Medien 02.03.2007, 19:26 Uhr

Nicht Technik entscheidet, sondern Programm  

dem Telefonkabel. Allerdings sieht die TV-Kabelbranche dies nicht als unmittelbare Bedrohung, vielmehr will sie mit Breitband-Internetzugang und Telefon über ihre Kabel Telekom & Co. Konkurrenz machen. Pay-TV-Angebote sollen auch den digitalen TV-Empfang attraktiv machen.

Derzeit schauen rund 50 % aller deutschen Haushalte TV-Programme, die ihnen über Coax-Kabel ins Haus gebracht werden. Andererseits telefoniert der Löwenanteil deutscher Haushalte via Zweidraht-Leitungen der Telekom oder ihrer Wettbewerber. Während die Kabelnetzbetreiber derzeit zunehmend auch Internet und Telefonie über ihre Netze anbieten, starten die Telekommunikationsanbieter Offensiven, um über ihre schnellen DSL-Netze Fernsehen anzubieten.

Offensichtlich sehen die großen Kabelnetzbetreiber diesen neuen Wettbewerb gelassen, wie sich kürzlich auf der Euroforum-Konferenz „Zukunft der Kabel-TV-Netze“ in Frankfurt zeigte. Peter Charissé, Hauptgeschäftsführer des Kabelverbandes Anga, sieht dabei seine Branche gar nicht im Fokus der Telekommunikationsindustrie: „Die TV-Angebote der Telekom dienen doch vor allem dazu, das neue VDSL-Netz gegenüber dem Wettbewerb im DSL-Lager abzugrenzen“, sagte er in einer Podiumsdiskussion. Vielmehr unterstrich er die Bedeutung der TV-Kabelindustrie: „Die Hälfte der deutschen Haushalte sieht TV via Kabel – und das, obwohl mit DVB-T eine digitale Konkurrenz da ist, und das sogar kostenfrei.“

Christoph Wahl, Chef des größten deutschen Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland (KDG), sieht große Chancen für die neuen Angebote des Internetzugangs und der Internet-Telefonie über das mit einem Rückkanal aufgerüstete TV-Kabel. Deutschland habe hier eine Ausnahmestellung, da Breitbandzugänge hierzulande fast ausschließlich auf der DSL-Technologie beruhen. Das ist historisch begründet, denn die Telekom als ursprünglicher Eigner der TV-Kabelnetze wollte sich nicht selber Konkurrenz machen.

„In anderen Ländern“, so Wahl, „war der Breitband-Internetzugang via Kabel sogar vor DSL verfügbar.“ Angesichts der noch immer geringen Durchdringung der Haushalte mit Breitbandzugängen sieht er für seine Branche hier exzellente Wachstumschancen. „Derzeit liegt Deutschland laut OECD auf Platz 18 bei der Durchdringung mit Breitbandzugängen. Wenn wir als Kabelbetreiber nur den Anteil hinzugewinnen, den wir in anderen Ländern längst haben, liegt Deutschland dann auf Platz 7.“

Heinz Peter Labonte vom Kabelverband FRK unterstrich den Vorteil, den das TV-Kabel historisch gegenüber Telekom & Co. hat: „Unsere Steckdose ist im Wohnzimmer, die der Telekom doch meistens noch im Flur.“ Hier aber sieht Henning Röper, Medienexperte bei der Managementberatung Solon, gleich auch die größte Gefahr: Seiner Meinung nach haben die Kabelnetzbetreiber nämlich noch keine attraktiven Angebote für Video-on-Demand. „Da haben Telekom, Alice, aber auch ProSiebenSAT.1 mit Maxdome eindeutig die Nase vorne.“ Wenn aber – so sein Resümee – über diese Angebote die Telefonkonzerne ins Wohnzimmer kommen, „dann haben die klassischen Kabelanbieter ein Problem“.

Torsten J. Gerpott, Professor an der Uni Duisburg-Essen, sieht gleichfalls kein durchweg sorgenfreies Szenario für die Kabelanbieter: Ihr Anteil bleibt nach wie vor hoch, doch werde er sich bis zum Jahre 2010 auf unter 46,6 % verkleinert haben. Zugunsten des digitalen Satellitenempfangs und vor allem zugunsten DVB-T. Die Krux: Die meisten Kabel-TV-Kunden sehen noch analog fern. Nur 24,3 % der Haushalte sehen digital fern, davon gut die Hälfte via Satellit und je ein Viertel via Kabel bzw. DVB-T

Zwar wird von den großen Netzbetreibern – KDG, Unity und Kabel Baden-Württemberg – die Digitalisierung massiv vorangetrieben, aber der durchschlagende Erfolg blieb bisher aus. KDG vermarktet zwar nur noch den digitalen Kabelanschluss, aber Wahl macht keinen Hehl daraus, dass das nach wie vor vorhandene analoge TV-Signal ein Zusatznutzen sei: Ohne Settop-Box kann so nach wie vor an jedem Fernseher ohne Zusatzkosten das analoge Programm gesehen werden. Deswegen habe KDG auch keine Eile, sein analoges Angebot einzustellen.

Was die endgültige vollständige Digitalisierung des TV-Angebotes über das Kabel angeht, sieht Gerpott daher einen langsamen Übergang, der durchaus länger dauern wird, als die von Bundesregierung bzw. EU angepeilten Daten zwischen 2010 und 2012.

Das sehen vor allem die Anbieter von Pay-TV-Programmen, die als Basisangebot die digitalen Kabelbuketts attraktiv machen sollen, mit gemischten Gefühlen, denn nur digitale Kabelkunden können ihre Programme sehen und bringen ihnen so Geld.

Robert Niemann vom Sony-Actionsender AXN warf den großen Kabelnetzbetreibern vor, ihr Marketing an alten, überkommenen Klischees auszurichten: „Es scheint einen großen Pool von Bildern zu geben, die glückliche Familien vor dem Fernseher zeigen. Aber das ist doch nicht die Realität.“ Worum gehe es denn beim Fernsehen? „Um Programm, Programm und noch einmal Programm.“ Er bot den Kabelunternehmen an, gemeinsames Marketing zu machen, denn mit Bildern der Stars seiner TV-Produktionen sei wesentlich effektiver zu werben.

Ähnlich argumentierte Achim Apell von Kinowelt Television: „Wir bieten anspruchsvolle Spielfilme und die sind für viele Zuschauer attraktiv.“ Er kritisierte, dass die Netzbetreiber zu wenig auf die Vorteile des Pay-TV hinweisen würden: Die werbefreie Ausstrahlung ganzer Spielfilme stehe in der Zuschauergunst ganz oben. „Außerdem wird es Zeit, dass wir mehr hochauflösende Programme im Kabel bekommen, denn das macht den Umstieg zu digitaler Technik zusätzlich attraktiv.“ jdb

Von Dvb-T

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