Medien 18.02.2005, 18:37 Uhr

Premiere: Nur für risikobereite Anleger

Dem Börsengang des Abo-Fernsehsenders wird Symbolwirkung für die weiteren Neuemissionen in diesem Jahr beigemessen.

Auch wenn vor Premiere schon Lanxess und Paion der Gang aufs Parkett gelungen ist: Die Chemietochter des Leverkusener Bayer-Konzerns war keine „echte“ Neuemission, sondern nur eine Abspaltung, und die Emission des Aachener Biotechnologieunternehmens war zu klein, um wirklich aussagekräftig zu sein. Premiere will voraussichtlich am 9. März an die Börse gehen und am 22. Februar die Preisspanne veröffentlichen, zu der interessierte Anleger die Aktie werden zeichnen können. Dies kann dann zwischen dem 23. Februar und dem 8. März geschehen. Premiere-Chef Georg Kofler rechnet mit einem großen Interesse institutioneller Anleger aus Deutschland, Österreich und weiteren Ländern. Er glaubt aber auch, dass Privatanleger die Aktie attraktiv finden könnten, denn Premiere sei eine „populäre Marke mit einem leicht verständlichen Geschäftsmodell“.
„Premiere sein heißt Erster sein“ – unter diesem Motto ist schon eine Marketingkampagne angelaufen, in der der TV-Sender in Zeitungen und Zeitschriften, in privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern für sich wirbt. Die knapp 3,25 Mio. Abonnenten sollen Sonderkonditionen erhalten. Aktionärsschützer aber raten schon jetzt, sich ein Engagement gut zu überlegen: „Das ist keine klassische Aktie für Privatanleger“, meint etwa Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), „sondern nur etwas für äußerst risikobereite Investoren.“ Premiere-Chef Kofler habe aber in den vergangenen Jahren einen „guten Job“ gemacht, meint der Aktionärsschützer.
Seit der Pleite der einstigen Muttergesellschaft von Leo Kirch im Jahr 2002 hatte Kofler das Unternehmen nach und nach saniert: Im vergangenen Jahr hatte Premiere fast 1 Mrd. € umgesetzt und erstmals in der Firmengeschichte operativ schwarze Zahlen geschrieben: Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verdiente das Unternehmen knapp 83 Mio. €. Unter dem Strich blieb aber ein hoher Verlust von 80,6 Mio. €.
Premiere ist derzeit in gut 8 % der deutschen Haushalte zu empfangen. In England und Frankreich aber ist der Anteil der Haushalte, die Bezahlfernsehen abonniert haben, mit 40 % erheblich größer. Deshalb glaubt Kofler an ein großes Wachstumspotenzial für Pay-TV in Deutschland.
„Diese Einschätzung kann ich nicht teilen“, meint dagegen Marcus Stigler, Fondsmanager Medien der Deka Investment. Denn in Deutschland gebe es eine viel größere Anzahl an Free-TV-Sendern als in anderen europäischen Staaten. So seien per Satellit 40 % der Haushalte versorgt und mehr als 50 % dem Kabelnetz angeschlossen. „Fast alle Haushalte haben ein vernünftiges Programmangebot, deshalb sehe ich da keinen großen Anreiz für Fernsehzuschauer, noch einen weiteren Fernsehsender zu abonnieren“, sagt Stigler.
So recht überzeugt von der Premiere-Story sind auch andere institutionelle Anleger bisher nicht. Manche haben den Eindruck, Premiere wolle nur Kasse machen, so etwa Vorstandschef Kofler, der mit einem Anteil von 20,5 % zweitgrößte Aktionär des Senders.
Dass die Beteiligungsgesellschaft Permira, die knapp 55 % der Anteile hält, sich allmählich aus ihrem Engagement verabschieden wolle, hält Fondsmanager Stigler jedoch für normal. Allerdings sollten die Altaktionäre sich verpflichten, auch künftig noch größere Anteile zu halten.
Aus der Emission werden etwa 600 Mio. € erwartet. Die Hälfte davon soll zur Tilgung der Schulden verwendet werden. Die elf Banken, die den Börsengang begleiten – federführend sind die HypoVereinsbank, Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston – werden sich in den nächsten Wochen bei den Investoren umhören, wo die einen adäquaten Preis sehen. „Sollte die Bewertung unter 2 Mrd. € liegen, könnte das Investment interessant sein“, meint Stigler. Sobald es aber eher 2,5 Mrd. € seien, würde er von einer Zeichnung „stark abraten“.
Auch die kleine Biotechfirma Paion hatte versucht, mehr Geld für ihre Aktien zu erlösen, war aber schließlich gezwungen gewesen, die Preisspanne zu senken. Die Investoren scheinen also noch die Stärkeren zu sein, wenn es um die Festsetzung des Ausgabepreises geht. Das hatten 2004 auch Wincor Nixdorf und die Postbank erfahren müssen. Beide Papiere notieren inzwischen aber 62 % bzw. 20 % über ihrem Emissionskurs. Sollte der Börsengang von Premiere reibungslos über die Bühne gehen, könnten 15 bis 20 weitere Unternehmen im laufenden Jahr diesen Schritt wagen, vermuten Börsianer.
BRIGITTE SCHOLTES

Von Brigitte Scholtes

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