Medien 03.10.2003, 18:26 Uhr

Neustart für E-Books

Die internationale E-Book-Szene hat sich konsolidiert und verändert sich stetig. Vor allem die Popularität der Handhelds gibt der Branche neuen Aufwind. Optimistisch zeigen sich die Hersteller deshalb im Vorfeld der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (8. bis 13. Oktober).

Hans Kreutzfeld ist bester Dinge. Sein Terminkalender für die Frankfurter Buchmesse ist voll gepackt mit Terminen von Verlagen, die noch im letzten Jahr beim Stichwort E-Book abwinkten. „Das richtige Geschäft beginnt jetzt erst. Was bisher geschah, war nur Vorgeplänkel“, ist der Inhaber von Kreutzfeldt Electronic Publishing in Hamburg überzeugt. „E-Books sind eindeutig im Aufstieg.“
Daran ändern offenbar auch die negativen Nachrichten nichts, von denen es in jüngster Zeit einige gab. So teilte im September der weltgrößte Online-Buchhändler Barnes & Noble mit, dass er seine E-Book-Abteilung schließt. Die Stimmung verhagelte auch die Meldung von Gemstar, die Produktion reiner E-Book-Lesegeräte völlig einzustellen. Der Grund: Zu wenig Absatz, die einige hundert ¿ teueren Geräte lagen wie Blei in den Regalen.
Von der Euphorie der Anfangszeit ist man auch bei Franklin Electronic Publishers, dem einzig verbliebenen elektronischen Lesegerätehersteller weit entfernt. Gerade einmal 10 000 „eBookMan“ konnten seit 1998 in Deutschland abgesetzt werden. Eine Einstellung der Produktion sei dennoch nicht geplant, so Walter Schillings, Geschäftsführer der deutschen Franklin-Dependance in Feldkirchen bei München. „Die Zahlen sind natürlich nicht befriedigend. Trotzdem bleibt der eBookMan weiter Teil unserer E-Book-Strategie.“ Deren Kurs wurde allerdings geändert. So werden im Franklin-Buchshop mittlerweile Titel angeboten, die auch auf anderen Geräten laufen – die Franklin-Reader-Software wurde eingestellt.
Warum Hans Kreutzfeldt trotzdem optimistisch bleibt, erklärt sich u. a. mit aktuellen Marktzahlen aus den USA. Um rund 40 % stiegen laut Branchenvereinigung OpenEbook die Verkäufe in der ersten Jahreshälfte 2003 gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die Umsätze legten um rund 30 % zu. 3614 neue Titel, rund 45 % mehr als im Vorjahr, wurden neu in die E-Book-Sortimente eingestellt. Damit kann die US- Fangemeinde von E-Books aus einem Angebot von 280 590 Titeln auswählen.
Von diesen Dimensionen ist der deutsche Markt noch weit entfernt. „Wir haben stetige Zuwachsraten zwischen 10 % und 25 %“, sagt Gunter Hille, Geschäftsführer des auf Belletristik spezialisierten elektronischen Buchladens Dibi.
Rund 3000 deutsche Titel sind als E-Book verfügbar, schätzt Kreutzfeld, der mit seinem Mitte August gelaunchten Suchportal (www. ebookportal.de) nun Licht in das E-Book-Dickicht bringen will. „Jeder E-Book-Shop hat sein eigenes Sortiment. Woher soll der Endkunde wissen, wo er was kriegt?“
Wachstum bringt die zunehmende Verbreitung mobiler Geräte. Vor allem PDAs und Notebooks haben sich zum bevorzugten und millionenfach verbreiteten Lesegerät entwickelt. Schätzungsweise vier Millionen Bundesbürger besitzen bereits einen Handheld-Computer, Tendenz steigend. Der zuletzt stagnierende Markt, der weltweit auf 50 Mio. im Umlauf befindliche Geräte geschätzt wird, hat Aufwind. Ein Plus von 51 % verbuchte nach einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Canalys der Markt für Handhelds in Europa, dem Nahen Osten und Afrika im zweiten Quartal 2003.
Auch ein weiterer Markt ist bereits ins Visier der E-Book-Anbieter gerückt. „Als nächsten Schritt gilt es den Smartphone-Bereich abzudecken“, so die Devise von Franklin-Geschäftsführer Schillings. Dessen Firma stockte jüngst die Beteiligung am französischen Softwarehaus Mobipocket auf 25 % auf. Die Mobipocket-Reader-Software gibt es bereits für verschiedene Sony-Modelle, für das Siemens-Handy SX1 soll sie Ende des Jahres bereitstehen.
Norbert Hofherr, Geschäftsführer des auf den Fachbuchbereich spezialisierten Münchner E-Book-Shops Ciando ist hier jedoch skeptisch. „Ich glaube nicht, dass die Smartphones einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass der E-Book-Markt stärker wächst. Unser Fokus sind die Handheld-Endgeräte“, meint Hofherr. So werden die auf der Ciando-Plattform bislang ausschließlich im Acrobat Reader bereitgestellten Bücher derzeit für den Palm Reader aufbereitet. Bis Ende des Jahres hofft Hofherr, die aufwändige Konvertierung der von den Verlagen im pdf-Format bereitgestellten Daten in das neue Format abgeschlossen zu haben. Der Vorteil für den Handheld-Leser: Der Kopierschutz ist beim Palm Reader weniger rigide als beim Adobe-Format, wo der Kauf an ein Endgerät gebunden ist. „Beim Palm-Reader kann das Dokument auf vier verschiedenen Endgeräten geöffnet werden“, so Hofherr.
Trotzdem: Investitionen in Lösungen jenseits des pdf-Formats, das bereits in der klassischen Buchproduktion existiert, werden nur zögerlich getätigt. Bislang stieß Kreuzfeldts Plädoyer „bei wissensbasierten Inhalten andere Formate zu bevorzugen“ auf wenig Widerhall. „Zu hohe Kosten, zu geringer Ertrag“, heißt die Antwort aus den Fachverlagen, für die Hofherr Verständnis hat. So lohne sich der Aufwand, um ein Buch etwa im vom MS-Reader benötigtem lit-Format bereitzustellen „allenfalls für Titel mit durchgehendem Fließtext. Sobald es komplexer wird, ist es nicht vertretbar.“ Auch funktionell sei der MS-Reader, gern genutzt von Belletristik-Verlagen, gegenüber anderen PDA-fähigen Formaten eher im Hintertreffen, die Möglichkeit zum Ausdruck etwa fehlt völlig. „Seine Stärke liegt in seiner Herkunft“, meint Hofherr unmissverständlich.
Derzeit ist in der Redmonder Zentrale Wiedergutmachung angesagt. Seit Anfang Juli stehen wöchentlich drei aktuelle E-Book-Bestseller zum kostenlosen Download bei Microsoft bereit. Lesbar sind die Dateien allerdings nur mit der neuesten MS-Reader-Version. Der Grund für die Upgrade-Appetizer: Der Kopierschutz der alten MS-Reader-Version wurden Anfang des Jahres geknackt, das Vertrauen der auf Sicherheit bedachten Verlage damit doch ins Wanken gebracht. Seite 7 HERTA PAULUS

Von Herta Paulus

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