Medien 26.09.2008, 19:37 Uhr

„Man muss aus festen Schemen herauskommen“  

VDI nachrichten, Erfurt, 26. 9. 08, ps – Die IT-Spezialisten von TechnoTrend entwickeln an den Firmensitzen in Erfurt, Augsburg, Leipzig und Lissabon Set-Top-Boxen und PC-Karten für das digitale Fernsehen. Nach einem abgesagten Börsengang konzentriert sich die rasant wachsende Thüringer Firma ganz auf Technologieentwicklung. Fragen an Heiko Kieser, Gründer und Chef des Unternehmens.

Kieser: Die Vision, die wir hatten, stimmt noch heute, weshalb wir sie auch weiter konsequent verfolgen: Es geht um das Zusammenwachsen von Internet, Rundfunk, Broadcast und Broadband.

VDI nachrichten: Inzwischen haben Sie sich zu einem der großen Set-Top-Boxen-Hersteller weltweit entwickelt. Wie haben Sie das geschafft?

Kieser: Unser Kapital war eine gute Mannschaft. Dank ihr konnten wir 1994 die erste DAB-Empfangs-Karte der Welt vorstellen, zwei Jahre später die erste DVB-PC-Empfangskarte. Nachdem wir uns anfangs mit Dienstleistungen über Wasser hielten, wechselten wir doch bald in das Produktgeschäft. Die ersten digitalen Karten für Radio- und TV-Empfang im PC vermarkteten wir noch über OEM-Verträge.

Heute liegt unser Schwerpunkt auf Set-Top-Boxen, also Empfangsdecodern für digitales Fernsehen. Dabei verfolgen wir entwicklungsseitig immer auch sehr stark die Anbindung an Internet- und IP-Technologien.

VDI nachrichten: Beim Digital-TV agieren Sie auf einem boomenden Markt. Das zeichnete sich spätestens ab, als die EU beschloss, 2010 das analoge Fernsehen abzuschalten.

Kieser: Ja, das war um das Jahr 2000, als wir die AG gebildet haben. Mittlerweile ist von 2012 die Rede. Der Markt signalisiert damit eine riesige Nachfrage nach Set-Top-Boxen. Und diese Zwangsabschaltung ist nicht nur in Europa ein Thema. Wir sind auch in Lateinamerika sehr stark unterwegs, haben ein Standbein in Indien, beliefern nun auch Osteuropa mit größeren Stückzahlen.

VDI nachrichten: Wie hoch ist denn die weltweite Nachfrage auf diesem Markt?

Kieser: Der Markt bei digitalen Empfangsgeräten wächst im Moment jährlich um 10 % bis 15 %. Wenn wir nur Deutschland nehmen, so werden bis 2012 rund 80 Mio. Set-Top-Boxen benötigt. Unser Marktanteil beträgt hier rund 15 %, wobei wir derzeit in unserem Spezialsegment schneller wachsen als der Markt selbst.

Auch in Südamerika liegen wir deutlich im zweistelligen Prozentbereich. Sehr stark sind wir zudem in Skandinavien. Großbritannien beliefern wir in bestimmten Wellen erfolgreich – je nachdem, ob neue Technologien kommen. Danach verflachen die Margen schnell wieder. Osteuropa ist seit 2008 ein neuer Wachstumsmarkt.

VDI nachrichten: Was können Sie, was andere nicht können, dass Sie so gut im Markt stehen?

Kieser: Wir haben uns immer rechtzeitig auf bestimmte technologische Vorzüge spezialisiert. Maßgeblich für den Erfolg einer Entwicklung ist es, dass sie dem Nutzer Kostenvorteile in der Produktion bringt. Die einzelnen Module müssen sich in hohen Stückzahlen fertigen lassen. Auch eine effiziente Stromversorgung oder ökologische Aspekte sind wichtig. Deshalb setzten wir zeitig auf eine Miniaturisierung.

Als wir 1999 auf der Fachmesse IBC in Amsterdam als erste weltweit Set-Top-Boxen mit dem Formfaktor eines A 5-Blattes vorstellten, wurden wir noch gefragt: Und wo ist der Rest der Technologie? Man suchte noch irgendeinen Schrank. Vor drei, vier Jahren führten wir die ersten Decoder mit dem Formfaktor eines Scart-Steckers ein. Mit dieser Technologie sind wir nach wie vor führend. Mittlerweile präsentieren wir Chip-Module, die nicht größer sind als eine Streichholzschachtel. Sie ersetzen, wofür man vor wenigen Jahren noch sechs, acht Lagen Leiterkarten brauchte.

VDI nachrichten: Solch ein gewaltiger Markt weckt Begehrlichkeiten. Wie sehr drückt die Konkurrenz?

Kieser: Der Markt ist brutal, keine Frage! Am besten profiliert man sich hier über eine hohe Kundenbindung und lukrative Technologie. Wir folgen stets den technologischen Trends.

Zur IBC in Amsterdam präsentierten wir unlängst zusammen mit Astra und dem Institut für Rundfunktechnik einen sehr interessanten Prototyp für den deutschen Markt. Diese Set-Top-Box ist einerseits für High Definition (HD) konzipiert und verfügt andererseits über ein Internetportal für klassische Onlineangebote wie die Mediatheken von ARD bzw. ZDF, Yahoo TV, Clipfish usw. Und das alles so bedienfreundlich und in einer Qualität, dass man es im Wohnzimmer nutzen kann und nicht am PC. Das ist ein Trend, der in Zukunft immer wichtiger wird. Momentan reden wir auch mit einem der großen Hersteller für Flachbildschirme, denn auch hier tut sich bald einiges.

VDI nachrichten: Ist beim digitalen TV mit weiteren Revolutionen zu rechnen?

Kieser: Die Revolution ist ja das Digital-TV an sich. Noch sieht in Deutschland weit über die Hälfte der Haushalte analog fern. Aber wenn man sich die Möglichkeiten anschaut, die sich noch eröffnen, und die Trends, die alle anstehen, sind wir schon noch am Anfang.

Nehmen wir das Thema PVR, also Personal Video Recorder, bei der man seine Sendung über eine Festplatte selbst gestalten und strukturieren kann. Oder die Heimvernetzung, wo ich alle Medien zentral mit einer Steuereinheit bediene. Auch das wird ein ganz wichtiges Thema für uns, da ich ja eine Set-Top-Box auch integriert mit anderen Geräten benutzen kann.

2007 haben wir überdies versuchsweise ein ganz anderes Bedienkonzept für eine Set-Top-Box vorgestellt: mit einer Wii-Fernbedienung, ähnlich wie bei Computerspielkonsolen. Man muss einfach auch neue Wege gehen, aus festen Schemen herauskommen, auch mal ein Stück vorrennen – und schauen, welches Echo das auslöst. Irgendwann setzt sich dann ein Trend durch.

VDI nachrichten: Ende vergangenen Jahres haben Sie den geplanten Börsengang abgesagt. Warum?

Kieser: Die bekanntermaßen schwierige Situation an den weltweiten Kapitalmärkten ließ uns davon Abstand nehmen. Das kann man bedauern. Es gibt uns nun aber auch die Chance, das Unternehmen ein Stück weit neu auszurichten. Für die nächsten fünf Jahre haben wir bereits ein recht klares Bild, wohin es gehen soll…

VDI nachrichten: …offenbar nicht mehr in Richtung Endkundengeschäft. Da wollten Sie ja eigentlich nach erfolgreichem Börsengang einsteigen.

Kieser: Wenn ich die Mittel nicht habe, macht die Ausrichtung auf Endkunden wenig Sinn. Wir konzentrieren uns nun weiter auf Technologieentwicklung. Da verfügen wir über ein paar interessante Patente. Den Endkunden avisieren wir nur dort, wo wir völlig neue Konzepte anbieten können, mit denen wir zu den Vorreitern gehören.

VDI nachrichten: Woran denken Sie konkret?

Kieser: Etwa an besagte Heimvernetzung. Wir wollen den Plattformgedanken, den die Set-Top-Box bietet, ausbauen. Denn sie ist praktisch der Gatekeeper des Contents zur Wohnung, um es in der Fachsprache zu sagen, also die Schlüsseltechnologie für alle Medien, die in den Haushalt kommen.

Ihre Funktion wird sich noch deutlich erweitern. Das gibt Raum für viele neue Ideen. Zudem werden unsere Set-Top-Boxen immer kleiner, nur noch wenige Quadratzentimeter groß. Da sind dann Mikroprozessor, Speicher und Spezialschaltkreise in einem Chip verarbeitet.

VDI nachrichten: Vertreiben Sie Ihre Technologie auch weiter in Lizenz?

Kieser: Ja, wir verkaufen sie auch an Wettbewerber. Das scheint mir sinnvoll. Denn große Netzbetreiber wollen für ihre Set-Top-Boxen schon aus Sicherheitsgründen immer mehrere Hersteller – am liebsten aber immer mit derselben Technologie. Das umgeht mögliche Betriebsprobleme. So sind wir mit mehreren sehr großen Netzbetreibern in Kontakt. Wir liefern ihnen unser Know-how, lassen ihnen aber völlig freie Hand bei den sonstigen Baukomponenten.

VDI nachrichten: Sie sind 2004 mit der portugiesischen Novabase zusammengegangen. Wer hat da wen übernommen?

Kieser: Das war eine Fusion auf Augenhöhe. Wir bekamen so Zugang zum portugiesischen Markt. Der war damals einer der Testmärkte für Microsoft-Produkte, also Microsoft TV. Das war für uns sehr interessant, denn es lag genau in unserem Fokus, Broadcast und Broadband in ein Produkt zu bringen.

VDI nachrichten: Warum sitzt die gemeinsame Holding in Amsterdam?

Kieser: Das hatte rechtliche Gründe. Damals gab es noch kein europäisches Unternehmensrecht, so musste ich eine Stelle finden, wo ich Unternehmen kombinieren kann. Und die holländischen Finanzverwaltungen sind die flexibelsten in Europa, um solche Konstrukte einfach zu gestalten.

Es gibt aber bereits klare Überlegungen bei uns, das Unternehmen irgendwann wieder am Standort Deutschland zu konzentrieren. Und natürlich zahlen wir auch jetzt schon unsere Steuern in Deutschland. HARALD LACHMANN

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