Medien 21.09.2007, 19:30 Uhr

Komplizierter Abschied aus der analogen TV-Welt  

Private Programmveranstalter und Netzbetreiber möchten neue Einnahmen generieren und wollen die Programme verschlüsseln. Die Technik hierfür ist nicht unumstritten, zumal es für DSL- und Mobil-TV andere Wege gibt als für Broadcast-Medien.

Georg Lütteke benennt das Problem: „In der heutigen analogen Fernsehwelt haben wir – mit wenigen Ausnahmen – einen freien und zumindest kostenlos empfundenen Zugang zu Netzen, Programmen und Inhalten, Nutzung und Kopieren für den privaten Gebrauch sind nahezu uneingeschränkt möglich. Und von da muss der Konsument abgeholt und in die digitale Welt gebracht werden“, erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe Technik des Fachverbandes Consumer Electronics im ZVEI und bei Philips zuständig für den Bereich der Neuen Technologien während eines Workshops des Kabelverbandes ANGA.

„Doch“, so Lütteke weiter, „wenn der Konsument nicht will, sich nur von unnötigen Mautstellen umgeben sieht, dann haben wir ein Problem.“ Die ANGA hat, wie ihr technischer Leiter Carsten Engelke betonte, „als Interessenvereinigung von Unternehmen der deutschen Breitbandkabelbranche ein starkes Interesse an kommerziell erfolgreichen hybriden DVB/IP-Lösungen, die jedoch noch auf sich warten lassen.“ So ist die digitale Welt für viele noch längst nicht das gelobte Medienparadies.

„Neue Inhalte, Dienste und Verteilformate sowie eine Vielzahl neuer Anbieter – da reichen die etablierten Finanzierungsmethoden nicht mehr aus. Deswegen wird die Mehrzahl der neuen Angebote kostenpflichtig sein müssen und direkte Bezahlung durch den Konsumenten erfordern“, so Lütteke. Neben mehrstufigen Nutzungs- und Zugangskontrollen ist vor allem ein Kopierschutz erforderlich, da Kopie und Original nicht mehr zu unterscheiden sind.

Der jeweilige Zugang zu Netzen, Diensten und Inhalten ist mit einem Conditional-Access(CA)-System möglich, die Nutzung von Inhalten erfordert ein digitales Rechte-Management (DRM). Nun ist der digitale TV-Markt längst nicht so harmonisch, wie man von außen annehmen könnte. Der Kampf um die Augäpfel ist längst zu einem Kampf um die Haushalte geworden, egal wie kompliziert die Zugangsmöglichkeiten auch sind.

Die Set-Top-Box wird nach Lüttekes Auffassung zunehmend in die Fernsehgeräte integriert. Auch die Bedienbarkeit müsse möglichst einfach werden. Nun ist das leichter gesagt als getan. Gerade die eingebaute Zusatztechnik wie Harddisk und DVD-Recorder verlangen schon ein gewisses technisches Verständnis. So oder so – die Endgeräteindustrie will einen horizontalen Massenmarkt für langlebige integrierte digitale TV-Geräte für Free- und Pay-Dienste, eben sog. iDTVs. Gefordert werden aber auch einheitliche technische Plattformen für die Übertragungswege Kabel, Satellit, Terrestrik, Mobil-TV, IPTV über DSL bzw. Kabel, die zudem alle gängigen CA/DRM-Systeme unterstützen sollen.

Dazu ist aber die Interoperabilität zwischen Inhalten und Diensten sowie Endgeräten durch einheitliche und möglichst offene Standards gefragt. Sollte es zu keiner Einigung kommen, so müsse durch eine Basisarchitektur in Hard- und Software zumindest eine leichte Austauschbarkeit von Systemen für alle Plattformen gewährleistet sein, „ohne den Konsumenten dadurch zu belasten“. Dazu sind Downloadmöglichkeiten ganzer Systeme und deren Upgrades erforderlich.

Das zentrale Element der CA-Seite ist der Common Scrambling Algorithmus (CSA), ein bei DVB „für alle Arten von digitalen Datenpaketen und Transportströmen entwickeltes Verschlüsselungsverfahren“, erklärte Lütteke. Doch das wird nicht überall eingesetzt. In der bei T-Home Entertain genutzten Microsoft-Technik „Mediaroom“ gibt es für DSL eine proprietäre Lösung, die – so Peter Yves Ruland, Manager für Microsofts TV-Business – „mehr Flexibilität ermöglicht und keine zusätzliche Hardware benötigt. Wir brauchen keine Smartcard, keinen Reader und können zudem mehrere Boxen bzw. Fernseher in einer Wohnung bedienen“.

Hörfunk gibt es da allerdings noch nicht, und die Wiedergabe des Bouquets auf einem PC ist auch nicht möglich. „Das wollen die großen Inhalteanbieter nicht – PCs sind für sie recht ungewisse Endgeräte“, so der Microsoft-Manager. „Mit Mediaroom gibt es vernetzte Unterhaltung, erweitert um zusätzliche Dienste für das vernetzte Heim.“ Microsofts DRM-Lösung soll zudem längere Schlüssel als den durch CSA genutzten unterstützen.

Ob es aber dabei bleibt, ist ungewiss. Die Bundesnetzagentur hat sich eine Klärung der Zugangsfrage auf die Fahne geschrieben. Zwar muss laut Telekommunikationsgesetz (TKG) jedes digitale Fernsehempfangsgerät seit Juni 2004 Signale darstellen können, die dem CS-Kodieralgorithmus entsprechen. „Der Einsatz von anderen Set-Top-Boxen wurde aber bis zum 1. Juli 2007 geduldet“, erläuterte Martin Feller, Leitung des BNetzA-Referats Technische Fragen der Regulierung im Bereich Rundfunk. Ein Bestandsschutz sei aus der vorübergehenden Duldung indes nicht abzuleiten.

Statt dessen fand jetzt eine Anhörung statt, an der sich elf Netzbetreiber, Programmanbieter, Hersteller, Einzelfirmen und Verbände beteiligten. „Die Vorschläge reichten von der Beendigung der Ausnahmeregelung, Sechs-Monatsfrist zur Rückkehr zum vorschriftenkonformen Zustand bis zur dauerhaften Ausnahmegenehmigung für IPTV“, so Feller.

Mit einer Entscheidung sei in etwa vier bis sechs Wochen zu rechnen. „Auch bei DVB-H haben wir den Common Scrambling Algorithmus verlassen – hier ist schon die Erbsünde geschehen“, so der Regulierungsspezialist. Also dürfte es wohl gute Chancen geben, dass T-Com ihren T-Home-Kunden die Boxen nicht tauschen muss. Dabei hätte sich das jetzt ohnehin noch in überschaubaren Größen bewegt.

Wie sagte Lütteke zum Schluss? „Das Angebot muss stimmen – oder die Kunden werden mit Kaufzurückhaltung reagieren.“ Für viele tun sie das schon viel zu lange, wobei die derzeitigen TV-Flachmänner nicht gemeint sind. Doch viele haben noch gar kein CA-System eingebaut. RAINER BÜCKEN

Set-Top-Boxen werden künftig vermehrt in die Fernsehgeräte integriert werden

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