustellen, gekoppelt an völlige journalistische Unabhängigkeit.“
Blickt man auf das Deutschlandbild vieler Nationen, das gegenwärtig stark vom Rechtsextremismus geprägt ist und eine selektive, an spektakulären Ereignissen orientierte Wahrnehmung der hiesigen Verhältnisse verrät, scheint hier der Auslandsrundfunk gefragt. Er könnte korrigierend eingreifen und ein differenzierteres Bild der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Wirklichkeit Deutschlands vermitteln. So sieht es auch der Programmauftrag der Deutschen Welle vor. Doch gerade dieser, so das Fazit der Studie, sei zu diffus. Die Forscher des Medieninstituts haben bei allen anderen Auslandssendern eine wesentlich präzisere Definition ihres Auftrages erkannt und im Programm angetroffen.
Hingegen ist das Profil der Deutschen Welle laut Gutachten unscharf und zu breit angelegt. Der 1953 gegründete Bereich Hörfunk unterhält Radioprogramme in 35 Sprachen, 1992 kam ein 24-stündiges TV-Programm in drei Sprachen dazu. Und als eines der ersten Funkhäuser ist die Deutsche Welle seit 1994 im Internet präsent, wo neben mehrsprachigen Nachrichten auch Audio- und Video-Material aus Hörfunk und Fernsehen zur Verfügung stehen. Wer und wie viele Menschen dieses Angebot nutzen, ist nicht messbar. Daher fordert das Gutachten eine klarere Zielgruppendefinition für die Deutsche Welle, denn „sie ist kein Global Player wie der BBC World Service“.
Schon im Vorfeld des Gutachtens sind Forderungen nach einer größeren Kooperation mit ARD und ZDF laut geworden, insbesondere bei Fernsehprogrammen für Deutsche im Ausland. Welle-Intendant Dieter Weirich kann sich eine Kooperation nur auf der Basis einer „digitalen Plattform als Pay-TV“ vorstellen, wie er der „Berliner Zeitung“ kürzlich verriet: „Dies würde geringere Rechtekosten verursachen und ließe sich durch die Einnahmen refinanzieren.“ ARD und ZDF haben bereits in den USA Interesse an einer Satelliten-Ausstrahlung von Teilen ihrer Programme angemeldet. Den gesetzlichen Auftrag dafür hat aber allein die Deutsche Welle.
Ein weiteres Ergebnis des Gutachtens verweist auf die traditionelle Funktion des Auslandssenders, in Ländern Programm zu machen, die sich im Kriegszustand befinden oder keine Rundfunkfreiheit garantieren. Hier macht das Gutachten „die größte Diskrepanz zwischen Situation und Auftrag aus und fordert die parlamentarische Legitimierung für den Einzelfall. Es könne nicht Redakteuren überlassen werden, in welchem Ausmaß die Deutsche Welle ein Krisengebiet langfristig versorgt. Die Verantwortung für Krisenfunk müsse politisch abgesichert sein und in Kooperation mit anderen Auslandssendern erfolgen.
Als langfristige Perspektive werden die Aktivitäten der Deutschen Welle in Sachen Internet eingeschätzt. Ganze Kontinente wie Afrika, Teile Asiens und Südamerikas fehlen aber noch fast komplett auf der Karte der Online-Welt. Sie sind wohl auch langfristig nur über traditionelle Wege wie Kurzwelle zu versorgen. Um vor den hiesigen Gesetz- und Geldgebern zu bestehen, werden die Web-Aktivitäten aber sogar zur „dritten Säule“ erhoben. Was eine Online-Präsens der Deutschen Welle anderen deutschen Angeboten voraus hat, kann auch das Gutachten nicht klären. H. MERSCHMANN

Von H. Merschmann

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

WIRTGEN GmbH-Firmenlogo
WIRTGEN GmbH Projektingenieur im Bereich Kaltrecycling (m/w/d) Windhagen
BEUMER Maschinenfabrik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
BEUMER Maschinenfabrik GmbH & Co. KG Director (m/w/d) Engineering Conveying & Loading Systems Beckum
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)-Firmenlogo
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Projektleitung (w/m/d) für den Aufbau eines Reinraumzentrums Eggenstein-Leopoldshafen
Orion Engineered Carbons GmbH-Firmenlogo
Orion Engineered Carbons GmbH Projektingenieur für den Bereich Chemieanlagenbau (m/w/d) Köln
XENIOS AG-Firmenlogo
XENIOS AG Prozessingenieur / Produktionsingenieur (m/w/d) Medizintechnik Heilbronn
Orion Engineered Carbons GmbH-Firmenlogo
Orion Engineered Carbons GmbH Projektingenieur (Rohrleitungstechnik) (m/w/d) Köln
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.-Firmenlogo
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Leiterin oder Leiter Strategieabteilung Luftfahrt Köln
Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)-Firmenlogo
Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) Ingenieur (m/w/d) der Fachrichtung physikalische Technik, technische Optik, Elektrotechnik Braunschweig
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Softwareingenieur modellbasierte Entwicklung für Steuerungstechnik (w/m/d) Bruchsal
RENK Aktiengesellschaft-Firmenlogo
RENK Aktiengesellschaft Vertriebsingenieur (m/w/d) als Produktmanager – Maschinenbau / Elektrotechnik Augsburg

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.