Medien 14.12.2001, 17:32 Uhr

Kleine Kabelbetreiber arbeiten mit Highspeed

Allem Marketinggetöse zum Trotz – bei den interaktiven Kabelprojekten haben die kleineren Betreiber in Deutschland die Nase vorn.

Kunden mit Interesse an interaktiven Kabeldiensten müssen sich in Düsseldorf, wo seit dem Kauf des Telekom-TV-Kabels durch den US-Kabelbetreiber Callahan das bundesweit größte TV-Kabelprojekt läuft, noch gedulden. Dabei lesen sich die Ankündigungen des Anbieters mit dem lautmalenden Namen „ish“ viel versprechend: „Mailen Sie mir einfach Ihre Adresse, dann schau ich kurz nach, welche Angebote ich Ihnen machen kann“, wird der Besucher der Website aufgefordert. Schwungvoll heißt es weiter: „Wenn Ihnen das aber jetzt zu ishig ist, können Sie jederzeit über unsere Homepage oder das ish-Infomobil alles beantragen, was Sie wollen. Und wir setzen das dann ruck, zuck um.“

Besucher, die nach dem ersten Staunen über so viel Kreativität im Umgang mit Sprache auch Fakten möchten, muss die Hoffnung reichen. „In den nächsten Jahren entsteht ein Kabelnetz, das auch den Anforderungen von übermorgen gerecht wird“, erklärt dazu Helmut Kohl, Leiter des Netzbetriebes. Die Datenübertragung von der Quelle, wie einem TV-Sender oder einem Web-Server bis zum Empfangsgerät, also dem Fernseher oder Computer, wird dann über verschiedene Glasfaserringe laufen. Und an denen wird mit Hochdruck gebaut.

Auch die freundlichen Service-Mitarbeiter unter der 0800-Nummer vertrösten ungeduldige Interessenten, die das Buddeln und Bauen in der Landeshauptstadt beobachten, auf „Anfang nächsten Jahres oder Ende Januar.“ Dann sollen die Netze umgerüstet sein, um anstelle der 450 Mhz-Signale über ein so genanntes HFC-Netz (Hybrid Fiber Coaxial) 862 Mhz-Signale zu übertragen. In 2002 sollen nach den Vorstellungen von ish weitere NRW-Regionen ans neue Netz gehen: Köln, Bergisch Gladbach, Bonn, Gelsenkirchen und Duisburg. Für das zweite Quartal 2002 planen die Netzbetreiber in NRW den Anschluss von insgesamt rund 700 000 Wohneinheiten Ende 2004 sollen 5 Mio. NRW-Haushalte die neuen Dienste von ish beziehen können.

Bisher reicht jedoch die Verteilung der Signale im Raum Düsseldorf derzeit nur bis zum Hausübergabepunkt (sog. Netzebene 4) und nicht zwangsläufig bis zum Teilnehmer. Der Hausverteilverstärker, der den technischen Übergang der Signale von der Netzebene 3 in die Netzebene 4 leistet, wird vom Teilnehmer betrieben. Das kann eine einzelne Person sein oder auch z. B. ein Immobilienunternehmen, das mehrere Wohneinheiten betreut, mit denen ish zusammenarbeiten muss. Die Verhandlungen mit den Netzebene-4-Betreibern sind nach Angaben von ish in vollem Gang.

„Bisher haben die Düsseldorfer noch keinen einzigen Kunden angeschlossen“, sagen Skeptiker wie Peter Charissé vom ANGA, dem mit 140 Mitgliedern größten deutschen Zusammenschluss der Betreiber von Breitbandkabelnetzen. Die hier zusammengeschlossenen Kabelnetzbetreiber versorgen rund 7,5 Mio. Wohneinheiten.

Während bei ish die Kunden noch warten müssen, sind in Rostock, Zwickau oder auch Karlsruhe die Betreiber heute schon in der Lage, ihren Kunden Services über rückkanalfähige Netze bieten. In Baden-Württemberg verkauft die DITRA GmbH, Tochter des Energieversorgers EnBW Regional AG seit einigen Monaten Highspeed-Internet via TV-Kabel. In Keltern bei Karlsruhe und in Stutensee können 10 000 Haushalte mit bis zu 2 MBit/s im Web surfen, ca. 30-mal schneller als ISDN.

Ernst Scheifele, Geschäftsführer der Ditra GmbH legt vor allem Wert darauf, „dass die Neubaugebiete mit versorgt werden“. Seiner Meinung nach ist es günstiger, die Infrastruktur für neue interaktive Dienste sofort bereitzustellen als zu einem späteren Zeitpunkt nachträglich zu bauen.“ Begonnen hat die Ditra mit gut 80 Kunden in Keltern, die den Highspeed-Internetzugang vor allem zum Surfen nutzten. Inzwischen gibt es mehr als 350 Nutzer. Zudem wurden mit den Immobilienbesitzern Verträge geschlossen, die auch den Hausanschlussverteiler umrüsten.

Beim Kabelnetzbetreiber Telecolumbus, der bundesweit insgesamt 2,3 Mio. Kunden betreut und derzeit in Verkaufsverhandlungen mit potentielle Käufern wie Liberty Media steht, sind bundesweit 100 000 Haushalte für die neuen interaktiven Dienste vorbereitet. Allein in Rostock können 56 000 Kunden einen Highspeed-Internetanschluss abonnieren.

Auch die Kunden der Zwickauer Wohnungsgesellschaft (ZWR) haben bereits eine komfortable Zufahrt zum Datenhighway. Der Netzzugang über das Kabel wird wie in Karlsruhe ebenfalls als „Grundausstattung der Wohnung“ eingerichtet, so Netzbetreiber Bosch. Teilnehmerzahlen mag das Unternehmen noch nicht nennen, will aber schon in einigen Jahren zum größten unabhängigen Kabelnetzbetreiber wachsen. Noch beschränkt sich das Angebot auf den Webzugang. Künftig will man jedoch eine Vielzahl von Content-Anbietern in die Projekte einbinden, die auch lokalen Service liefern sollen. Denkbar wäre z. B. ein Mieter-Kanal, der über Müll-Abfahrten informiert.

Apropos Müll. Auch gegen spektakuläre Pannen wie bei ish – die von Subunternehmen angeheuerten Bautrupps ließen Müll und Reste ihrer Mahlzeiten in den Bauschächten, die dann in einem teuren Nachgang gereinigt werden mussten – sehen sich die kleineren Betreiber eher gewappnet. So haben die Karlsruher erst einmal eigene Bautrupps losgeschickt. „Wir kennen die Technik und die damit verbundenen Probleme in der Projektabwicklung. Dieses Wissen nützt uns jetzt im Umgang mit Fremdfirmen“, so Ditra-Mann Scheifele. D. WENDELN

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