Journalisten im Bunker 28.03.2014, 12:28 Uhr

NSA-Skandal: Britische Regierung drohte Guardian mit Schließung

Mit Schließung gedroht hat die britische Regierung der Traditionszeitung The Guardian, als sie über den NSA-Skandal berichtete. Das verriet jetzt Chefredakteur Paul Johnson der Öffentlichkeit. Er habe mit den Veröffentlichungen um den NSA-Skandal die nationale Sicherheit und Menschenleben gefährdet, behauptete die britische Regierung.  

The Guardian hatte von britischen Geheimdienstagenten Besuch bekommen. Sie machten klar, die Zeitung stünde bei weiteren NSA-Enthüllungen vor dem Aus. 

The Guardian hatte von britischen Geheimdienstagenten Besuch bekommen. Sie machten klar, die Zeitung stünde bei weiteren NSA-Enthüllungen vor dem Aus. 

Foto: The Guardian

Im Sommer vergangenen Jahres hatte die britische Zeitung The Guardian zum ersten Mal Erkenntnisse veröffentlicht, die aus den Dokumenten des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden gewonnen werden konnten. Sie hat damit die totale Kommunikationsüberwachung der NSA und ihrer Partner öffentlich gemacht.

Auch danach konnte die Zeitung immer wieder neue Details berichten und ist für besonders viele Enthüllungen verantwortlich, was den staatlichen Druck auf das Blatt immer weiter erhöht hat. In Großbritannien gibt es nämlich keine verfassungsrechtlich abgesicherte Pressefreiheit, die die Medien in ihrer Arbeit gegenüber der Regierung schützen könnte. Im Königreich halten viele die Sicherheit für ein höheres Rechtsgut als die Pressefreiheit.

Das Empire schlägt zurück

Seitdem hat die britische Regierung den Guardian immer wieder direkt angegriffen. Ende 2013 drohte Premierminister David Cameron mit härteren Maßnahmen, falls die Enthüllungen rund um die Geheimdiensttätigkeiten der NSA und GCHQ kein Ende finden sollten.  

Was mit diesen Maßnahmen gemeint war, zeigt sich jetzt. Wie der stellvertretende Guardian-Chef-Redakteur Paul Johnson bei der Konferenz Radiodays Europe in Dublin mitteilte, habe die britische Regierung dem Guardian mit der endgültigen Schließung gedroht. Die Überbringung dieser Botschaft verlief dabei nach Aussagen Johnsons wie ein richtiger Krimi.

Guardian und GCHQ liefern Agenten-Krimi vom Feinsten

Laut Johnson habe man von britischen Geheimdienst-Agenten Besuch bekommen. Man sei beschuldigt worden, durch die Snowden-Enthüllungen nicht nur die nationale Sicherheit, sondern auch Menschenleben zu gefährden. Die Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes GCHQ hätten unmissverständlich klar gemacht, dass die Zeitung vor dem Aus steht, wenn weitere Enthüllungen gedruckt würden.

Um die Arbeit mit Snowdens Material über die totale Überwachung überhaupt zu ermöglichen, musste nach den aktuellen Aussagen des Guardian-Vize-Chefredakteurs sehr großer Aufwand betrieben werden. So konnten die verantwortlichen Redakteure nur verschlüsselt kommunizieren.

Redakteure arbeiten im Schutzraum

Sie arbeiteten mit den Snowden-Dokumenten nur in einem geschützten und bewachten Raum, in dem nur komplett neue PCs ohne Internetzugang verwendet wurden. Aber selbst diese drastischen Maßnahmen haben der Zeitung nicht geholfen, als letztlich Staatsbedienstete die Zerstörung ganzer Computer verlangten und durchsetzten.

Der Guardian hatte schon bei der Berichterstattung zu Wikileaks denkwürdige Erfahrungen mit der Arbeit an sensiblen Dokumenten gesammelt. Für Paul Johnson sind die aktuellen Enthüllungen aber „die schwierigste Geschichte, die wir jemals gemacht haben“. Die Zeitung erschien erstmals im Jahr 1821 unter dem Namen The Manchester Guardian. 

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