Medien 08.06.2001, 17:29 Uhr

Mit Liberty Media drängen amerikanische Entertainment-Profis ins deutsche Kabelgeschäft

Wovor deutsche Wettbewerbshüter immer gewarnt haben, wird nun doch Wirklichkeit. Im deutschen TV-Kabelnetz entstehen mit dem Einstieg der amerikanischen Investoren neue Monopole. Mit Liberty Media kommt nicht nur ein Kabelnetzbetreiber, sondern gleichzeitig auch ein Inhalte-Anbieter in den Markt.

Am Kabel hängt, zum Kabel drängt doch alles. Der Kalauer ist alt, aber die Bewegung, die jetzt über die Kabelnetze in die Medienlandschaft gekommen ist, ist neu. Dass der privaten Fernsehmarkt von nur zwei Konzernen beherrscht wird, der Kirch-Gruppe und der RTL-Group, ist bekannt. Dass die Deutsch Telekom ihr Kabelnetz verkauft, hat sich herumgesprochen. Dass aber die Kabelnetze künftig von nur zwei Unternehmen beherrscht werden, wissen nur wenige.

Das kleinere Unternehmen ist die britische Firma Callahan, die das Kabelnetz von Nordrhein-Westfalen gekauft hat und als Kabel NRW nun damit beginnt, das Kabelnetz in Düsseldorf rückkanal- und multimediafähig zu machen.

Das größere Unternehmen ist die amerikanische Liberty Media. Geht alles nach ihrem Wunsch, dann werden ihr demnächst die Regionalnetze in sechs Bundesländern gehören. Mit über 10 Mio. Haushalten wird sie 60 % der Haushalte versorgen, die an das Telekom-Kabel angeschlossen sind. Wer aber ist Liberty Media?

Die amerikanische Liberty Media Corporation ist weltweit eines der führenden Medienunternehmen, aktiv in den USA, Südamerika, Europa und Asien. Gegründet wurde die Firma 1995 als Tochter des Kabelunternehmens TCI (Tele-Communications Inc.).

1999, als TCI von AT&T übernommen wurde, kam sie per Aktientausch zu AT&T. Media Liberty arbeitet als Tochter weiterhin eigenständig und soll wegen Aufforderungen der US-Kartellbehörde verkauft werden. Analysten schätzen das Unternehmen auf rund 90 Mrd. DM.

Geführt wird Media Libertys von John Malone, ehemals Präsident von TCI und maßgeblicher Akteur in der US-Kabelindustrie. Beim Kauf der deutschen Netze tritt Liberty Media zusammen mit Gary Klesch (Klesch & Company Ltd) auf , einer Investmentfirma mit Sitz in London.

Liberty Media / Klesch wollen 55 % der Anteile an den deutschen Kabelnetzen kaufen und verfügen über eine Option von weiteren 25 % minus einer Stimme. Der Deal soll bis Mitte des Jahres über die Bühne gehen. Insider sprechen von einem Preis von 9 Mrd. DM bis 10 Mrd. DM.

Wirklich bemerkenswert an Media Liberty ist aber nicht die schiere Größe oder finanzielle Potenz, sondern die Vielfalt der Beteiligungen.

Galt bisher in der deutschen Medienpolitik, dass Netz und Nutzer getrennt sind, die Deutsche Telekom also die Programme transportiert, die andere veranstalten, so agiert Liberty Media anders. Das Unternehmen ist auch an wichtigen Programmveranstaltern beteiligt: etwa an der News Corporation von Rupert Murdoch, an AOL-Time Warner und an dem auch hier verbreiteten Discovery-Channel. Außerdem hat Liberty-Media-Chef-Malone Anteile an den Verkaufskanälen QVC und HOT im Portefeuille, mischt beim US-Gerichtsfernsehen „Court-TV“ mit und beim französischen Kabelkanal „MultiThematiques“.

Als drittes Standbein hält das Unternehmen auch relevante Beteiligungen an Unternehmen der technischen Infrastruktur. Breitband-Internet-Dienste gehören ebenso dazu wie Anteile an Motorola, einem der wichtigsten Hersteller der für Digital- und Pay-TV unverzichtbaren Set-top-Boxen.

Kein Wunder, dass die Landesmedienanstalten aufgeschreckt sind. Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, sprach von einer „Machtposition, wie es sie bisher noch nicht gab“.

In einem ersten Positionspapier halten die Medienwächter zwar weiterhin fest, dass das Kabel der „Königsweg“ in die Informationsgesellschaft sei, warnen aber vor einer „Konzentation von Meinungsmacht“, sehen den Wettbewerb gefährdet und sogar die europäische Medien-Identität: „Wenn die deutschen Kabelnetze ausschließlich von Unternehmen geführt werden, die vertikal konzentriert sind und eine Nähe zu amerikanischen Programmveranstaltern haben, kann sich dies auf die Chancen der Entwicklung europäischer Inhalte und Produktionen auswirken“.

Noch ist nicht genau abzusehen, wie sich die Lage am Kabelmarkt entwickeln wird. Die Landesmedienanstalten setzen auf Dialog, winken aber auch schon sanft mit dem Kartellamt. Einige Forderungen sind auf dem Tisch. Zugangsregelungen seien nötig, damit Kabelgucker nicht nur jene Programme bekommen, die die Kabelfirma grade im Bouquet hat.

Starker Bedarf bestehe – so heißt es im Lager der Medienwächter – nach einer technischen Plattform, die den Empfang aller auf dem Markt befindlichen Programme zulässt. Regionale oder konzernunabhängige Anbieter sollten gleichfalls Zugang bekommen.

Ohnehin ist noch nicht klar, wie im und mit dem Kabel Geld verdient werden soll. Noch hat Liberty Media im Gegensatz zu Kabel NRW noch kein Geschäftskonzept veröffentlicht.

In NRW wurde bekannt gegeben, dass in einigen Regionen ARD, ZDF und das dritte Niederländische die Übertragungsfrequenzen des „Band I“ verlassen müssen und auf andere Bandbreiten verlagert werden. In Hessen hat der neue Betreiber „eKabel“ die dritten Programme des Südwestrundfunks und des Bayrischen Rundfunks aus dem Band I verlegt, um Platz für Pay-TV und Internet zu schaffen.

Noch haben keine TV-Programme Wenn die neuen Kabelherren Programmformen erfinden werden, mit denen sich Geld verdienen lässt – dann wohl werden andere Platz machen müssen. FRITZ WOLF

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