Medien 22.08.2003, 18:26 Uhr

Locker-flockig, aber mit Technik im Klartext

Nur wer es versteht, harte Fakten in lockerer Unterhaltung zu verpacken, findet auch seine Hörer.

Auch wenn das Gründerteam vom Hochschulradio Aachen noch im Lernprozess steht – eine wesentliche Voraussetzung haben die Studenten bereits verinnerlicht: Wenn sie mit ihrem Programm Erfolg haben wollen, dann geht das nur über die professionelle Schiene. Das heißt nicht, dass die Gelegenheitsjournalisten am großen Geld interessiert sind, sondern dass ohne intensive Vorbereitung nichts Hörbares zustande kommt, wenn Anfang nächsten Jahres das eigene Studio bezogen wird.

Bislang gehen die zwölf ehrenamtlichen Hörfunk-Enthusiasten noch auf die Wanderschaft, um hier Tipps von anderen Studentensendern und Radioprofis (WDR, Landesmedienanstalt) einzuholen oder um dort um materielle Unterstützung zu bitten. Den Rest erledigt das „Learning-by-doing“, dem sich das Team seit einem Jahr hingibt.
„Mit der Beteiligung an den Bürgerfunksendungen haben wir im Herbst letzten Jahres den ersten Schritt ins Radio gewagt“, erklärt BWL-Student Christian Goedsche, Vorsitzender Sponsoring & Kooperation. Seitdem sind einmal im Monat sechs redaktionelle Beiträge und rund ein Dutzend Musikstücke des Hochschulradios Aachen über die Frequenz 100,1 zu hören. „Weil unser Programm nur weit vor der Sendung geplant und aufgezeichnet werden kann, ist es schwer für uns, unmittelbar auf aktuelle Anlässe zu reagieren“, räumt Vera Blaszkiewicz, Chefredakteurin vom Dienst, ein. Daher besteht das Programm derzeit vor allem aus Kulturtipps, der Vorstellung Aachener Bands oder Hörspielen mit regionalem Bezug.
Dabei aber soll es nicht bleiben. Im kommenden Jahr wird – geht es nach dem Willen des Studententeams – fünf Stunden täglich gesendet, wobei das Programm um einige Elemente erweitert wird. Die Fokussierung der Aachener Hochschullandschaft auf technische Fachbereiche wird selbstverständlich berücksichtigt. Schließlich ist die RWTH mit weitem Abstand die größte Hochschule der Region (rund 30 000 Studierende), gefolgt von der Fachhochschule (etwa 8000).

Eine Jobbörse soll Absolventen bei der Wahl ihrer ersten Anstellung helfen, eine Praktikumsbörse einen Überblick über Firmen- oder Forschungsangebote verschaffen mittelständische Unternehmen sollen sich und ihre Arbeitsfelder ebenso vorstellen wie Hochschulfakultäten und Wissenschaftler in Diskussionen stellen sich Professoren und andere Hochschulangehörige aktuellen Themen. Über all diesen Vorsätzen thront der Leitsatz: viel Information, viel Kritik, aber so locker-flockig wie möglich.

„Technik im Klartext“ lautet daher der Titel eines bereits bestehenden Programmpunktes. Auch Techniklaien sollen nicht länger ahnungslos durch die Welt laufen, wenn von „Nanotechnologie“ die Rede ist. Germanistik-Studentin Blaszkiewicz: „So knüpft ein Beitrag an das Buch ,Beute“ von Michael Crichton an, das sich sehr stark mit Nanotechnologie beschäftigt. Wir bauen eine Brücke zwischen Technik und Roman und klären auf diese anschauliche Weise über diese relativ unbekannte Technologie auf – natürlich in Absprache mit Experten.“
Nicht nur um zu lernen suchen die Aachener die Nähe anderer Studentensender. Christian Goedsche: „Es wäre schön, wenn mittelfristig ein technisches Magazin zustände käme, an dem mehrere Hochschulradios gemeinsam planen.“ Vorbild ist der bereits etablierte Hochschulsender „c.t.“ der Bochumer Ruhr-Uni. „Dahin wollen wir auch kommen, ohne die Bochumer zu imitieren. Wir haben schließlich unsere eigenen Vorstellungen.“
Die Studenten aus der Kaiserstadt brauchen nach Expertenmeinung einen Vergleich mit anderen Amateursendern nicht zu scheuen. „Ihr liegt weit über dem Durchschnitt“, urteilt das Bürgerradio. Und auch Christian Goedsche findet: „Wenn wir die erste unserer Sendungen mit der letzten, der neunten, vergleichen, ist ein beträchtlicher Fortschritt festzustellen.“
Überhaupt deutet alles auf eine verheißungsvolle Zukunft des jungen Senders hin. Die Wirtschaft zieht mit, und auch die Hochschulen zeigen sich begeistert von dem Projekt. Was fehlt, sind die eigenen vier Wände. Bis Ende des Jahres dürfte sich aber auch dieses Problem erledigt haben. Pressesprecherin Julia Looser: „Wir sind guter Dinge, Räume mit Zentrallage an der Uni zu erhalten.“
Der Spaß, ein eigenes Radioprogramm zu gestalten, ist für einige aber nicht der einzige Beweggrund. Goedsche: „Vielleicht ergibt sich daraus später mehr als nur ein zeitintensives Hobby. Außerdem ist es eine immens lehrreiche Erfahrung, sich in Kommunikation, Präsentation und Sprache zu schulen.“ WOLFGANG SCHMITZ
 www.hochschulradio-aachen.de

Von Wolfgang Schmitz

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