Medien 20.08.1999, 17:22 Uhr

Musikpiraten fischen die besten Stücke aus dem Netz

Digitale Medien wie das Internet erscheinen der Musikindustrie als zukunftsweisende Entwicklungen. Doch Musikpiraten bringen Künstler und Produzenten um ihr Geld. Neue Technologien könnten Copyrightverletzungen verhindern.

Der Kongreß tanzt nicht auf der Popkomm. Doch bei der seit gestern in Köln stattfindenden „weltweit größten Messe für Popmusik und Entertainment“ geht es vier Tage lang vor allem um Musik in allen Varianten. In rund 30 Clubs der rheinischen Kulturmetropole sorgen hunderte von geladenen Bands mit Rock und Rave, Hiphop oder Trance für die richtige Stimmung zum Jahrestreffen der internationalen Tonträgerindustrie.
Indes haben sich die angereisten Musik-Bosse auf dem begleitenden Kongreß auch schwere Kost verordnet. Schwerpunktthema: „Die Auswirkungen der neuen digitalen Medientechnologien“, es geht um Copyrightprobleme und Musikpiraterie.
Zigtausende von Musikstücken werden derzeit zum kostenlosen Download per Internet angeboten. Meistens unter Verletzung der Urheberrechte, also illegal. Ausgestattet mit der nötigen Software und dem entsprechenden Unrechtsbewußtsein kann sich heute jeder Musikfreak „seine“ Songs und Sounds gratis herunterladen, auf einen speziellen Player überspielen oder mit einem „Toaster“ (Gerät zum Beschreiben von CD) gleich die eigene Wunsch-CD brennen.
Seit langem sucht die Musikbranche nach neuen Absatzwegen und setzt dabei als mächtiges Vertriebsnetz vor allem aufs Internet. Jetzt fordern die Veranstalter „gesetzliche Regularien zum Urheberrecht“ und „Klärung auf europäischer bzw. internationaler Ebene“.
Gegen Musikpiraten greifen die Plattenbosse inzwischen hart durch. In Deutschland ließen sie etwa hundert Internetseiten schließen, über die illegal Musik vertrieben wurde. Nach Angaben des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft betrug der Schaden allein im vergangenen Jahr rund 20 Mio. DM. Mit spezieller Software, sogenannten Suchmaschinen, durchkämmen deutsche Fahnder zusammen mit Kollegen in 70 Ländern ständig das Netz auf der Suche nach illegal angebotenen Schnäppchen. Werden sie fündig, lassen sie die entsprechenden Seiten von den Providern kurzerhand sperren, die Anbieter kostenpflichtig abmahnen.
Während Plünderer und Piraten im Netz kräftig Beute machen, kennen die meisten Musikenthusiasten die moderne Technik zum Daten- und Notenfischen nur vom Hörensagen. Dabei werden mittlerweile schon einige Dutzend spezielle MP3-Geräte zum Abspielen der Software aus dem Netz angeboten. Längst nicht alle gibt es schon auf dem deutschen Markt. Doch angeboten zu Preisen zwischen 100 Dollar und 250 Dollar, kann man sie über das Internet ordern.
MP3 – oder unter Fachleuten als MPEG 1 Layer-3 bekannt – wurde ursprünglich vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen zum Komprimieren von Videodaten entwickelt. Mittlerweile mutierte das Verfahren quasi zum Netzstandard für die speicherfreundliche Verkleinerung umfangreicher Audiodaten. Belegt eine Minute ungeknautschter Musik etwa 10 MByte im Speicher, sind es im MP3-Format ohne merkliche Höreinbußen gerade mal noch ein Zehntel bis ein Zwölftel.
Mit Hilfe einer ebenfalls aus dem Netz herunterladbaren Software (MP3-Player, Mediaplayer) kann sich der Nutzer „seine“ Musik am PC gleich anhören, oder zur Wieterverwendung downloaden und auf einen eigenen CD-Rohling brennen. Dank MP3-Komprimierung passen die Musikstücke von zehn oder mehr handelsüblichen CD auf ein einziges Silberscheibchen.
Das Geschäft mit Musik à la MP3 blüht. Auf den Internet-Suchmaschinen rangieren die Abfragen nach MP3-Klängen noch vor den Erotik-Seiten und dem kostenlosen E-Mail-Server Hotmail. Doch die Piraten und Raubkopierer sollen den Reibach ohne die Plattenfirmen machen. Electronic Software Distribution (ESD) verspricht, den legalen elektronischen Handel per Internet in Schwung zu bringen. Für das Jahr 2020 prognostiziert die britische Consultingfirma Market Tracking: Rund ein Fünftel aller Musikverkäufe werden übers Netz abgewickelt.
Dabei paßt allerdings kaum ein Format ins Konzept, das zum kostenlosen Down-load einlädt. Etwas kurzatmig verteufeln die Musikmogule MP3 kurzerhand als illegal und bemühen sich, statt dessen die eigene Software nach dem neu geschaffenen Kopierschutz-Standard SDMI (Secure Digital Music Initiative, www.sdmi.org) zu puschen. „Wir werden Formate unterstützen, die den SDMI-Standards entsprechen“, heißt es beispielsweise bei Emi Music (www.emimusic.de). „Damit ist gewährleistet, daß unser Musikangebot bestmöglich gegen Mißbrauch und illegales Kopieren geschützt ist.“
Inzwischen haben auch kommerzielle Produzenten die Vorzüge der modernen Knautschtechnologie erkannt. Sie setzen auf eigene Kompressionsformate – mit Kopierschutz. Immerhin gehe es ja in erster Linie um die Urheberrechte der Künstler, argumentieren die Macher. Sony und Creative Labs entwickelten aus MP3 ein eigenes MP4, inklusive Klauschutz. Musik von Liquid Audio etwa (www.liquidaudio.com) kann man nur mit dem Player im LQ-Format abspielen. Die ersten 30 Sekunden zum Reinhören sind gratis, die Stücke zum Herunterladen kosten nur etwa 2 DM bis 4 DM.
Kommerziell sind auch die Angebote von Atomic Pop (www.atomicpop.com) und Emusic (www.emusic.com). Ganze Alben gibt es schon für 8 Dollar bis 9 Dollar. Mit Kopier- und Copyrightschutz drängen neuerdings auch IBM (mit Sonys Technologie Magic Gate) und AT&T mit seinem Format A2B auf den jungen Hotspot-Markt im Internet. Und wo so viel gepuscht und gepokert wird, kann natürlich einer nicht fehlen: Bill Gates. Mit MS Audio versucht Microsoft, auch den Audiobereich nach eigenem Standard zu regieren. Und hat durchaus Chancen auf die Number one: Integriert in das gängigste aller Betriebssysteme Windows, wird MS Audio zum Selbstgänger. Dank dieser Strategie muß der große Bill in Köln nicht mal persönlich aufkreuzen. Wenn es für ihn wieder mal gutgeht, tanzt im nächsten Jahrhundert auch die Musikbranche nach seiner Pfeife. THOMAS BRANDENBURG
Die Popkomm in Köln rückt für vier Tage die Musik in den Mittelpunkt der rheinischen Metropole. Während es in den Clubs locker und lautstark zugeht, diskutiert die Musikindustrie ernste Themen: Die Entwicklung der Digitaltechnik spielt zunehmends Musikpiraten in die Hände.

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