Medien 19.12.2008, 19:38 Uhr

Kabbeleien ums Kabel verzögern Digitalisierung

Das Image des Kabelanschlusses ist beschädigt. Zu teuer, zu umständlich und nicht leistungsfähig genug – das sind die Argumente der Kritiker, mit denen sich die Netzbetreiber auseinandersetzen müssen. Die Anschlusszahlen wachsen kaum noch, Satellit und DVB-T sind billiger. Bei der Digitalisierung ist das Kabel Schlusslicht, Kabelkunden wollen keine Settop-Boxen.

Offizielle Verhandlungen wie beim Analog-Digital-Umstieg in der Terrestrik gab es bislang noch nicht. Leicht dürften die auch nicht werden, denn die kommerziellen Programmveranstalter wollen keinen Zuschauer verlieren. Und das täten sie. Zwar sind schon jetzt 66 % der knapp 16 Mio. Satellitenhaushalte digitalisiert, doch nutzt der Rest weiterhin den nahezu 20 Jahre alten Analogempfang. „Wenn wir den abschalten, darf sich das in der Reichweite nicht bemerkbar machen, alle Haushalte müssen sich vorher eine digitale Settop-Box angeschafft haben“, gibt Jost zu bedenken.

Dazu dürften die bislang praktizierten Marketing-Maßnahmen freilich nicht ausreichen. „Eventuell müssen wir den Zeitrahmen auch um ein oder zwei Jahre ausdehnen“, so die neuesten Überlegungen des ARD-Strategen. Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, ist weniger zimperlich. „Sie brauchen so etwas nicht zwei Jahre vorher zu kommunizieren, dann passiert gar nichts. Es muss nur rechtzeitig sein, bevor die analogen Programme abgeschaltet werden.“

Ganz abgeneigt sind die privaten Anbieter indes nicht. „Wir könnten uns schon vorstellen, da mitzuziehen, aber die Einspeiseproblematik in die Kabelnetze muss noch gelöst werden“, erklärt Sebastian Artymiak, Referent Medientechnologie beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien, kurz VPRT. Schließlich würden Tausende von Kopfstellen mit Satellitensignalen versorgt.

Allein Kabel Deutschland dürfte rund 800 betreiben. Der Aufwand zur Versorgung der Kabelhaushalte ist entsprechend groß – und für die Broadcaster auch teuer. So dürfte ein analoger Transponder bei SES Astra bis 5 Mio. € kosten – pro Jahr. ARD und ZDF betreiben insgesamt 14, private Anbieter nutzen 26. „Selbst wenn wir alle Erstgeräte digital versorgen können, bleiben viele Haushalte mit analogen Zweit- oder Drittgeräten“, gibt sich Thomas Wrede, Vice-President von SES Astra, besorgt. „Wir können da gar nicht so einfach abschalten, von der Einspeiseproblematik in die Kabelnetze ganz zu schweigen.“

Und da klemmt es. Zumindest, wenn man sich die Zahlen ansieht. Gerade mal jeder fünfte Kabelhaushalt hat eine digitale Settop-Box oder nutzt einen entsprechend ausgestatteten Fernseher. Alle anderen sind mit der analogen Technik sehr zufrieden. Die Fernsehgeräte können Plug&Play, brauchen keine Settop-Box, bieten genügend Programme in guter Qualität und kennen keine zweite Fernbedienung. Da fallen Träumereien vom Digitalfernsehen nicht leicht.

Noch mehr Programme, noch bessere Qualität bis hin zu HDTV, Spezialdienste wie Pay-TV oder Bestellfernsehen treffen wohl nicht die Bedürfnisse der Mehrheit, schon gar nicht in heutigen Zeiten von Internet & Co.

Trotzdem dürfte es sich für die Programmanbieter lohnen, hier Geld einzusparen. Etwa 3,5 Mio. € müssen die nämlich nach Insider-Informationen pro Programm an die Betreiber der Netzebene 3 zahlen, nämlich an Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel Baden-Württemberg. Der Löwenanteil geht an die KDG – schließlich werden 9 Mio. Kunden versorgt. Bei Unity sind es 4,7 Mio. und bei KBW 2,2 Mio Haushalte. Die digitale Einspeisung ist billiger, teilweise im Analogpreis enthalten.

Die Aufteilung der Netze ist ein Relikt aus der guten alten Bundespostzeit, wo in den 80er Jahren die Netze aufgebaut wurden und dabei ein Geburtsfehler unbehandelt blieb: die Trennung der Netzebenen. Und die gilt – zumindest theoretisch – bis heute noch. Da hört die Domäne der NE3-Betreiber im Keller am sog. Hausübergabepunkt auf, an dem sich die Netzebene 4 mit der Hausverteilung anschließt.

Doch auch hier hat der Konzentrationsprozess seine Opfer gefordert – viele kleine Netzbetreiber haben ihre Netze verkauft, deren neue Besitzer sich von der NE3 abkoppelten und eigene Kopfstellen errichteten. Doch Einspeisegebühren von den Programmanbietern gibt es nicht, auch wenn die gleichen Leistungen erbracht werden wie bei der klassischen NE3. „Die können ihre Forderungen gegenüber ARD, ZDF und den anderen Anbietern nicht durchsetzen. Und auf die Hauptprogramme verzichten kann kein Kabelnetzbetreiber“, so Ralf Heublein, Geschäftsführer der ANGA (Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber).

Überhaupt ist Heublein der Ansicht, dass nicht das Kabel digitalmäßig zurückgeblieben ist, sondern die Nutzer sind es, die nur schwer für das digitale Fernsehen zu begeistern seien. „Da läuft die Vermarktung von Triple Play besser, denn Internet und Flat-Rate-Telefonie in bester Qualität sind Punkte, die leichter überzeugen.“ Zudem habe das Kabel erst seit Anfang 2006 die gleichen Bedingungen wie der Satellit, denn erst dann ließen sich die großen Senderfamilien digital aufschalten. „Aber mit den flachen Bildschirmen, HDTV-Angeboten, Pay-TV und DVRs wird auch die digitale Technik zunehmend genutzt“, so Heublein.

Ob allerdings die Kabelnutzer HDTV werden sehen können, ist längst noch nicht geklärt. Zwar werden ARD und ZDF mit Beginn der Leichtathletik-WM im nächsten Sommer (15. bis 23. August) mit HDTV der Hauptprogramme beginnen, die ab Februar 2010 in den Regeldienst übergehen, doch ist längst nicht klar, ob sich auch alle Kabelkunden daran erfreuen können.

„Wir werden den Kabelnetzbetreibern die HD-Programme kostenfrei zur Verfügung stellen, werden aber auch keine Einspeisegebühren zahlen“, heißt es aus der ZDF-Zentrale. „Umsonst werden wir die Weiterverbreitung nicht machen können“, erklärt daraufhin Annette Schumacher, Leiterin Regulierung und Public Affairs bei der KDG. „Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen die Infrastrukturen gleich behandeln.“ RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

heristo aktiengesellschaft-Firmenlogo
heristo aktiengesellschaft Projektleitung Bereich Technik (m/w/d) Siegen
BRUNATA-METRONA GmbH & Co. KG-Firmenlogo
BRUNATA-METRONA GmbH & Co. KG Anlagentechniker Gewerbeimmobilien (m/w/d) Berlin
heristo aktiengesellschaft-Firmenlogo
heristo aktiengesellschaft Projektleitung Bereich Technik (m/w/d) Siegen
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Amtlich anerkannter Sachverständiger (m/w/d) für den Kraftfahrzeugverkehr mit Teilbefugnissen (aaSmT) bundesweit
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Diplomingenieure (m/w/d) zur Verwendung als Sachbearbeiter im polizeitechnischen Bereich bundesweit
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Schießstandsachverständiger der Bundespolizei (m/w/d) verschiedene Einsatzorte
HLB Hessenbahn GmbH-Firmenlogo
HLB Hessenbahn GmbH Projektleiter (w/m/d) Wiesbaden
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR FERTIGUNGSTECHNIK UND ANGEWANDTE MATERIALFORSCHUNG IFAM-Firmenlogo
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR FERTIGUNGSTECHNIK UND ANGEWANDTE MATERIALFORSCHUNG IFAM Projektmanager*in Wirtschaftsingenieurwesen / Produktionstechnik / Maschinenbau / Elektrotechnik Wolfsburg
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Fachreferent Werkstofftechnik (m/w/d) Biberach
Progressive-Firmenlogo
Progressive Software-Entwickler SPS Schwerpunkt Antriebstechnik (m/w/d) Rems-Murr-Kreis

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.