Medien 08.06.2007, 19:28 Uhr

Neue Spieler im Wettstreit um den Zuschauer  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 6. 07, jdb – Gratis-Fernsehen kommt ins Internet. Internet-TV-Anbieter wie Joost und Zattoo wollen im Sommer dieses Jahres den Sendebetrieb aufnehmen. Etablierte Anbieter wie Kabel Deutschland, aber auch die Telekom befürchten, dass ihnen im Entertainment-Markt die Kunden davonlaufen.

Mitte dieses Jahres will der schweizerische IP-TV-Anbieter Zattoo Nägel mit Köpfen machen. Die Eidgenossen planen, mit insgesamt 60 kostenlosen Fernsehkanälen ans Netz zu gehen, darunter die deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF, aber auch viele private und internationale Sender wie Pro7, RTL, CNN und das italienische Rai.

Technische Voraussetzung für den Fernsehgenuss aus dem Internet ist ein PC mit normalem DSL-Anschluss, denn die Standard-Downloadgeschwindigkeit bei Zattoo liegt bei 400 kByte/s. Bevor dann die Bilder über die PC-Mattscheibe flimmern, muss der Zuschauer die ebenfalls kostenlose Client-Software installieren. Eine leichte Übung, denn das Programm nimmt alle Einstellungen automatisch vor. Zattoo will es dem Zuschauer so einfach wie möglich machen.

Noch vor nicht allzu langer Zeit waren Bewegtbilder aus dem Web ein Zeitvertreib für eingefleischte Technikenthusiasten. Ruckelnde und verpixelte Bilder ließen keine rechte Freude aufkommen. „Fortschritte in der Breitband-Übertragungstechnik, der Videokompression und beim Live-Streaming haben die technischen Hürden fürs Internet-Fernsehen drastisch gesenkt“, betont Sugih Jamin, Gründungsmitglied und Chief Technical Officer (CTO) von Zattoo. Peer-to-Peer-Technologie (P2P) garantiere eine Bildqualität, die bisher nicht erreichbar gewesen sei, so Jamin weiter. Dadurch wird Internet-TV auch für den normalen Fernsehzuschauer mit hohen Qualitätsansprüchen attraktiv.

So verwundert es nicht, dass eine ganze Reihe von IP-TV-Betreibern in den Startlöchern steht. Einer davon ist Joost. Etwa eine halbe Million Zuschauer beteiligen sich zurzeit am Betaprogramm, eine Testphase vor der eigentlichen Markteinführung im Laufe dieses Sommers, um bereits heute einen Blick auf das Fernsehen der Zukunft zu werfen. Joost-TV erschöpft sich nicht im passiven Hinschauen, sondern lockt Fernsehfreunde mit interaktiven Zusatzfunktionen wie Diskussionsforen oder einer Programmsuche über alle Kanäle, die besonders die experimentierfreudigen Web-2.0-Benutzer ansprechen sollen. Zur Auswahl stehen bisher etwa 140 größtenteils englischsprachige Sendungen von National Geographic und Reuters bis zu Sport- und Musikspartenkanälen. Nur ein Teil der Programme kann allerdings auch in Deutschland empfangen werden.

Im Kampf um Quoten überzeugen nicht nur interaktiven Programmfunktionen, sondern vor allem attraktive Inhalte. Denn der klassische TV-Konsument nutzt das Medium bislang zur Information und Unterhaltung. „Gewinnen werden die Unternehmen, die den meisten Content zu bieten haben“, urteilt James McQuivery, TV- und Medienanalyst beim amerikanischen Beratungsunternehmen Forrester Research. Zuschauer haben es besonders auf Programmangebote abgesehen, die sie anderswo in Euro und Cent bezahlen müssen.

IP-TV-Nutzer schonen ihr Portemonnaie. Die Internet-Sender selbst finanzieren sich durch Onlinewerbung. „Joost hat Partner aus nahezu jeder großen Branche angezogen, weil wir eine TV-ähnliche Werbeplattform anbieten, ergänzt durch User-Statistiken, gezielte Vermarktungstechniken und bisher unbekannte Interaktionsmöglichkeiten“, sagt David Clark, Vize-Präsident Marketing bei Joost. Onlinewerbung ist den Vermarktungstechniken in klassischen Medien überlegen, weil Klickhistorien und Logdateien bereits viel über die Interessen und Vorlieben der Nutzer verraten. Streuverluste halten sich dadurch für die Werbetreibenden in engen Grenzen.

Das Geschäftsmodell der Internet-Sender hat Hand und Fuß. Gut möglich, dass die etablierten TV-Anbieter wie Kabel Deutschland und die Deutsche Telekom schweren Zeiten entgegensehen. Im Oktober letzten Jahres startete die Telekom die Vermarktung ihres kostenpflichtigen Hoffnungsproduktes T-Home, ein Kombi-Angebot aus Telefon, Internet und Fernsehen. Doch bisher griffen die Kunden nur zögerlich zu. Die wirtschaftliche Talfahrt des Konzerns konnte T-Home nicht aufhalten. Zusätzlich machen dem Rosa Riesen jetzt kostenlose IP-TV-Anbieter wie Joost und Zattoo das Leben schwer.

Noch aber sind nicht alle Karten ausgespielt. Juristische Probleme und Lizenzabkommen machen den freien Gratis-Sendern aus dem Web zu schaffen. Das amerikanische Softwareunternehmen StreamCast Networks verklagte Mitte Mai den Internet-TV-Anbieter Joost auf Schadensersatz in Milliardenhöhe. Die Amerikaner werfen den beiden Joost-Gründern Janus Friis und Niklas Zennström vor, die P2P-Technik FastTrack unrechtmäßig einzusetzen, und fordern den Stopp von Joost-TV. Die Klage wurde vor dem Los Angeles County Superior Court auch gegen neun weitere Firmen erhoben.

Auch die Peer-to-Peer-Technologie steckt voller versteckter Tücken. Zwar steigert P2P die Geschwindigkeit bei der Liveübertragung, indem Filmschnipsel auf den Rechnern anderer IP-TV-Benutzer zwischengespeichert werden. Die Zuschauer beziehen Fernsehsendungen also nicht jedes Mal von den zentralen Joost- oder Zattoo-Servern. Manchmal kommt der Freitagskrimi auch vom Nachbarn, der im Haus auf der gleichen Etage wohnt.

Auf der anderen Seite heißt P2P aber auch: Geschwindigkeit, Übertragungszuverlässigkeit und Bildqualität steigen mit der Anzahl der Zuschauer, die IP-TV benutzen, weil dann auch die Zahl der Zwischenspeicher im Internet in die Höhe schnellt. Web-TV-Betreiber wie Joost, Zattoo und andere setzen also auf den Schneeballeffekt. Nur wenn es ihnen gelingt, durch attraktive Inhalte und interaktive Zusatzfunktionen schnellstmöglich viele Zuschauer von ihrem Angebot zu überzeugen, hat IP-TV das Potenzial, dem klassischen Fernsehen die Zuschauer abzujagen.

MICHAEL KURZIDIM

Von Michael Kurzidim

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