Medien 04.10.2002, 18:21 Uhr

Leseratten gewöhnen sich langsam an digitales Futter

Den Buchmarkt haben E-Books zwar nicht revolutioniert, doch der digitale Lesestoff verbreitet sich stetig. Die Leser bevorzugen Fachliteratur, scheuen sich aber vor dem Kauf eines elektronischen Lesegerätes.

Groß waren die Hoffnungen, als vor vier Jahren das erste E-Book auf den Markt kam: Schon bald könnte der Bücherschrank leer, das handliche Gerät dafür voll mit Lesestoff sein – eine Erleichterung für Bücherregal und Reisegepäck. Doch die Leser konnten sich mit dem digitalen Buch bislang nicht so recht anfreunden: Zu teuer, zu schlechte Lesequalität und zu wenig Inhalte.
Aus der Revolution auf dem Buchmarkt ist dennoch ein Umsturz auf Raten geworden. „Wir haben uns am Anfang durchaus mehr versprochen“, resümiert Online-Buchhändler BOL, auf dessen Website es rund 1000 E-Books zum Download gibt. Der Durchbruch der digitalen Bücher werde wohl mehr Zeit brauchen, als man gedacht hat.
Erste Erfolge in den USA lassen die Anbieter hoffen: Die Zahlen seien erfreulich, obwohl das Wachstum sich noch in kleinem Rahmen halte, so die Branchenvereinigung Open E-Book Forum. Perfect Bound, E-Ableger von HarperCollins, zum Beispiel habe in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres 2002 mehr verkauft als im ganzen Jahr 2001. 180 000 E-Books seien 2001 im Palm-Format heruntergeladen wurden, 40 % mehr als im Jahr 2000. Die Downloads des Adobe E-Book-Readers seien um 70 % gestiegen und über fünf Mio. Microsoft E-Book-Reader seien mittlerweile im Umlauf. Mit dieser Software lassen sich Bücher auf PC und Laptop lesen.
Doch weil das so gar nichts mehr mit dem Ursprungsmedium zu tun hat, wurden elektronische „Bücher“ entwickelt. Zwei Anbieter versuchen auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Absatzzahlen will niemand nennen, aber „ein Massenmarkt ist das noch lange nicht“, gibt Hermann Salmen, Geschäftsführer des deutschen Ablegers von Gemstar-TV Guide International zu. Gemstar vertreibt das Rocket eBook, vor vier Jahren eines der ersten seiner Art, und das eBook GEB2200. Beide haben ungefähr Taschenbuchformat, das Rocket eBook mit schwarz-weiß-Display kostet 199 ®, das farbige und etwas größere eBook GEB2200 ist für 649 ® zu haben. Mehr als 18 000 Seiten Lesestoff trägt der E-Book-Besitzer dann mit sich herum.
Kleiner, aber multimedial ist der eBookMan von Franklin. Er spielt auch MP3-Dateien ab. Mit 16 MB-Speicher – in den fast 16 000 Buchseiten passen – kostet das Schwarzweiß-Gerät 330 ®, mit 8 MB 280 ®. Da es über einen Steckplatz für Multimediacards verfügt, kann man die digitale Bibliothek beliebig erweitern.
Nicht nur, dass die Anschaffungskosten für ein E-Book sehr hoch sind. Für die meisten Leser scheint es kaum vorstellbar, auf dem Sofa oder im Bett zu schmökern – mit einem elektronischen Gerät in der Hand. Ein Computer bietet halt nicht das sinnliche Erlebnis wie eine Papierausgabe. Und gerade bei Literaturfreunden ist der Wunsch des Besitzens ausgeprägt – Lieblingsbücher schmücken auch die Wohnung. Aber das E-Book sei sehr praktisch, gerade wenn man viel unterwegs ist, hält Salmen dagegen. „Es macht keine Geräusche, durch die interne Beleuchtung kann man im Dunkeln lesen und hat viele Bücher in einem Gerät.“
Attraktive Inhalte sollen die Skepsis der Kunden in Kaufbereitschaft wandeln. Gemstar setzt dabei mehr auf „Fiction“, also Unterhaltung. Zur Buchmesse sind die ersten E-Comics vom Achterbahn-Verlag („Werner“) und eine Kooperation mit dem marebuchverlag angekündigt, der sein Verlagsprogramm gleichzeitig als E- und Papier-Buch veröffentlichen will. Insgesamt 60 % der für die Gemstar-Geräte verkaufte Inhalt sei Fiction, reine Sachbücher würden ca. 20 % ausmachen. Mit exklusiven Inhalten, wie der aktuellen Spiegel-Ausgabe schon am Samstag nachmittag, will Gemstar weitere Leser gewinnen. Die Hürde der hohen Anfangsinvestition soll in den USA bald durch ein Abo-Modell gesenkt werden: So könnte ein E-Buch nur noch 99 Dollar kosten, wenn der Kunde sich verpflichtet, regelmäßig Inhalte abzurufen. Schon jetzt sei im eBook GEB 2200 Lesestoff im Wert von rund 100 ® enthalten.
Während Gemstar vor allem mobile Leseratten im Visier hat, heißt es Wettbewerber Frankling: Der Trend beim E-Book geht zur Sachinformation. Noch in diesem Jahr werde es beispielsweise das Gabler Wirtschaftslexikon als E-Book geben. Online-Händler Amazon erwartet eine ähnlich Entwicklung. „Wir gehen davon aus, dass das E-Book sich in der Zukunft durchsetzen wird“, sagt Amazon-Sprecherin Christine Hoeger. „Es wird sich Nischen erarbeiten, zum Beispiel bei Weiterbildung, Unternehmens- und Fachliteratur oder Reiseführern.“ Denn gerade dabei biete das E-Book Vorteile wie sofortige Verfügbarkeit, interaktives Lesen, und Recherche im Text.
Dass Lese- und Literaturbegeisterte in Zukunft immer häufiger zur elektronischen Ausgabe greifen, davon ist Hermann Salmen überzeugt. Er baut auf das sogenannte E-Paper: Diese extrem leichten und flachen Bildschirme könnten in ein paar Jahren auch Zweifler vom E-Book überzeugen. Denn dann soll das elektronische Buch von einem Papier-Vorgänger kaum noch zu unterscheiden sein.
  JANA GALINOWSKI

E-Books
Verwirrende Formatvielfalt
 Ob Microsoft, Adobe, Palm, Gemstar und Franklin – elektronische Lektüre ist in vielen Formen zu haben. Dass diese nicht kompatibel sind, scheint auf den ersten Blick unpraktisch. Allerdings hat das Open-E-Book-Forum inzwischen eine Spezifikation für digitales Publizieren entwickelt. Mit Hilfe von XML sollen Roh-Inhalte damit plattformunabhängig sein. Die Vermarktung erfolgt jedoch voraussichtlich weiterhin in verschiedenen Formaten mit jeweils eigenem Kopierschutz. Denn schließlich möchte kein Verlag, dass seine Inhalte – die teilweise an E-Book-Anbieter gebunden sind – unkontrolliert verbreitet werden. jg

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