Medien 25.05.2001, 17:29 Uhr

Kabelausbau mit Haken und Ösen

Private Eigner des Kabelnetzes bauen – zunächst rund um Düsseldorf – das TV-Netz aus. Breitband- Internet, Video-on-Demand und anderes sollen den Massenmarkt begeistern, doch komplizierte Besitzverhältnisse erschweren den Fortschritt.

Bislang im Besitz der Telekom-Tochter Kabel Deutschland, wechseln derzeit im ganzen Land die TV-Kabelnetze ihren Besitzer. Zwei große Unternehmensgruppen wollen künftig am Kabel verdienen: Das britisch-amerikanische Konsortium Klesch / Liberty Media übernimmt voraussichtlich die Regionen Bayern, Berlin/Brandenburg, Hamburg/Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen/Bremen, Rheinland-Pfalz/Saarland und Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen. Die amerikanische Gruppe Callahan Associates engagiert sich in Nordrhein-Westfalen und Baden-Würtemberg.
Am weitesten fortgeschritten ist der Wandel in NRW, wo das Kabelnetz schon im Juli letzten Jahres zu 55 % in den Besitz von Callahan überging. Das Callahan-Tochterunternehmen Kabel NRW betreibt dort mit 4,2 Mio. angeschlossenen Haushalten das größte zusammenhängende Kabelnetz in Deutschland. Die Übernahme der Kabelstränge in Baden-Würtemberg im Sommer bringt dem Unternehmen weitere 2 Mio. Haushalte.
Während in anderen Regionen noch über Details verhandelt wird, will Kabel NRW seiner Kundenschar schon bald mehr als schnödes Fernsehen verkaufen: „Wir wollen hier führender Anbieter von innovativen Multimedia-Dienstleistungen werden“, erläutert David Colley, CEO von Kabel NRW, die Pläne. Für dieses Vorhaben verfügt Kabel NRW über einen voll finanzierten Geschäftsplan von über 9 Mrd. DM.
Die prall gefüllte Kasse ist notwendig, da für die neuen, digitalen Dienste das gesamte Netz rückkanalfähig ausgebaut werden muss. Dort, wo die modernen Kabelstränge und Verteiler bereits installiert sind, soll ab Herbst dieses Jahres mit der Vermarktung eines Breitbandangebots begonnen werden.
Neben den bisherigen TV- und Radioprogrammen können Privatkunden dann mit 30facher ISDN-Geschwindigkeit im Internet surfen und IP-Telefonie, Video-on-Demand und weitere Mehrwertdienste ordern. „Der Kunde kann sich von allen Angeboten nach seinem Geschmack ein Paket zusammenstellen und bekommt alles aus einer Hand“, gerät Keoki Sears, bei Kabel NRW für den technischen Ausbau verantwortlich, ins Schwärmen.
Theoretisch könnte es dem Kölner Unternehmen mit seinem neuen Angebot gelingen, schnell in die Riege der größten Internet-Anbieter und Telefongesellschaften aufzusteigen. In der Praxis muss der Kabelkonzern aber noch mit einigen Haken und Ösen rechnen, denn trotz Milliardeninvestitionen ist die Firma nicht alleiniger Herr der Netze: Größtenteils ist Kabel NRW nur für den Netzausbau bis vor die Haustür (Netzebene 3) zuständig. Um Millionen Endkunden direkt zu erreichen, muss die Callahan-Tochter mit einer ganzen Reihe von Anbietern verhandeln, die für die hausinternen Netze (Ebene 4) verantwortlich sind. Denn nur dort, wo auch diese Netze rückkanalfähig ausgebaut sind, ergeben die modernen Hybrid-Fiber-Coaxial-Leitungen im Straßengraben einen Sinn.
Die Hausnetzbetreiber sind etwa zu einem Drittel große Wohnungsbaugesellschaften, zu einem weiteren Drittel private Anbieter. Problematisch für Kabel NRW: Alle Beteiligten möchten vom modernisierten Breitbandkabel profitieren und ein Wort mitreden.
Größter Gegenspieler der neuen Betreiber ist die Deutsche-Bank-Tochter Tele Columbus, die über ihre Tochter- und Beteiligungsgesellschaften etwa 2,8 Mio. Haushalten in ganz Deutschland Kabel-TV und weitere Dienstleistungen anbietet. Mit rund 100 000 Haushalten in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und der Stadt Ludwigshafen ist Tele Columbus momentan sogar größter deutscher Anbieter von Internet-Zugängen über das Breitbandkabel.
„Natürlich kooperieren wir mit Kabel NRW“, sagt Tele-Columbus-Sprecher Matthias Levy, „aber im Geschäft mit dem Endkunden sehen wir die Firma gleichzeitig als Mitbewerber.“ Als solle das Konkurrenzverhältnis manifestiert werden, hat die Columbus-Tochterfirma Concepta Kommunikationstechnik erst vor wenigen Wochen eine Zusammenarbeit mit BT Ignite Deutschland, der früheren Festnetzsparte von Viag-Interkom, bekannt gegeben. Durch die Kooperation kann Concepta ihren Kunden Telefonie mit allen wichtigen ISDN-Funktionen via Kabelnetz anbieten. Dieser Service ist zwar vorerst nur in einigen Teilen Bochums erhältlich, damit aber doch mitten im Territorium von Kabel NRW.
Um den Multimedia-Start nicht zu gefährden, gibt sich Kabel NRW trotz solcher Kuriositäten kooperativ: „Es ist für uns wichtig, mit den Ebene-4-Betreibern und den Wohnungsbaugesellschaften, die Zugang zu 70 % des Marktes haben, zusammenzuarbeiten“, erklärt Unternehmenssprecherin Petra Vohn. Man sei an Partnerschaften interessiert und biete verschiedene Kooperations-Modelle an. Ziel ist es, die Netzebenen 3 und 4 zu harmonisieren und zu standardisieren, damit möglichst viele der 4,2 Mio. potenziellen Kunden die neuen, interaktiven Services nutzen können. FOLKER LÜCK.

TV-Geräte vor Bewährungsprobe Blackouts vorprogrammiert VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 5. 01 – Was die Kabel-Modernisierung in der Praxis bedeutet, können aktuell 70 000 Haushalte im Großraum Düsseldorf/Neuss „entdecken“. Damit im Kabelnetz künftig Internet-Daten hin- und hergesendet werden können, muss im untersten Frequenzbereich des Kabels (5 – 65 MHz) ein Rückkanal implementiert werden. Die im Rückkanalbereich auf Kanal K2, K3 und K4 (VHF I, 47 – 68 MHz) liegenden TV-Programme werden verlegt im Rheinland ziehen deshalb in diesen Tagen die Programme ARD, ZDF und Niederlande 3 um. Die Folge: Wo bisher um 8 Uhr die Tagesschau zu sehen war, wird plötzlich gähnende Leere herrschen. Jedes Gerät – ob TV-Gerät oder Videorecorder – muss neu gestartet werden, so empfehlen es Fachhändler. Glücklich, wer ein Gerät besitzt, das sich selbst die Sender wählt. Andere müssen die Kanäle neu belegen. Manches ältere Gerät allerdings dürfte für den Wandel überhaupt nicht gerüstet sein. Um den Frust beim Umstellen des TV-Geräts möglichst gering zu halten, hat der Netzbetreiber Kabel NRW eine Info-Hotline (Tel. 0800 30 00 565) eingerichtet, mit Fahrrädern bestückte Helfer vor Ort sollen beim Programmieren des Fernsehers helfen. Flü .Frequenztechnische Erweiterung Zauberwort Rückkanalfähigkeit VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 5. 01 – Um weitere TV-Programme, Breitband-Internet, Telefonie und persönliche Video-Programme anbieten zu können, muss das Kabelnetz frequenztechnisch erweitert werden. TV-Kabelnetze sind derzeit nur für Frequenzen bis 450 MHz ausgelegt. Zu Deutsch: Bei 46 herkömmlichen TV-Kanälen (analog und digital) ist Schluss. Mit dem Ausbau der Kabelnetze steigt die Frequenz auf 862 MHz, 49 weitere Kanäle kommen hinzu. Damit Daten künftig in zwei Richtungen gesendet werden können, wird das Kabelnetz bidirektional ausgebaut. Über einen dieser Kabelkanäle können Informationen mit bis zu 38 Mbit/s fließen für Endkunden bedeutet das flotteres Internetsurfen als über ISDN (64 kbit/s) oder ADSL (768 – 1024 kbit/s). Neben Highspeed-Internet bleibt im modernisierten Kabel auch Platz für Telefonie auf Basis des Internet-Protokolls (Voice-over-IP). Durch die hohe Bandbreite und Rückkanalfähigkeit des neuen Kabelnetzes sind erstmals auch individuelle Videoangebote in TV-Qualität möglich. Durch die Installation von dezentralen Videoservern könnte der Besuch einer Videothek überflüssig werden. flü

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