Medien 26.01.2007, 19:26 Uhr

Musikindustrie sucht nach neuen Einnahmequellen  

VDI nachrichten, Cannes, 26. 1. 07, jdb – Ins Visier der Musikindustrie geraten nutzergenerierte Inhalte auf Portalen wie Youtube oder MySpace. Nur selten werden dort für Musik Lizenzgebühren bezahlt. Hier winkt ein neuer Markt, wie jetzt auf der weltgrößten Musikmesse Midem diskutiert wurde.

Was wollen die Konsumenten? Angesichts weiter sinkender CD-Verkäufe stand diese Gretchenfrage in allen Facetten auf dem Technologieforum MidemNet kurz vor Eröffnung der weltgrößten Musikmesse ganz oben auf der Agenda. Finanziell immer interessanter werden dabei nutzergenerierte Inhalte, die mit Musik unterlegt sind, auf Portalen wie Youtube oder MySpace.

Auch virtuelle Gemeinschaften wie „Second Life“ entdeckt die Industrie als künftiges Werbeforum für ihre Stars. Reuben Steiger, Gründer der US-amerikanischen Firma „Millions of us“, fliegt durch die virtuellen Landschaften der Online-Gemeinschaft „Second Life“ und landet in seinem Loft. Dort schaltet er seinen Flachbild-Fernseher an und rappt zum Musikvideo von Hip-Hopper Talib Kweli. Gleich kommen seine virtuellen Freunde vorbei, die er per Chat eingeladen hat. „Für Warner Brothers Records haben wir Kweli, aber auch Suzanne Vega in Second Life integriert“, erläuterte Steiger dem erstaunten Fachpublikum auf der MidemNet am vergangenen Wochenende in Cannes. Auf Second Life tummele sich mit 2,7 Mio. potenziellen Kunden ein kaufkräftiges Publikum.

Ins Visier der Musikindustrie geraten zunehmend aber auch nutzergenerierte Inhalte auf Portalen wie Youtube oder MySpace. Auf dem Podium machte Michael Downing die Dimension klar. „Weltweit werden allmonatlich 10 Mrd. selbst produzierte Videos von Internetnutzern ins Netz gestellt“, sagte der Geschäftsführer des US-amerikanischen Videoportals „GoFish“. Der Wermutstropfen: „Die meisten Videos enthalten Musik, für die wenigsten fließen allerdings noch Lizenzgebühren an Labels oder Verlage.“ Mit ein Grund dafür ist laut Downing die behäbige Musikindustrie. „Wir brauchen Systeme, um Songs für die Portale flexibler, schneller und einfacher zu lizenzieren.“

Das diesjährige Technologieforum MidemNet war voll von solchen neuen Absatzmärkten, Diensten oder auch Geschäftsmodellen, denn es hat sich nichts geändert: Weiterhin sucht die angeschlagene Musikindustrie weltweit nach neuen Vertriebskanälen.

Dabei läuft es gar nicht so schlecht im Downloadgeschäft für die Industrie. Laut Internationalem Verband der Phonoindustrie (IFPI) mache der Gesamtumsatz der Musikdownloads weltweit rund 2 Mrd. $ aus. Der Anteil am gesamten Musikverkauf habe sich immerhin verdoppelt und sei innerhalb eines Jahres von 5,5 % auf knapp 10 % gestiegen. Zwar werden damit die Umsatzeinbußen im physikalischen CD-Verkauf immer noch nicht wettgemacht, doch der Umsatzverlust gehe viel langsamer vonstatten als in den Vorjahren. Dies führte IFPI-Chef John Kennedy auf das verstärkte juristische Vorgehen gegen Tauschbörsen und auf Abschreckkampagnen zurück. Darüber sei etwa hierzulande der Anteil der Nutzer von Tauschbörsen von 13 % auf 8 % gefallen.

Doch trotz gebremstem Wachstum im Downloadmarkt wagte Kennedy im jährlichen Report „Digital Music in 2007 – A Brave New World“ eine hoffnungsvolle Prognose: „Bis 2010 kann der Downloadmarkt 25 % des Gesamtmarktes erreichen.“ In vier Jahren können somit die Verluste der schrumpfenden Musikindustrie aus dem Verkauf von CDs aufgefangen werden.

Diesen Optimismus wollten die wenigsten Podiumsgäste teilen. Denn die Konsumenten hadern, so Rob Glaser stellvertretend für viele Brancheninsider auf der MidemNet, zu Recht mit einer Industrie, die von Endgeräten und Formaten mit proprietären Lösungen für digitales Rechtemanagement (DRM) bestimmt wird. Der Chef von Real Networks: „Nach wie vor erschweren proprietäre DRM-Lösungen den Transfer von Musik auf möglichst viele Geräte und schrecken Käufer nur ab.“

Nach Ansicht der versammelten Experten in Cannes sei DRM immer noch nicht ausgereift genug, damit Musikliebhaber mehr und vor allem einfach Songs auf ihre PCs, MP3-Player oder Handys laden und sie abspielen können. Zaghaft folgen nun einige Große den Independent Labels. Die britische EMI etwa gibt in Kooperation mit dem Portal Yahoo einzelne Songs u. a. von Norah Jones wieder im ungeschützten, aber für Konsumenten einfach handhabbaren MP3-Format ab. „Diese Idee wird sich mit der Zeit durchsetzen“, ist Rob Glaser sicher. Auf einen bestimmten Zeitpunkt mag sich der Real-Networks-Chef zwar nicht festlegen, aber: „Das kann so unberechenbar kommen wie der Fall der Berliner Mauer.“

Dass noch viel in Richtung Nutzerfreundlichkeit rund um den Download von Musik getan werden muss, war allen Experten auf dem MidemNet Forum im Palais des Festivals klar. Einen Anfang machte Serviceprovider net mobile aus Düsseldorf und stellte auf der Midem eine neue Plattform vor. Sie erlaubt Handynutzern aus mobilen Portalen ihre Lieblingssongs auf das Handy herunterzuladen. Gleichzeitig stehen sie dann im jeweiligen Internetportal des Nutzers auch für den Download auf den PC zur Verfügung.

„Auch umgekehrt vom PC auf das Handy funktioniert der Weg“, erläutert Theodor Niehues, Geschäftsführer von net mobile. Solche Angebote, die doppeltes Bezahlen beim Download auf den PC und das Handy vermeiden, stehen ganz oben auf der Wunschliste der Konsumenten, wie mehrere Marktforschungsunternehmen auf der MidemNet kundtaten. Und es gibt sie bereits auf dem Markt von mehreren Anbietern.

Niehues betont, dass neben Herunterladen und Verwalten der Lieblingssongs weitere Funktionalitäten über die neue Plattform möglich sind. So könnten Nutzer zusätzlich Musikvideos oder Spiele herunterladen, über Songs abstimmen und eigene Inhalte zu ihrer Lieblingsmusik dazustellen. Niehues verhandelt bereits mit Netzbetreibern aus Deutschland und der Schweiz über den Einsatz der neuen Plattform und stellt zudem für Februar eine europäische Lösung in Sicht, die über alle Länder hinweg die unterschiedlichen Rechte der Künstler managen könne. NIKOLA WOHLLAIB

www.midem.com

www.ifpi.org

www.net-m.de

www.millionsofus.com

www.gofish.com

www.realnetworks.com

Digitales Management der Rechte ist noch nicht ausgereift

Von Nikola Wohllaib

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