Medien 06.08.2004, 18:32 Uhr

Neue Gestaltungsfreiheit in der Bluebox

Wo Inhalte mit aktuellem Bezug schnell und visuell prägnant präsentiert werden sollen, haben sich virtuelle Studios etabliert. Die Düsseldorfer Produktions-firma vr3 will nun mit einer hochwertigen Filmvariante neue Maßstäbe setzen.

Salvador Dalí würde sich wohl im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, was wir aus seinen Bildern gemacht haben“, schmunzelt Jochen Schreiber, Producer und Mitgründer von vr3, einem Full-Service-Anbieter für virtuelle Produktionen. Die Kreativschmiede hat die Bilder des Malers dazu verwendet, in einer Gemeinschaftsarbeit mit dem Kameraspezialisten Arri zu testen, welche Möglichkeiten es für 35-mm-Filmtechnik im virtuellen Studio gibt. Ziel ist es, die hochwertigen Ergebnisse für anspruchsvolle Kunden, beispielsweise aus der Werbung oder aus dem Bereich Image-/Industriefilm, zu verwenden.
Bislang werden virtuelle Studios vor allem in der Fernsehwelt, auf Videobasis, verwendet. Aktuelles Beispiel: die Olympischen Spiele in Athen, wo vr3 Fernsehsendern im Pressezentrum ein virtuelles Studio zur aktuellen Berichterstattung anbietet. Moderatoren agieren dabei vor blauem oder grünem Hintergrund, Inhalte können schnell und optisch ansprechend dazu visualisiert werden. Die Hintergründe und 3-D-Objekte, die vor der jeweiligen Produktion am Computer gestaltet werden, werden dabei von einem Realtime-Renderer zugespielt. Ein so genannter Keyer, der die Blau- bzw. Grünanteile des Kamerasignals filtert und durch die Bilder des Renderers ersetzt, fügt dann beide Signale, den Moderator und die virtuelle Umgebung, in Echtzeit zusammen.
Diese Technologie bietet annähernd unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten, denn auch die kleinste Kamerabewegung kann in Echtzeit übersetzt werden. „Gerade kompliziert darzustellende Abläufe können so adäquat und hochwertig umgesetzt werden“, sagt Schreiber.
Neben den bekannten, mittels 3-D-Programmen wie Maya oder Softimage erstellten, künstlichen Räumen kommen auch absolut naturgetreue Sets auf Basis einer fotorealistischen Reproduktion zum Einsatz. Hier kann der Betrachter keinen Unterschied mehr zu Realaufnahmen erkennen.
Diese Technik bietet erhebliche Vorteile. Aufwändige Produktionen „on location“ können ins Studio verlegt werden, Drehgenehmigungen und Motivmieten entfallen, es gibt keine kostenintensiven Umzüge oder Location-Wechsel, die Produktion wird zudem unabhängig von Tageszeit und Wetter.
Um neues Terrain zu betreten und neue Kunden ansprechen zu können, haben sich vr3 und Arri nun zusammengetan, um für eine Werbefilmproduktion im Juli weltweit zum ersten Mal Szenen mit einer ARRI-435-Advanced-35-mm-Filmkamera im virtuellen Studio zu produzieren – „eine völlig neue Herangehensweise“, so Schreiber.
Zur Verdeutlichung: Normale PAL-Fernsehbilder haben eine Auflösung von 720 x 576 Pixel. Um 35 mm-Bilder, die abgetastet der HDTV-Norm (High Definition TV) 1920 x 1080 Pixel entsprechen, mit adäquater Genauigkeit und Performance umzusetzen, waren die von vr3 entwickelten Komponenten Voraussetzung. Rainer Maguhn, vr3-Mitgründer und 3-D-Graphics-Spezialist, weist besonders auf „das sensorbasierte und mit Industrie-Encodern bestückte Tracking-System, mit einer effektiven Auflösung von bis zu 0.00024 Grad pro gemessener Dateneinheit“ hin. „Eine neue Generation Realtime-Renderer, entwickelt unter Verwendung der neuen Graphical Processing Units (GPUs) des Herstellers NVidia, und der grafischen realtime engine shark 3d der Firma Spinor, sichert uns die hohe Qualität und eine verbesserte Performance“. Er ergänzt: „Ein speziell für virtuelle Studios entwickelter Chroma-Keyer mit integriertem Hintergrund-Defokus und grundsätzlicher Farbkorrektur, übernimmt das Zusammensetzen der Kamerabilder und der virtuellen Hintergründe.“ Auf dieser Basis machte das vr3-Team Aufnahmen, bei denen sich Schauspieler innerhalb mehrerer virtueller Dali-Motive frei im Set bewegen konnten.
Das Ergebnis und der finale Look des in HDTV abgetasteten Filmmaterials in Verbindung mit den postgerenderten, hochauflösenden Dalí-Motiven, überzeugte die Düsseldorfer Crew und motiviert für weitere Projekte.
Jetzt sollen neue Entwicklungen, vor allem in Richtung HDTV, folgen. „HDTV ist das Thema“, so Schreiber mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft 2006, die komplett hochauflösend übertragen werden soll (VDI nachrichten, 29/16.7.04). Die Fernsehsender seien auf der Suche nach immer mehr Material in HD-Qualität. Auf diesen Trend, der vor allem durch ausländische TV-Märkte wie USA, Japan und China gestützt wird, will sich der Postproduktionsspezialist einstellen.
Die vr3-Mannschaft entwickelt einen HDTV-Realtime-Renderer und einen Keyer mit integrierten, filmtypischen Features. Im Herbst 2004 soll ein Prototyp zur Verfügung stehen. „Die Herausforderung besteht darin, den höheren Bildstrom in Echtzeit auszugeben“, sagt Schreiber. Besonders stolz sei vr3 auf den Keyer, der in ähnlicher Form weltweit nur wenige Male von der Firma Ultimate zur Verfügung steht und Videos im HDTV-Modus keyen kann.
Solch leistungsfähige Echtzeit-Systeme kommen nicht nur im TV-Bereich zum Einsatz, denn die Anwendungsbereiche von grafischen Applikationen in Realtime sind vielfältig. Präsentationen, interaktive Vorführungen, Produkt-Demonstrationen, Multi-Screen-Projektionen oder Simulationen können realisiert werden. Ebenso vielfältig sind die entsprechenden Medien: PC-Applikation, Internet, TV und Großprojektion.WILFRIED URBE/SIMONE ZELL

 

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