Medien 14.03.2003, 18:24 Uhr

Neue Chancen für interaktives Fernsehen

Seit langem gibt es die Vision vom Zuschauer, der nicht nur passiv vor dem TV-Gerät sitzt, sondern per Fernbedienung auch Waren bestellt oder Informationen abruft. Doch noch steckt das interaktive Fernsehen in der Warteschleife. Zur Computermesse CeBIT zeigen Hersteller und Sender nun neue Anwendungen.

Interaktives Fernsehen, schon wieder so ein Begriff, stöhnt der Verbraucher – alle sprechen davon und keiner weiß, was es ist. Gehen wir doch einfach zurück in die guten alten Fernsehzeiten, in die 60er Jahre, zum ZDF. In einer Show dirigieren da Anrufer Prominente, die mit verbundenen Augen den „Goldenen Schuss“ abgeben sollen. Viele Fernsehformate fordern den Zuschauer seither zum Mitmachen auf. Jüngstes Beispiel: „Deutschland sucht den Superstar“ von RTL.
In den letzten Jahren machten vor allem Ankündigungen die Runde, das interaktive TV sei die Fernsehzukunft. Neue digitale Technologien und „echte“ Rückkanäle sollten die Zuschauer dazu bringen, per Knopfdruck über die Fernbedienung zusätzliche Programminfos abzurufen oder sogar so das eben in der Werbung angepriesene Produkt direkt zu kaufen, anstatt wie bislang zum Telefonhörer zu greifen oder das Internet zu bemühen.
Doch die „echten“ Rückkanäle, z. B. über ausgebaute TV-Kabelnetze, scheinen auch künftig nur einem Bruchteil der Zuschauer zur Verfügung zu stehen. „Die Käufer werden ihre gerade erworbenen überregionalen Netze aus Kostengründen nicht aufrüsten, um Rückkanäle zu schaffen und echtes interaktives Fernsehen zu ermöglichen“, meint Breitbandexperte Werner Lauff. Dabei hatten sich verschiedene Programmanbieter bereits auf den offenen DVB-Standard MHP (Multimedia Home Platform) geeinigt – die Rechnung jedoch ohne die Netzbetreiber gemacht. MHP-Boxen kommen derzeit deshalb vor allem als digitale Satelliten-Receiver auf den Markt, denn hier geht die Entwicklung schneller voran.
Auf MHP-fähigen Boxen werden auf der CeBIT 2003 in Hannover nun einige neue MHP-Anwendungen zu sehen sein. So startet in dieser Woche der Fernsehsender ProSieben gemeinsam mit Sony und Karstadt/Quelle ein Pilotprojekt. Über ein Fenster im ProSieben-Programm können dann die Zuschauer, die mit einem entsprechenden Receiver ausgerüstet sind, einkaufen oder Zusatzinformationen abrufen. Warenbestellungen, die der Kunde am TV-Gerät via Fernbedienung absendet, gelangen automatisch in das Bestellsystem des Konzerns.
Auch ein erster interaktiver Werbespot soll auf der CeBIT laufen. DaimlerChrysler hat dafür seinen aktuellen TV-Spot zur Markteinführung des neuen T-Modells der Mercedes-E-Klasse um interaktive Zusatzanwendungen erweitert. Diese Funktionen, wie beispielsweise ein Gewinnspiel, lassen sich durch ein eingeblendetes rotes iTV-Symbol aktivieren. Der Automobilhersteller hofft, dass durch die neue Technik Konsumenten zielgerichtet angesprochen werden können – interaktives Fernsehen als Marketingtool.
Das Unternehmen Freedomland setzt bei Interaktivität auf dem Fernsehbildschirm auf die Verbindung zum Internet. „Wir sind in der Lage, Fernsehbilder und HTML-Seiten zu vermischen“, erklärt Lutz Kreutzer, der Entwicklungschef des Unternehmens, „wir können über das laufende Fernsehbild Informationen schieben, das Fernsehbild ist immer integriert, auch während der Werbepausen, in denen man ins Internet schauen kann.“
Als Service bietet die Münchener Firma unter anderem einen EPG (Electronic Programme Guide) in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Hörzu“ an, der sich halbtransparent über das Fernsehbild legt. Der Vorteil bei Internetsignalen, so die Sicht Kreutzers, sei die bereits vorhandene Technik in den Wohnzimmern: „Fernseher und Telefonanschluss, mehr braucht man nicht. Der Nutzer holt sich die Signale ab, die er wirklich braucht.“ Auch Panasonic plant jetzt gemeinsam mit „Sport Bild“ ein ähnliches Konzept.
Die Konzentration auf Internet als Rückkanal könnte dann auch die Kabellösung überflüssig machen. Vor kurzem erst verkündete T-Online, dass das Content-Portal T-Vision ab Herbst via DSL auch auf dem Fernseher laufen soll – zu sehen ebenfalls auf der CeBIT.
Das interaktive Fernsehen könnte somit Hoffnung für viele Internetportale werden. Denn eine ganz neue Klientel, bislang vielleicht eher dem traditionellen Teletext zugetan, könnte sich über den Fernseher für innovative interaktive Dienste erwärmen. „Viele Aktivitäten, die heute auf dem PC stattfinden, werden bald auf dem Fernseher laufen“, erwartet Lutz Kreutzer. Denn: Der Fernseher sei durch die Attribute Spaß und Unterhaltung positiv besetzt. Der PC dagegen sei für viele gleich bedeutend mit Arbeit und Hightech.
Damit interaktives Fernsehen erfolgreich sein kann, so die Argumentation der Befürworter, muss es Elemente des traditionellen Fernsehens verwenden, aber ebenso Elemente, die Millionen von Internetsurfern, Handy- oder Konsolenfans schon jetzt begeistern.
Wie das geht, zeigen Beispiele aus dem Ausland. „Le Quiz“, entwickelt von der französischen Firma 121?productions, wird im Frühjahr in England starten. Das Publikum nimmt direkt live am Quiz via remote control teil. Dabei läuft das Quiz individuell für jeden einzelnen Zuschauer, der mit seinen falschen oder richtigen Antworten das Verhalten der Moderatorin und die weiteren Fragen beeinflusst. In England bestellen Millionen von Zuschauern inzwischen ihre Pizza direkt am Fernsehgerät. Vor allem aber lieben sie es, mit Freunden am Bildschirm um die verrücktesten Dinge zu wetten.
WILFRIED URBE/zel

Von Wilfried Urbe/Zel

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

NEPTUN WERFT GmbH & Co. KG-Firmenlogo
NEPTUN WERFT GmbH & Co. KG Ingenieur (m/w/d) Betriebsmittelkonstruktion Rostock
WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG-Firmenlogo
WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG Qualitätsmanager (m/w/d) Supply Chain Henstedt-Ulzburg
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Key Account Manager (m/w/d) deutschlandweit
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck-Firmenlogo
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Universitätsprofessorin/Universitätsprofessor für Stahl- und Verbundstechnologien Innsbruck (Österreich)
MEMMINGER-IRO GmbH-Firmenlogo
MEMMINGER-IRO GmbH Entwicklungsingenieur Mechanik (m/w/d) Dornstetten
Panasonic R&D Center Germany GmbH-Firmenlogo
Panasonic R&D Center Germany GmbH Engineer (m/f/d) A2W heat pump solutions Langen (Hessen)
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Regionaler Applikationsingenieur (w/m/d) Mannheim
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Abteilungsleiter (m/w/d) Konstruktion Biberach / Riss
FRITSCH Bakery Technologies GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FRITSCH Bakery Technologies GmbH & Co. KG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Markt Einersheim (Raum Würzburg)
Albert Handtmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG Projektleiter (m/w/d) Kundenspezifische Anpasssungen Biberach

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.