Medien 04.06.1999, 17:21 Uhr

Mit Star Wars startet das Digitalzeitalter des Kinos

Die elektronische Bildtechnik schickt sich an, das Ende der hundertjährigen Geschichte des Zelluloidfilms einzuläuten. Texas Instruments und Hughes-JVC bringen jetzt digitale Kinoprojektoren auf den Markt, die zu den konventionellen Vorführmaschinen in Wettbewerb treten.

Nach dem fulminanten Leinwandstart der neuen Star-Wars-Folge „Episode 1 – Trügerische Bedrohung“, die in den USA Mitte Mai in die Kinos kam, folgt einen Monat später, am 18. Juni, eine weitere Premiere: Anstelle der konventionellen Zelluloid-Vorführmaschinen kommen erstmals im regulären Kinobetrieb in vier amerikanischen Filmtheatern die Prototypen zweier Großbildprojektoren von Texas Instruments (TI) und Hughes-JVC zum Einsatz, die das Weltraumepos in digitaler Technik auf die Leinwand werfen. „Wir arbeiten bereits seit einigen Jahren mit der Filmindustrie am Konzept des Digitalkinos“, erklärt Projektleiter Paul Breedlove vom Bereich Digitale Bildtechnik bei TI „jetzt sind wir überzeugt, daß wir die Qualitätsschwelle erreicht haben.“
Die hohe Auflösung des 35-mm-Films stellte schon immer so etwas wie den „Heiligen Gral“ der elektronischen Bildtechnik dar. In der Aufnahmetechnik ist er bereits erreicht worden Computeranimationen, Virtual-Reality-Effekte und digitale Nachbearbeitung haben in den letzten Jahren die Produktionsstudios erobert.
Doch die Verteilung und Vorführung blieb seit dem Anfang des Jahrhunderts praktisch unverändert: Die Leinwandschinken werden heute noch im Kopierwerk etliche hundertmal vervielfältigt die Filmkopien gehen dann zum Verleiher, der die bis zu 30 kg schweren Filmrollen mit einem Durchmesser von anderthalb Metern in die Lichtspielhäuser verfrachtet. Die Kopien sind teuer – Stückpreis rund 3000 DM – und empfindlich mit der Zahl der Durchläufe häufen sich die Kratzer und dieFarben bleichen aus. Mit digitalen Kopien und der Filmverteilung online via Kabel und Satellit gehören diese Sorgen der Verehangenheit an.
Abnutzungserscheinungen wie beim Zelluloidfilm gibt es im Cyber-Kino nicht; auch nicht das wirtschaftliche Risiko, angesichts der stets ungewissen Zuschauerresonanz mit zuvielen oder zuwenig Kopien an den Kinostart zu gehen. Die großen Produktionsgesellschaften, von Paramount bis zu Universal/MCA, liebäugeln deshalb schon lange mit der Idee des elektronischen Kopienversands über Satellit und Kabel. Schätzungen der Branche zufolge würde der Direktvertrieb unter Umgehung von Kopierwerken und Verleihern Hollywood rund 500 Mio. Dollar jährlich sparen. Denn die US-Traumfabriken stecken derzeit in der Rezession und kommen um die Rationalisierung nicht herum. Seit 1990 haben sich die durchschnittlichen Produktionskosten eines Studiofilms auf 52 Mio. Dollar verdoppelt der Kostendruck wird nun mit Entlassungen, Gagenkürzungen und weniger Produktionen aufgefangen. So ging die „Breitverteilung“ – die Zahl von Filmen, die bei der Uraufführung in mindestens 1800 Vorführhäuser gelangen – kontinuierlich auf 139 im vergangenen Jahr zurück im Jahr zuvor waren es noch 151 gewesen.
Schon vor vier Jahren hatte Alcatel mit dem amerikanischen Netzbetreiber Pacific Bell in dem Projekt „Cinema of the Future“ die Filmverteilung ohne Medienbruch getestet. Dabei wurde der Bilddatenstrom von eingescanntem Filmmaterial sowie Live-Aufnahmen mit HDTV-Kameras von 1,2 Gbit/s auf 45 Mbit/s komprimiert und über das Avanced Video Services Network von Pacific Bell an zehn Filmtheater im Raum Los Angeles überspielt. Erprobt wurde zugleich die Zwischenspeicherung des Materials auf großen Raid-Servern (Redundant Arrays of Inexpensive Disks), die mit einer Speicherkapazität von 1 TByte rund 20 Spielfilme gleichzeitig in voller Länge auf Abruf bereithalten können. In Europa gab es vergleichbare Ansätze, so beispielsweise 1996 im Rahmen des Forschungsprogramms ACTS das Cinenet-Projekt (Cinema Films and Live Events via Satellite and Cable Networks), sowie die CyberCinema-Initiative des Esprit-Projekts „Demonstration der elektronischen Verteilung europäischer Filme über Satelliten in Filmtheatern“, die unter der Federführung des Europäischen Filmzentrums Babelsberg stand und mit einem Kinderfilmfestival im letzten Oktober abgeschlossen wurde.
Doch unbefriedigend blieb bislang noch das letzte Glied in der Kette der durchgängigen Digitalisierung. „Die Reaktion der Zuschauer ist nahezu einmütig“, berichtet Paul Breedlove begeistert von den vorangegangenen Demonstrationen vor Vertretern der Filmindustrie. „Das DLP-Kinobild vermittelt ein Seherlebnis, das im Vergleich dem Film insgesamt überlegen ist.“ Er rechnet damit, daß in zwei bis drei Jahren schon einige hundert DLP-Kinoprojektoren im Einsatz sein werden, „und innerhalb von drei bis fünf Jahren vielleicht tausende“.
Das Flaggschiff von Hughes-JVC, einem Tochterunternehmen der Victor Company of Japan (JVC), heißt ILA-12k. Sein Herzstück ist der Image Light Amplifier, ein LCD-Lichtventil (Liquid-Crystal Light Valve, LCLV), welches das Licht aus der Projektionslampe reflektiert und über die Polarisationsdrehung beim Durchlaufen einer Flüssigkristallzelle bildpunktweise moduliert. Anders als bei den kleineren, kommerziellen LCD-Projektoren werden die Pixel dabei aber nicht von einer Aktivmatrix hinter der Spiegelschicht der Flüssigkristallzelle adressiert, sondern die Zelle ist in einer Kathodenstrahlröhre (CRT) eingeschlossen. Sie nimmt dort die Stelle der Leuchtphosphore ein und wird auf der Rückseite von einem Elektronenstrahl gesteuert. Die Entwicklung dieser CRT-LCLV-Technik hatte Hughes Research schon seit Mitte der 80er Jahre verfolgt. Mit einer 7000 W Xenon-Lichtbogenlampe – desselben Typs wie sie auch in herkömmlichen Filmprojektoren Verwendung findet – wirft das eine Dreivierteltonne schwere Gerät die Bilder mit 12 000 Lumen und Diagonalen von maximal 36 m über Entfernungen von bis zu 110 m auf die Leinwand. Die Auflösung ist mit 2000 x 1280 Bildpunkten, das Kontrastverhältnis mit 1: 1000 angegeben.
Bevor nun das Zeitalter des Digitalkinos anbricht, müssen die beiden Hersteller allerdings nicht nur die Qualitätstests der Zuschauer bestehen, sondern auch noch eine Akzeptanzhürde bei den Lichtspielhäusern und Kinoketten überwinden. Denen bringt das Ausrangieren der vorhandenen Zelluloidprojektoren und die Investition in die neue Technik kaum Vorteile, weil die Kostenersparnisse in erster Linie den Filmstudios und Distributoren zugutekommen. Hughes-JVC hat sich deshalb mit der vielseitigen High-Tech-Schmiede Qualcomm zusammengetan, die den Kompressions- und Verschlüsselungsalgorithmus für das Verteilsystem sowie die Abrechnungs- und Verwaltungssoftware für die Kinos beisteuert: Beide haben kürzlich die CineComm Digital Cinema LLC mit Sitz in Los Angeles gegründet. Die Vermarktungsgesellschaft will den Filmtheatern auf eigene Kosten schlüsselfertige Vorführsysteme installieren und dann auf Pay-per-View-Basis abrechnen.
RICHARD SIETMANN
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Von Richard Sietmann

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