Medien 27.04.2001, 17:29 Uhr

Konvergenz für die breite Masse

Über die Programmqualität des Privatsenders RTL lässt sich streiten, doch mit ihrer Multimedia-Strategie liegen die Kölner klar vorn.

Als der RTL NewMedia-Vorstand Thomas Hesse im November seinen Vortrag vor dem Münchener Kreis hielt, ging ein Raunen durch den Saal. So mancher der anwesenden Telekommunikations- und Medienexperten hatte nicht im Entferntesten damit gerechnet, wie schnell sich der erfolgreichste deutsche Privatsender mit seinem neuen Online-Auftritt auch im Netz an die Spitze der General Interest-Angebote gesetzt hat.

Während andere Sender noch über das Thema Konvergenz sinnieren, machen RTL und die im vergangenen Jahr gegründete Tochter RTL NewMedia ihre Konkurrenz schon jetzt ziemlich neidisch. Denn wohl kaum ein Angebot außer der Web-Version von „Wer wird Millionär?“ hat es bisher geschafft, neben dem TV-Sendetermin zu bestehen und teilweise gleichzeitig genutzt zu werden. Regelmäßig zappen rund 95 000 Zuschauer parallel zur Fernsehsendung auch ins Netz.

Kein Wunder also, dass sich das Führungsduo der Online-Tochter, Thomas Hesse und Hans Mahr, bei der ersten Bilanzpressekonferenz in Köln optimistisch und siegessicher zeigten. Die Zahlen sprachen dabei für sich. Während der gesamte Werbemarkt im Internet vor sich hin dümpelt, fuhr RTL World im 1. Quartal doppelt soviel Online-Werbegelder ein wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im europäischen Vergleich liegt RTL.de bei den TV-Websites auf Platz zwei nur knapp hinter dem Auftritt der BBC. Insgesamt machte das RTL-Tochterunternehmen 90 Mio. DM Umsatz, davon allein 36 Mio. DM mit Merchandising, also z. B. dem Verkauf von Fanartikeln und Musik.

Aus den roten Zahlen werde man wegen der Investitionen in Angebote für interaktives Fernsehen oder für die neue Mobilfunk-Technik UMTS jedoch erst in einigen Jahren kommen, erklärten Hesse und Mahr. Die Anlaufverluste lagen im letzten Jahr bei 52 Mio. DM. „Wir machen New Economy mit Old-Economy-Logik“, so Mahr. „Wir wollen Märkte visionär besetzen und trotzdem vorsichtig investieren.“

Die beiden NewMedia-Strategen setzen für den Erfolg in der Zukunft vor allem auf das Potenzial der eigenen Marken und Inhalte sowie auf die Möglichkeit, den jeweiligen Content auch crossmedial zu bewerben. Nachrichtenmoderatoren verweisen die Zuschauer für weitere Informationen ins Internet, und ob Container-Show „Big Brother“, Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, Günter Jauchs Quizmaschine „Wer wird Millionär?“ oder die Formel Eins – im Internet wartet auf die Fans bereits die passende Fangemeinde. Merchandising-Produkte wie T-Shirts, Spiele oder CDs kommen natürlich auch gleich per Mausklick ins Haus.

Allein 600 000 User haben sich bereits in der Online-Welt von „Wer wird Millionär“ registriert. Kein kleiner Erfolg auf dem Weg zu Kunden- und Markenbindung. Genau diese Art von Fangemeinden nämlich werden es sein, die genau ihr Angebot auch in der neuen digitalen Welt wieder finden wollen. Keiner der neuen Kabelbetreiber wie Callahan oder Klesch wird es sich wohl leisten können, die Marke RTL im Programmportfolio auszulassen.

Hesse und Mahr zählen sich somit klar zu den Gewinnern der ersten New-Economy-Runde. „Wir machen beim Krankjammern der Branche nicht mit. Die Wachstumszahlen im Netz zeigen: Interaktivität wird sich durchsetzen“, so Mahr. Als absolute „Killerapplikation“ im Netz bezeichnete er das Feld Online-Spiele, das RTL schon jetzt mit dem „Game Channel“ besetzt habe. „Gerade bei interaktiven und mobilen Medien werden die Spiele der Renner“, zeigte sich Mahr überzeugt.

Bei all den schönen Zukunftsaussichten gebe es nur ein Problem, räumte der NewMedia-Vorstand ein. Leider wisse niemand genau, wann sich welcher Übertragungsweg beim Kunden durchsetze. „Also gehen wir von unserer sicheren TV-Basis aus und hangeln uns über Zwischenstationen zu den Visionen“, kündigte Mahr an. So bereite man sich beispielsweise im mobilen Markt schon jetzt mit WAP- und GPRS-Services auf breitbandige und personalisierte UMTS-Dienste vor. „UMTS wird ein entscheidendes Geschäftsfeld für uns.“

Und für das interaktive Fernsehen („i TV“) heißt das: Der bereits bestehende Teletext wird ausgebaut und dient als Testfeld für interaktive Dienste, wie z. B. Chats via SMS. Wertvolle Breitbanderfahrungen brachte dafür die Bertelsmann Broadband Group (BBG) mit, die im Februar in die RTL Group integriert wurde. Die Pilot-Tests der BBG werden jedoch in diesem Monat auslaufen. Erste i  TV-Angebote – und natürlich auch die entsprechenden Werbestrategien – will RTL NewMedia bereits auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) präsentieren.

Von Simone Zell

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