Medien 16.04.1999, 17:21 Uhr

Projektion statt Röhre

Auf den Laser-projizierten TV-Spielfilm im heimischen Wohnzimmer werden wir noch ein paar Jahre warten müssen. Aber für professionelle Anwender stehen Projektoren bereits zur Verfügung.

Während LKW und Busse nicht selten mit 90 km/h über die Straßen donnern, läßt bei der Dornier GmbH in Friedrichshafen ein Laserprojektor in einem Fahrschulsimulator seine Strahlen flitzen – nur sind es da 90 km pro Sekunde.
Der Unterschied kann sich sehen lassen. Einmal bedeutet er dicke Luft und verstopfte Straßen, zum anderen saubere Bilder, die selbst die einstige europäische HDTV-Entwicklung noch in den Schatten stellt. Doch diese Bilder sind nicht zum Fernsehen gedacht, sondern sollen Brummi- oder Busfahrern in spe das Einmaleins des Fahrens auf der Straße nahebringen. Wer losfährt, läßt die Landschaft an sich vorbeiziehen, ohne dabei auch nur einen Liter Dieselkraftstoff zu Ruß und Stickoxiden verwandeln zu müssen. Dabei bleibt das Fahrgefühl erhalten – es ruckelt und schuckelt wie in einem echten Truck. Dafür sorgt eine sechsfüßige Spider-Bewegungstechnik, die mit einem virtuellen Motor, sowie Lenkungs- und Bremssystemen verbunden ist.
Gelenkt wird wie im richtigen Leben – nach Sicht. Und da kommt dann der Laser ins Spiel, der aus vier Kanonen oberhalb der Fahrerkabine das Bild auf eine Wand projiziert, gegen die der Fahrer immer anfahren muß – ohne sie je zu erreichen. Bislang waren vier Kathodenstrahl-Projektoren hoch über dem Fahrerhäuschen installiert, was mit der notwendigen Mechanik eine Gesamtlast von einer halben Tonne bedeutete. Jetzt wiegt ein Projektionskopf nur 8 kg und das macht auch die Bewegungssysteme beweglicher: Es kann nicht nur leichter geruckelt werden, auch die Aufbauten wurden erheblich niedriger. Alles paßt jetzt in eine 4 m hohe Garage der Bundeswehr.
Für die hat die Daimler-Benz Aerospace AG (Dasa/München) jetzt erste Testsysteme installiert, um daraus dann eine Ausschreibung für etwa 200 solcher Fahrsimulatoren zu gewinnen, Stückpreis nach gegenwärtiger Kalkulation etwa 400 000 DM.
Die Laser kommen gewissermaßen aus dem eigenen Unternehmen, nachdem 1995 Daimler Benz und die Schneider Rundfunkwerke die „LDT GmbH & Co. Laser-Display-Technologie KG“ gegründet haben. Das Unternehmen soll uns vor allem eines bescheren – den Laserfernseher.
Nachdem man inzwischen Chancen und Möglichkeiten realistischer einschätzt und das erste Vermarktungsziel 1998 aufgeben mußte, wird jetzt erstmal der professionelle Markt beackert. Er soll gewissermaßen die Kuh sein, die die Milch zum Durchhalten liefert.
„Bis wir einen Heimprojektor als kleines Kästchen anbieten können, werden aber noch mindestens fünf Jahre vergehen“, muß Christhard Deter, Chefentwickler und Geschäftsführer von LDT in Gera, inzwischen einräumen. „Ich bin nie davon ausgegangen, daß wir 1998 bereits solche Heimgeräte anbieten könnten.“ Dann sollen die ersten Heim-Laser-TV etwa 15 000 DM kosten, später dann zwischen 3000 und 5000 DM. Inzwischen hat Deter 40 bundesdeutsche Patente beantragt, erteilt sind derweil 30. „Einige Hundert“ sind es weltweit.
Die frühe Euphorie Anfang dieses Jahrzehnts hat dem Laser-TV-Projekt mehr geschadet als genutzt. „Man hat mich auch schon als Betrüger beschimpft“, gibt Deter freimütig zu. Dabei hat er es gar nicht nötig, als Scharlatan sein Geld zu verdienen. Seine Laboraufbauten haben Hand und Fuß, und wenn kein Fotoapparat dabei ist, zeigt er auch schon mal Komponenten seiner nächsten Gerätegenerationen. „Unsere Arbeitsmethodik ist ingenieurmäßig, nicht physikdenkend“, so der Diplom-Ingenieur.
35 Mitarbeiter sind inzwischen bei LDT beschäftigt, um das Laser-Fernsehen zu entwickeln. Jetzt ist auch die Jenoptik-Tochter Laser, Optik, Systeme (LOS) mit im Boot, soll sie doch die Weiterentwicklung und Fertigung von Rot-Grün-Blau-Lasern übernehmen. Ein knappes Jahr hat sie dafür Zeit, denn dann will LDT damit professionell einzusetzende Laserprojektoren bestücken.

Auch eine Methode Tapeten zu sparen

Die Arbeit wird für alle ertragreich sein, kosten doch solche Lasersysteme gut und gerne anfangs noch 300 000 DM und mehr. Wer aber die scheinbar bis in die Unendlichkeit reichende Tiefenschärfe erlebt hat, wer gesehen hat, daß Projektionen auf zylindrische oder kugelförmige starre und sich bewegende Wände und flatternde Stoffe problemlos möglich sind, bekommt ein Gefühl dafür, warum Leute vom Schlage Deter so zuversichtlich in die Zukunft schauen.
Anwender klopfen immer öfter in dem modernen Gebäude auf der Fasaneninsel in Gera an. Dabei gibt es dort weder eine Insel noch Fasanen. Das heißt, manchmal schon, wenn Deter nämlich mit seinem neusten Projektor HDTV-Bilder wiedergibt. Dann sind ihm Aufnahmen aus der Natur einfach am liebsten. Verständlich, daß er neidisch in die USA und nach Japan blickt, wo HDTV zur Standard-Fernsehtechnik entwickelt wird.
Die ersten Partnerschaften für die Laserentwicklung für künftige Konsumer-Laser-TV sind bereits in Sicht. „Wir wollen nicht die Bildröhre ersetzen, sondern vor allem Bilder mit einer Diagonale von über zwei Metern bieten“, so Deter. Daher dürfte es dabei auf großindustrielle Potenz ankommen. Weil die weder Schneider noch Jenoptik bieten können, sollen künftig vor allem Lizenzen vergeben werden. „Aber da sind wir noch etwas zögerlich. Wir wollen zumindest sicherstellen, daß wir die ersten sind, die mit der neuen Fernseher-Generation auf den Markt kommen“, so Vorstandsmitglied Herbert Leinauer. „Die Unterhaltungselektronik in Mitteleuropa verdient kaum noch Geld, und da brauchen wir neue Produkte, die das ändern.“
Hinzusetzen sollte man noch, daß das nicht ohne Umstellung unseres Fernsehsystems auf HDTV gehen wird. Zuerst warteten alle Medienexperten auf hochauflösende Displays. Jetzt sind die ersten in Sicht, da traut sich hierzulande keiner mehr, das Standardfernsehen – sei es analog oder digital – auszurangieren.
RAINER BÜCKEN
Christhard Deter, Chefentwickler des Laser-Fernsehers bei LDT, vor der neuesten Generation seines Scanners.
Die Laser-Display-Technologie bereitet an ihrem Firmensitz in Gera die Serienproduktion von Laser-TV-Geräten für den Konsumenten vor.

Von Rainer Bücken

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

NEPTUN WERFT GmbH & Co. KG-Firmenlogo
NEPTUN WERFT GmbH & Co. KG Ingenieur (m/w/d) Betriebsmittelkonstruktion Rostock
WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG-Firmenlogo
WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG Qualitätsmanager (m/w/d) Supply Chain Henstedt-Ulzburg
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Key Account Manager (m/w/d) deutschlandweit
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck-Firmenlogo
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Universitätsprofessorin/Universitätsprofessor für Stahl- und Verbundstechnologien Innsbruck (Österreich)
MEMMINGER-IRO GmbH-Firmenlogo
MEMMINGER-IRO GmbH Entwicklungsingenieur Mechanik (m/w/d) Dornstetten
Panasonic R&D Center Germany GmbH-Firmenlogo
Panasonic R&D Center Germany GmbH Engineer (m/f/d) A2W heat pump solutions Langen (Hessen)
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Regionaler Applikationsingenieur (w/m/d) Mannheim
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Abteilungsleiter (m/w/d) Konstruktion Biberach / Riss
FRITSCH Bakery Technologies GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FRITSCH Bakery Technologies GmbH & Co. KG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Markt Einersheim (Raum Würzburg)
Albert Handtmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG Projektleiter (m/w/d) Kundenspezifische Anpasssungen Biberach

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.