Medien 12.04.2002, 17:33 Uhr

Mit „Gottes Segen“ in eine neue TV-Zukunft

Einen Neuanfang soll sie einläuten, die Insolvenz der Kirch-Media. Die Sanierer gehen nun daran, das Erbe des Leo Kirch zu ordnen und Investoren zu suchen. Nicht nur TV-Sender, sondern auch Technik-­Hersteller könnten dabei betroffen sein.

Stefan Raab, Dieter Kronzucker, und Arabella Kiesbauer – an sie und alle weiteren Mitarbeiter richtete sich in dieser Woche eine Nachricht von Leo Kirch, dem Gründer des größten deutschen Film- und Fernsehunternehmens. Mit einem Brief und der Formel „Gottes Segen“ hat sich das beliebte Firmenoberhaupt von den Beschäftigten verabschiedet, nachdem der Insolvenzantrag für das Herzstück des Imperiums, der Kirch-Media (s. Grafik), gestellt worden war. Kirch bedankte sich für die Zusammenarbeit und erklärte: „Gerne hätte ich auch weiterhin für unsere Firma und ihre Zukunft gestanden und Sorge getragen. Nun ist mir die Führung aus der Hand genommen worden.“

Ob Banken oder potentielle Investoren, keiner wollte den 75-Jährigen mehr mit im Boot haben. Kirch signalisierte schon vor einer Woche, sich aus der Unternehmensführung zurückzuziehen. Ein Bonbon jedoch sicherte er sich und überführte die wertvollen Verwertungsrechte – einst erworben für rd. 1.9 Mrd. ® – für die Fußball-WM 2002 und 2006 in die Kirch Sport AG mit Sitz in der Schweiz.

Über diesen Akt, der in Abstimmung mit dem Fußballverband FIFA geschah, empörten sich u. a. die Gewerkschaften. Sie erinnerten daran, dass nicht nur die Fußball-Übertragungen, sondern vor allem mehrere tausend Arbeitsplätze gefährdet seien. Die Übertragungen sollten reibungslos gewährleistet werden, auch im Sinne der Gläubiger, lautete dagegen eine Mitteilung der Kirch Sport auf der FIFA-Homepage. „Wenn die Gläubiger mit der Übertragung der WM-Rechte auf die Kirch Sport AG einverstanden waren, dann ist das kein Problem“, erklärt dazu Michael Bretz, Insolvenzexperte bei der Wirtschaftsdatenbank Creditreform. „Falls nicht, kann der Insolvenzverwalter die Transaktion anfechten und die Rechte kassieren“, so Bretz.

Ob mit oder ohne WM, die Insolvenzverwalter ordnen nun gemeinsam mit den Gläubigerbanken das Erbe des Münchener Medienlöwen neu. Die Sanierer heißen Wolfgang von Betteray und Hans Jörg Ziems, sie übernehmen gleichzeitig die neue Geschäftsführung der Kirch Media. Als Unterstützung haben sie Deutschlands bekanntesten – und wohl auch teuersten – Unternehmensberater Roland Berger angeheuert, gesucht werden neue Investoren.

Die könnten Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch heißen, aber auch deutsche Medienkonzerne haben Interesse signalisiert. Möglicherweise planen der Axel-Springer-Verlag, die WAZ oder der Holtzbrinck-Konzern, sich lukrative Stücke aus dem TV-Geschäft zu sichern. Das bisherige Gefüge aus öffentlich-rechtlichen Sendern, Bertelsmann (RTL Group) und Kirch würde neu gemischt. Und auch wenn die Banken beteuern, ein Filetieren der einzelnen Unternehmensbereiche verhindern zu wollen – an Investoren, die Erfahrung im operativen Geschäft haben, werden sie kaum vorbeikommen, wollen sie die Millionen-Kredite – allein bei Kirch Media rd. 1,4 Mrd. ® – und die Überbrückungsgelder wieder einspielen.

Ebenfalls tief in der Kreide steht Premiere. Kirch-Zögling Georg Kofler rückte schon zu Jahresbeginn ins Board, um u. a. mit dem neuen Technik-Vorstand Helmut Stein und einer neuen Politik in Sachen Settop-Boxen Kunden zu gewinnen. War es doch nicht zuletzt das lange Beharren Leo Kirchs auf dem Dekoder d-Box, das den Bezahlsender in Bedrängnis brachte. Mit neuem Programmschema, Erotik-Inhalten, niedrigen Einstiegspreisen sowie betriebsbedingten Kündigungen will Kofler die Insolvenz verhindern.

Gegen einen Insolvenzantrag stellte sich in dieser Woche auch Medientycoon Rupert Murdoch, der bereits mit 22 % an Premiere beteiligt ist und eine sog. „Put“-Option hält, über die er sich den Anteil im Wert von ca. 1,75 Mrd. ® auszahlen lassen kann. Doch diese Option ist im Falle einer Insolvenz nur noch wenig wert – Grund genug also für den ebenfalls verschuldeten Murdoch, eine andere Lösung zu suchen.

Mit etwas bangem Blick sehen wohl auch einige Settop-Boxen-Produzenten nach vorn. Technisat, Galaxis u. a. präsentierten kürzlich Premiere-fähige Produkte und bekannten sich zusammen mit dem Sender zur neuen Offenheit der Module. Es bleibt abzuwarten, wie werbewirksam das Premiere-Logo auf den Boxen künftig noch ist. S.  ZELL

Kirch: Der Weg zur Insolvenz

Chronik der Krise

Die Kirch-Krise beschäftigt seit Jahresbeginn die Finanzwelt, Anteilseigner und die Presse. Hier eine Chronik:

– 17. Dezember 2001 – Die bayerische Landesregierung gibt bekannt, dass sie trotz der jüngsten Spekulation um eine finanzielle Schieflage der Kirch-Gruppe weiter zu den Landesbank-Krediten für das Medienunternehmen steht.

– 20. Januar 2002 – Der Mediengigant Rupert Murdoch schließt in der „Welt am Sonntag“ eine völlige Übernahme des Bezahlsenders Premiere, an dem er schon beteiligt ist, nicht aus.

– 30. Januar – Zwischen Kirch-Gruppe und Axel-Springer-Verlag bricht Streit um die Rückgabe der Springer-Anteile an ProSiebenSat.1 aus.

– 5. Februar – Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer äußert sich kritisch über Kirchs Kreditwürdigkeit.

– 7. Februar – Die Bayerische Landesbank warnt die Deutsche Bank vor einem Alleingang.

– 8. Februar – Murdoch kündigt Ausstieg bei Premiere an.

– 12. Februar – Die HypoVereinsbank bietet für Kirchs Springer-Anteile 1,1 Mrd. ®.

– 13. Februar – Ein Kirch-Sprecher bestätigt Gespräche mit Berlusconis Mediaset über den Verkauf von Anteilen am spanischen TV-Sender Telecinco. Rewe-Chef Hans Reischl sichert Kirch Unterstützung zu.

– 22. Februar – Die KirchMedia AG verschiebt ihre lang geplante Fusion mit ProSiebenSat.1.

– 25. Februar – Die Kirch-Gruppe verpflichtet Wirtschaftsanwalt Wolfgang van Betteray, Jurist Klaus Hubert Görg sowie Unternehmensberater Hans-Joachim Ziems. Der neue Premiere-Chef, Georg Kofler, kündigt einen harten Sanierungskurs für den Sender an.

– 20. März – Der Aufsichtsrat von Premiere beschließt massiven Stellenabbau und billigere Abos.

– 23. März – Die Kirch-Gläubigerbanken wollen dem Konzern mit einer Finanzspritze von 800 Mio. ® helfen.

– 25. März – Aus informierten Kreisen verlautet, dass Murdoch und Berlusconi offenbar den Kirch-Konzern übernehmen wollen und Kirch bereit ist, sich zurückzuziehen.

– 2. April – Gläubigerbanken, Investoren und Kirch-Manager verhandeln. Zur Diskussion steht ein neues Modell zur Verpfändung von ProSieben-Anteilen sowie Nachverhandlungen mit Filmstudios in Hollywood.

– 8. April – Die KirchMedia GmbH stellt den Insolvenzantrag. Banken planen eine Auffanglösung. ap/zel

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