Medien 26.11.2004, 18:35 Uhr

„Mit HDTV beginnt ein neues Zeitalter“

VDI nachrichten, München, 26. 11. 04 – Der Medienmanager Georg Kofler hat den Bezahlsender Premiere erfolgreich saniert. Das Unternehmen hat jetzt mehr als 3 Mio. Kunden und schreibt schwarze Zahlen. Neue technische Features sollen nun weitere Abonnenten anziehen.

VDI nachrichten: Herr Kofler, Sie sind passionierter Bergsteiger. Wenn Sie Premiere mit einem Berg vergleichen, wo befinden Sie sich gerade?
Kofler: Wir mussten uns durch viel unwegsames Gelände schlagen und haben jetzt die Baumgrenze erreicht. Zeit für eine Brotzeit ist aber noch nicht, auch der Gipfel ist noch nicht in Sicht.
VDI nachrichten: Was sind denn die nächsten Ziele auf Ihrem Weg?
Kofler: Bis Ende 2007 wollen wir in die Nähe von vier Mio. Abonnenten kommen. 10 % werden dann nach unserer Einschätzung ein HDTV-Abo und 15 % bis 20 % einen digitalen Videorekorder mit dem neuen Premiere-on-Demand-Service haben. Darüber hinaus bin ich zuversichtlich, dass unsere Abonnenten in zwei bis drei Jahren Filme direkt per Knopfdruck über ihre Fernbedienung bestellen können. Ich glaube, dass die Zukunft des interaktiven Fernsehens keinen aufwändigen Rückkanal via Kabel oder Satellit mehr erfordert.
VDI nachrichten: Das Modell „Pay-TV“ weckt im Moment bei vielen Medienunternehmen Fantasien. Wie sehen Sie die neue Konkurrenz?
Kofler: Das ist doch ein prima Kompliment für Premiere. Vor noch nicht allzu langer Zeit haben alle Experten gesagt, aus Pay-TV kann in Deutschland ohnehin nichts werden. Jetzt wollen viele plötzlich dahin, wo wir schon längst sind. Außer der Kabel Deutschland (KDG) ist bislang kein Wettbewerber aufgetaucht. Die KDG bietet Nischenprogramme an – das ist sicherlich eine Chance einzusteigen, aber eine klar begrenzte. Wenn die Zuschauer für Programme extra zahlen, kaufen sie vor allem hochklassigen Live-Sport oder attraktive Filme.
Ich denke, dass der Wettbewerb das Geschäft zu unseren Gunsten belebt. Neben Premiere nimmt jetzt auch mal ein anderes Unternehmen Geld in die Hand und rührt die Werbetrommel für digitales Fernsehen. Das freut uns, weil die Receiver der KDG für den Empfang von Premiere geeignet sind. Damit erhöht sich ja unsere Reichweite.
VDI nachrichten: Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen, es gebe ein Ungleichgewicht bei den Preisen, vor allem zugunsten von Neukunden?
Kofler: Wenn ein Händler sagt, ich mache eine tolle Aktion und investiere einen Teil meiner Provision in den Gesamtpreis, damit Premiere für meine Kunden günstiger wird, dann können und wollen wir das nicht verhindern. Allein in diesem Jahr gab es mehr als 100 verschiedene Marketingaktionen.
In Zukunft werden wir noch aufmerksamer darauf achten, dass kein Ungleichgewicht bei den Preisen entsteht. Das war im Übrigen auch eine Erbschaft vom alten Premiere: Von den 2,4 Mio. Abonnenten waren noch 2,1 Mio. in teilweise drastischen Sonderkonditionen. Diese Abonnenten haben wir über zwei Jahre an die Außenmarktpreise herangeführt. Im April 2004 haben wir eine einheitliche und transparente Preisstruktur eingeführt. Damit wollen wir zeigen, dass es sich lohnt, bei Premiere länger dabei zu sein. 2005 werden wir hochinteressante Kundenbindungssysteme einführen, die unsere Bestandskunden bestätigen und motivieren.
VDI nachrichten: Wann genau wird der von Premiere angekündigte Börsengang stattfinden?
Kofler: Konkret ist, dass wir die Premiere AG bis Ende des Jahres börsenfähig aufgestellt haben. Wir werden uns dann im nächsten Jahr umsehen, welche Bewertungen vermittelbar sind und wie sich das Börsenklima insgesamt darstellt. Wir haben aber noch eine Reihe juristischer Hausaufgaben zu erledigen, auch das Bankenkonsortium steht noch nicht fest.
VDI nachrichten: Was versprechen Sie sich vom Börsengang?
Kofler: Zunächst natürlich eine Verbesserung unserer Finanzgrundlagen und mehr Spielraum für Programminvestitionen. Darüber hinaus wollen wir uns als unabhängiger und solider Top-Player des Privatfernsehens in Deutschland und Österreich positionieren. Nebenbei wird auch für den letzten Zweifler deutlich, dass das neue Premiere nichts mehr mit der alten Kirch-Gruppe zu tun hat.
VDI nachrichten: Sie hängen viele Ihrer Ziele an technische Innovationen, doch im neuen AG-Vorstand gibt es keinen Chief Technical Officer (CTO). Warum?
Kofler: Premiere ist ein Fernsehhaus und kein Ingenieurbüro. Das wichtigste ist das Programm — es ist der einzige Grund, warum Premiere abonniert wird. Aber je komfortabler der Fernsehempfang, desto besser für Premiere. Gerade beim Thema HDTV spielen Programm und Technik eine symbiotische Rolle. Wir werden aber nicht mehr den Fehler machen, selbst Ingenieure einzustellen, die dann hier die Entwicklungen vorantreiben, wir vertrauen da viel mehr auf den Markt der Hersteller. Unser neuer Vorstand Dr. Friedrich-Carl Wachs ist verantwortlich für die Strategie und verfolgt mit wachem Auge alles, was an technologischer Innovation für uns als Programm- und Marketinghaus sinnvoll ist.
VDI nachrichten: Ist HDTV für Sie ein Türchen zum Rechteerwerb für die Fußball-WM 2006?
Kofler: Wir verhandeln noch mit Infront über den Erwerb von Übertragungsrechten für die Fußball-WM 2006. Wir wissen, dass da an exklusiven Rechten nicht mehr viel drin ist, wohl aber bei der exklusiven Präsentation der WM. Und dazu gehört natürlich HDTV.
VDI nachrichten: Was muss für die geplante Ausstrahlung der drei HD-Kanäle (Sport, Film, Dokumentation) im Herbst 2005 noch vorbereitet werden?
Kofler: Die grundlegenden Fragen sind fast durchweg geklärt. Vielfach handelt es sich ja um Programme, die wir schon erworben haben und nun in einer anderen technischen Norm ausstrahlen. Im Sportbereich beginnt mit HDTV allerdings ein neues Zeitalter. Die neuen Kameras werden hier für Produzenten und Regisseure zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
VDI nachrichten: Sie haben gerade die 3 Mio.-Zuschauermarke überschritten. Hätte diese Marke nicht schon mit der Umstellung auf das neue Verschlüsselungssystem Nagra klappen sollen? Wollten Sie nicht aus den geschätzten 1,5 Mio. Schwarzsehern damit neue Abonnenten machen?
Kofler: Es war immer schwer vorauszusagen, wie viele Schwarzseher es wirklich gibt. Ebenfalls schwierig war die Prognose vorauszusagen, wer bereit sein würde, nach der Umstellung auch für das Programm zu zahlen. Wir hatten uns für das Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr mehr erhofft, das will ich deutlich sagen. Dabei spielte sicher auch das insgesamt stagnierende Konsumklima eine Rolle. Trotzdem hat Premiere aus der Sanierung heraus ein beeindruckendes Wachstum gezeigt. Von 2002 auf 2004 ist der Umsatz um ca. 20 % gestiegen. Damit liegen wir weit über dem Durchschnitt der deutschen Medienwirtschaft.SIMONE ZELL

Von Simone Zell

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