Medien 25.03.2005, 18:37 Uhr

Jules Verne, Technik-Freak im 19. Jahrhundert  

Gern gelesen werden die Zukunftsromane des Jules Verne noch heute, obwohl manch Technisches eher romantisch verklärend erscheint. Dennoch, ein aktuelles multimediales Ereignis mit Radio- und TV-Sendungen, Ausstellungen, Tagungen und neuen Büchern sind die Veranstaltungen rund um den 100. Todestag am 24. März.

Noch zu seinen Lebzeiten brachte die gekonnte Mischung aus Spannung, Technik und Humor dem Autor Jules Verne eine große Leserschaft. Selbst heute noch, in einer an medialen Reizen übersättigten Zeit, findet er seine Liebhaber. Fanclubs in aller Herren Länder pflegen einen Werk- und Dichterkult ganz zeitgemäß im Internet, als wäre Verne nicht schon seit hundert Jahren tot.

In der heutigen Zeit weltumspannender Kommunikation und umfassender Verfügbarkeit von Information muten manche seiner literarischen technischen Phantasien schon ein bisschen rührend an. Allemal trifft das zu auf die Mondfahrt, denn Kanonen als Startrampen waren auch mit dem Wissen seiner Zeit eher ein Kuriosum.

Trotzdem zeigten selbst hier einige technische Ideen Vernes visionäre Kraft: Während damals noch andere Autoren ihre Helden mit langen Leitern oder Vogelschwingen zum Monde schickten, setzte er doch auf eine chemische Reaktion als treibende Kraft und er ließ seine Reisenden nicht auf der Kugel reiten gleich dem Baron Münchhausen, sondern setzte sie hinein – in eine Art Raumkapsel.

Im 1870 veröffentlichten Roman „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ denkt Verne fast modern in technischen Systemen. Das Unterseeboot des Kapitäns Nemo ist ein völlig autarkes Maschinenwesen, mit dem der Sonderling samt Mannschaft eingekapselt in seiner Kunstwelt lebt, ohne in Kontakt zur Menschenwelt treten zu müssen: Alles, was Schiff und Besatzung brauchen, entziehen sie dem Meer als perfektem Refugium.

Was aber machte den „sehr merkwürdigen Jules Verne“, wie ein Dichterkollege ihn nannte, zum herausragenden Utopisten seiner Zeit? Neben einer tüchtigen Portion Technikbegeisterung ist es eine Mischung aus pedantischer Faktenklauberei und dilettantischer Art des Umgangs mit dem technischen Wissen seiner Zeit. Verne durchforstete die Fachmagazine und legte ein Zettelarchiv mit mehr als 20 000 Einträgen an. Das ist der Fundus, aus dem er unentwegt schöpfte: nicht immer mit tiefem Verständnis der Sache, aber fast immer mit vollem Erfolg. Wegen dieser Methodik gilt er gelegentlich nicht nur als Vater der Science Fiction, sondern auch als Vorläufer der Futurologie. Mit etwas gutem Willen lässt sich in dieser Art des Extrahierens, Archivierens und Extrapolierens durchaus prototypisch eine gängige Methode der Zukunftsforschung erkennen.

Jules Vernes Leben war nicht annähernd so aufregend wie seine Abenteuer- und Reiseromane. Weder als Bühnenautor noch als Börsenmakler hatte er viel Erfolg. Der kam erst, als der Verleger Pierre-Jules Hetzel ihn entdeckte und ihn 1866 im Vorwort zu „Reisen und Abenteuer des Kapitän Hatteras“ auf ein zukünftiges Programm festlegte: „In der Tat besteht seine Absicht darin, alle geographischen, geologischen, physikalischen, astronomischen Kenntnisse, die die moderne Wissenschaft anhäuft, zusammenzufassen und in der ihm eigenen anziehenden und malerischen Art die Geschichte des Universums neu zu schreiben.“

Nicht nur das Bürgertum goutierte Vernes technisches Märchen. Wie Ausleih-Listen von Arbeiterbüchereien zeigen, versenkte sich auch die werktätige Klasse lieber in Verne als in Bebel oder Schiller. Denn vor allem war Jules Verne Geschichtenerzähler. Sein Überschwang für Technik ließ ihn nicht zum Prediger werden.

Fünf Romane hinterließ er bei seinem Tod, die sein Sohn Michel nicht gerade zaghaft bearbeitete. Als Michel Jules Verne vermarktete er das Werk seines Vaters bis 1919. EUS/REG/Käm

Jules Verne, Biographie. Von Volker Dehs. Verlag Artemis & Winkler. 547 S., 35 s/w-Abb.. 29,90 €.

Jules Verne – Stimmen und Deutungen zu seinem Werk. Hrsg.: V. Dehs, R. Junkerjürgen. Schriftenreihe und Materialien der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, Band 75. 373 Seiten, A5. 18 €.

 

Jules Verne

8. Feb. 1828: Jules Verne kommt in Nantes zur Welt.

1848: Sein Jurastudium  (auf Wunsch des Vaters) setzt er in Paris fort. Er hat Interesse fürs Theater und schreibt Dramen.

12. Juni 1850: Sein erstes Stück wird aufgeführt am Théatre Historique. Dort arbeitet er auch als Sekretär.

1856: Jules Verne wird Börsenmakler und heiratet eine Witwe aus Amiens.

1863: Über den Verleger Hetzel beginnt der Erfolg mit technisch inspirierten Abenteuerromanen in der Reihe Voyages Extraordinaires.

1871: Die Familie zieht nach Amiens.

1888: Wahl zum Stadtrat in Amiens.

1905: Jules Verne stirbt am 24. März an Diabetes. BEUS

 

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