Medien 09.04.2004, 18:29 Uhr

Kabel Deutschland will Digital-TV massentauglich machen

VDI nachrichten, Düsseldorf/Usingen, 8. 4. 04 – Es sei kein Aprilscherz, betonte Roland Steindorf, CEO der Kabel Deutschland. Mutig hatte er ausgerechnet den 1. April gewählt, um der Presse einen Vorgeschmack auf die neuen digitalen Programmpakete zu geben, die ab Mai in 13 Bundesländern verbreitet werden sollen. Mit einer günstigen Settop-Box und attraktiven Einstiegsangeboten sollen Kunden bald für zusätzliche Sender in besserer Bild- und Tonqualität erwärmt werden.

Die Zeit scheint ein wenig still zu stehen in Usingen. In dem Örtchen nahe Frankfurt/Main weisen Schilder nicht zum modernen Playout-Center von Kabel Deutschland (KDG), sondern zur „Erdfunkstelle“, die früher einmal von Vorgänger Telekom betrieben wurde. Von hier aus will das Nachfolgeunternehmen des ehemaligen Monopolisten in 13 Bundesländern ab Mai digitale Programmpakete im TV-Kabel verteilen. Manuel Cubero, Vice President Digital TV der KDG, drückte symbolisch auf den Startknopf, um die neuen Inhalte sichtbar zu machen.
„Wir wollen den Zukunftsmarkt Digital TV in einer Führungsrolle entwickeln“, so KDG-Chef Roland Steindorf. Dabei wolle das Unternehmen, das 10 Mio. angeschlossene Wohneinheiten als Betreiber der Zuführungsebene (Netzebene 3) versorgt und davon 3,5 Mio. Kunden direkt mit Kabelfernsehen beliefert, ausschließlich als Programmvermarkter und nicht selbst als Programmveranstalter auftreten. „Die neuen Angebote sollen für den Konsumenten zuverlässig, einfach und günstig gestaltet werden. Dies wollen wir leisten“, sagte Steindorf in Usingen.
Nach den Plänen des größten deutschen Kabelnetzbetreibers, hinter dem ein Finanzkonsortium aus Apax Partners, Goldman Sachs und Providence Equity steht, können Kunden im Frühling verschiedene neue Digitalprogramme wie den Entertainment-Channel, Fashion TV, Motors, sowie den Sci-Fi Channel, den Doku-Kanal Planet sowie Spielfilme auf Abruf von Warner/Kinowelt oder 13th Street in einem gemeinsamen Paket abonnieren („Kabel Digital Basic Plus“). Ein weiteres Paket („Kabel Digital Basic“) beinhaltet das Premiere-Startangebot und das Audio-Bouquet von Xtra Music. Dabei nutzt die KDG das bereits digitalisierte Spektrum im vorhandenen TV-Kabelnetz, eine Aufrüstung der Kopfstationen erfolge zunächst nicht, bekräftigte Manuel Cubero.
Für den Empfang und die Entschlüsselung der digitalen Signale benötigen Kunden eine Settop-Box, die über Handelsketten wie Electronic Partner vertrieben wird, und eine Smartcard, die Kabel Deutschland nach der Anmeldung an den Kunden verschickt. Ob Interessenten dann tatsächlich in die digitale Fernsehwelt mit besserem Bild und Ton einsteigen können, hängt jedoch davon ab, ob der Vermieter mitspielt und in welchem Zustand die Hausverkabelung ist. Noch im Kaufhaus solle so weit wie möglich geprüft werden, ob das Angebot für den jeweiligen Kunden in Frage komme, erklärte Cubero.
Die erste Box, die von der KDG mit einem eigens entwickelten Zertifikat mit dem Verschlüsselungssystem Nagra auf den Markt kommen wird, ist ein Modell vom englischen Hersteller Pace, das voraussichtlich 99 € kostet.
In der Einführungsphase entfalle das Freischaltentgelt von 14,50 €, kündigte Cubero an. Für die neuen Programme zahlen Kunden zunächst 7 €, für fremdsprachige Kanäle müssen die Kunden zum Teil tiefer in die Tasche greifen, „Kabel Digital Türkisch Premium“ schlägt beispielsweise mit 22 € zu Buche. In einer weiteren Phase sollen im Herbst neue Angebote hinzukommen.
„Wir stehen in Verhandlungen mit mehr als 100 Inhaltepartnern“, erklärte Manuel Cubero. Erst in letzter Minute, noch am Morgen der Veranstaltung, hatte sich die KDG nach langwierigen Verhandlungen mit ARD und ZDF über die Einspeisung ihrer digitalen Angebote geeinigt. Diese Angebote können auch ohne Pace-Box empfangen werden. Die Privatsendergruppen um RTL und ProSieben/Sat1 sind allerdings noch nicht mit im KDG-Boot, und auch mit den kleineren Kabelnetzbetreibern der Netzebene 4 wird noch beraten.
Die Branche schaut gespannt auf das Vorgehen des Telekom-Nachfolgers, der mit dem Kauf der restlichen Kabelregionen in NRW (Ish), Hessen (Iesy) und Baden-Württemberg (Kabel BW) möglicherweise zum Quasi-Monopolisten wird und mit seiner Macht die Entwicklung des Marktes wesentlich mit beeinflusst.
Mit Interesse wurde deshalb die Ankündigung der KDG aufgenommen, langfristig auch den Software-Standard MHP zu unterstützen. Der HTML-Browser, mit dem die Pace-Box ausgestattet ist, könne bereits einige MHP-Anwendungen abbilden, so Cubero. Möglich sei damit beispielsweise ein digitaler Teletext mit Zusatzinformationen zu laufenden Sendungen.
„Kabel Deutschland will ein klares Aufbruchsignal für die Einführung des neuen digitalen Kabelfernsehens und den Markt der digitalen Endgeräte setzen“, sagte Cubero. Von der analogen Welt wird sich Betreiber KDG jedoch noch nicht so schnell verabschieden. „Wir machen so lange noch analoges Fernsehen weiter, bis sich alle Marktpartner für die Digitalisierung zusammenschließen“, kündigte Roland Steindorf an. SIMONE ZELL
www.kabeldeutschland.de

Von Simone Zell

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