Medien 25.01.2002, 17:32 Uhr

Langsam geht das digitale Fernsehen in die Luft

Berlin macht Tempo in Sachen DVB-T. Nachdem seit vier Jahren Versuche mit dem digitalen terrestrischen Fernsehen laufen und zur Funkausstellung im August der Testbetrieb erweitert wurde, arbeiten die Medien-Verantwortlichen nun an einem konkreten Umstiegsszenario. Das wird voraussichtlich im Februar vorgestellt.

Ausgerechnet im Weddinger Karstadt-Haus wird die digitale TV-Zukunft der Bundeshauptstadt eingeläutet. Was hier passiert, ist eine kleine Revolution, aber eine digitale. Viel zu sehen gibt es allerdings nicht, denn das Wunder-Kästchen auf dem Fernseher ist recht unscheinbar. Immerhin 20 dieser Kästchen der Firma TechnoTrend konnten in Berlin bisher verkauft werden. Zählt man alle Empfänger für digitales terristrisches Fernsehen (DVB-T) der verschiedenen Hersteller zusammen, so dürften es in Berlin gerade erst 100 sein. „Wir arbeiten ja jetzt erst in einem Testbetrieb mit relativ leistungsschwachen Sendern. Stärkere kommen im Regelbetrieb“, sagt Uwe Hense, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Rundfunkversorgung (GARV), der für den Ausbau des digitalen terrestrischen Netzes in Berlin zuständig ist.

Bevor jedoch die Berliner die Vorteile von DVB-T wie mobilen Empfang oder Zusatzdienste nutzen können, müssen die großen und leistungsstarken analogen Sender abgeschaltet werden. Zusätzliche Frequenzen wie in England oder den USA stehen noch nicht zur Verfügung – bestenfalls nach 2006, wenn der Stockholmer Wellenplan revidiert ist.

Vor fünf Jahren hat bereits n-tv seine Berliner Terrestrik-Frequenz (Kanal 51) zurückgegeben, auf der seit der IFA 2001 digitales Versuchsfernsehen mit den Kirch-Programmen Sat.1, Pro7, Kabel1 und N24 ausgestrahlt wird. Auch der analoge RTL-Sender in Frankfurt/Oder (Kanal 59) wurde abgeschaltet. So ist jetzt Bertelsmann mit RTL, RTL2, Super RTL und Vox ebenfalls digital in der Berliner Luft. Beide Sender-Gruppen nutzen damit nicht nur die leistungsstärksten Testbetriebs-Sender, sondern zugleich die meisten: Insgesamt werden die digitalen Signale von drei Sendern auf der gleichen Frequenz abgestrahlt (Single-Frequency-Networks).

Damit wäre dann auch Indoor-, portabler und z. T. mobiler Empfang möglich – sofern die Senderleistung hoch genug ist. Außerdem gibt es im Berliner Versuchsprojekt noch zwei Kanäle für die öffentlich-rechtlichen Anbieter, also mit ARD, SFB1, ORB, 1Festival, ZDF, ZDF.info und ZDF.doku sowie zwei weitere „Multiplexe“ mit n-tv, 1MuXx. EuroSport, MTV, tvBerlin, Kinderkanal/arte, einigen Hörfunkprogrammen und Datendiensten – insgesamt also sechs Kanäle mit 21 Fernsehprogrammen. Für 3 Sat wäre ebenfalls noch Platz.

Um die digitalen Wellen zu empfangen, ist neben einem DVB-T-Empfänger noch eine Außenantenne erforderlich, nur in günstigsten Empfangssituationen reicht eine kleine aktive Zimmerantenne (mit Verstärker) oder eine passive Antenne. „Wir müssen mit einem leistungsstarken Sender anfangen, um überhaupt die vielen Vorteile von DVB-T zeigen zu können. Erst wenn man weiß, dass allein auf einer Frequenz vier TV-Programme in guter Qualität und fast überall zu empfangen sind, wird das Interesse an dieser Technik zunehmen gekauft“, so der Berliner Medienwächter Hans Hege.

Der will die analogen Kanäle nun so schnell wir möglich abschalten. Das Umstiegsszenario wurde jetzt in Berlin und Brandenburg am runden Tisch fest geklopft und soll voraussichtlich am 13. Februar vorgestellt werden. Vertreter von ARD, ZDF, Telekom, RTL und Kirch haben sich zusammen mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) und der GARV verständigt, analog schrittweise ab- und digital einzuschalten. Spätestens 2010 wird nach den Plänen der Bundesregierung jede analoge Übertragung abgeschaltet.

„Nach unseren Berechnungen werden die Kosten für die Ausstrahlung eines Fernsehprogramms bei Nutzung von DVB-T bei etwa 30 % bis 50 % der Kosten für die Ausstrahlung eines PAL-Programms liegen“, sagt Prof. Ulrich Reimers vom Institut für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig und einer der Väter des Digital-TV. Aber nicht alle Beteiligten sind so optimistisch.

Das Berliner Umstiegszenario könnte so aussehen: Pro7 räumt in der analogen Variante zunächst den leistungsstarken Kanal 44 und zieht auf den schwächeren Kanal 47 um, der zur Zeit noch von RTL2 genutzt wird. Dieser Sender stellt seine analoge terrestrische Verbreitung ein, auch wenn damit etwa 200 000 potenzielle Zuschauer verloren gehen. Und auf Kanal 44 beginnen am 1. Oktober nach einer entsprechenden Umbauphase Pro7, Sat.1, RTL und RTL2 digital mit 100 bis 150 kW zu senden. Wenn Ende des Jahres die wichtigsten privaten Anbieter umgestiegen sind, kommen die öffentlich-rechtlichen Anbieter zum Zuge.

Bevor nun der Regelbetrieb beginnen kann, wird die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP), den Sendernetz-Betrieb ausschreiben. Derzeit betreibt neben der ARD vor allem die Telekom die Sendernetze. Experten hoffen, dass eine leistungsstarke und interessante Digitalversorgung eine preiswerte und attraktive Alternative für Kabelkunden sein könnte. Die Bundeshauptstadt ist hier Vorreiter – doch die Sender in anderen Bundesländern haben ebenfalls schon konkrete Pläne. RAINER BÜCKEN

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