Medien 22.06.2007, 19:28 Uhr

Journalistische Qualität ist Marktfaktor  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 6. 07, jdb/rb – Die Medienbranche und die Politik entdecken den Qualitätsjournalismus neu. Nicht mehr als Kostenfaktor, sondern als Differenzierungsmöglichkeit im unübersichtlicher werdenden digitalen Medienmarkt. Das war eine der überraschenden Botschaften zum Auftakt des 19. Kölner Medienforums.

Jürgen Rüttgers ist überzeugt: „Was wir über die Wirklichkeit wissen, wissen wir über Medien“, unterstrich der NRW-Ministerpräsident zur Eröffnung des 19. Kölner Medienforums die Rolle der Medien in unserer komplexer werdenden Welt. „Wissen ist heute ein Produktionsfaktor, wichtiger noch als Arbeit und Boden, vielleicht auch wichtiger als Kapital“, so Rüttgers. Damit verändere sich die Arbeitswelt, das Privatleben der Menschen und die Kultur.

Denn einher mit dem Wandel zur Wissensgesellschaft geht für Rüttgers auch der Wandel in der Medienwelt – zusammengefasst unter dem großen Schlagwort „Digitalisierung“. Er mahnte: „Für das digitale Zeitalter braucht es neue Spielregeln. Medienpolitik heißt Regulierung, aber auch die Kreativität muss sich entfalten können.“ Politik habe die Rahmenbedingungen zu setzen, unter denen sich Qualität und Meinungsvielfalt in den Medien entwickeln können. Es gehe in der Medienbranche immer auch um Kultur und nicht nur rein ums Wirtschaftliche.

Meinungsvielfalt bedeute für ihn aber auch, so Rüttgers, dass jeder freien Zugang zum Markt habe. So zeigte er ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am darauffolgenden Tag großes Verständnis für Zeitungsverleger, die ihre Inhalte crossmedial verteilen wollen.

In der anschließenden, hochkarätig besetzten Diskussionsrunde zu wichtigen Fernsehthemen fühlte sich denn auch WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach sichtlich wohl: „Wir sehen uns heute als Manufaktur für Journalismus. Der Weg zu unserem Nutzer ist dabei zweitrangig. Da zählt dann auch TV dazu.“ Als sterbende Branche sehe sich die Zeitungslandschaft nicht: „Wir haben durch journalistische Qualität Auflagenrückgänge, die wir als unvermeidlich ansahen, gestoppt und teilweise wieder zulegen können.“

Das passte bestens zu Rüttgers Forderung, journalistische Qualität in allen Medien nicht dem reinen Kostendenken zu opfern: „Nur Qualität sichert den Erfolg in einer digitalen Welt.“ Das setze voraus , dass z. B. auch im Internet die Grenze zwischen Redaktion und Werbung strikt eingehalten werde. Und Rüttgers appellierte an die journalistische Verantwortung: „Es darf nicht jede Nachrichtenmücke zum Sensationselefanten aufgeblasen werden.“

Gerade das Internet hat sich als Verbreitungsmedium für so genannten User Generated Content etabliert und bietet damit auch den etablierten Fernsehanbietern Konkurrenz. WDR-Intendantin Monika Piel verärgert: „Wenn wir Inhalte aus unseren Sendungen aus Urheberrechtsgründen nicht im Internet zur Zweitverwertung anbieten können, sie dann aber auf Youtube flimmern, ist das schon ein Ärgernis.“

Auch RTL-Chefin Anke Schäferkordt sieht das Internet als Langfristchance, denn derzeit werde da wirklich noch kein Geld verdient. Aber es zeige sich, dass es für die Anbieter hochwertiger Inhalte immer wichtiger werde, diese vor Piraterie und unerlaubter Weiterverbreitung auch online zu schützen.

Sie beklagte, dass die geplante verschlüsselte Satellitenplattform Entavio von SES Astra durch falsche Kommunikation diskreditiert sei. Man habe den Fehler gemacht, die Verschlüsselung nur unter dem Gesichtspunkt zusätzlicher Gebühren zu sehen. „Dabei hat auch der Fernsehzuschauer etwas davon, denn nur verschlüsselt werden wir bestimmte Senderechte erhalten.“ Als Beispiel führte sie den öffentlich-rechtlichen ORF an, der ebenfalls verschlüsselt, um die regionale Abgrenzung auf Österreich und damit günstigere Rechtekosten zu erreichen.

Ein Argument, dem Piel erwartungsgemäß nicht folgen möchte. Deutschlands öffentlich-rechtliche Programme wollen bekanntermaßen von Verschlüsselung nichts wissen. Piel forderte vehement, auch künftig auf allen Settop-Boxen auch freien Empfang zu ermöglichen. Was ihr SES-Chef Ferdinand Kayser für die künftigen Entavio-Boxen umgehend zusicherte.

Premiere-Chef Georg Kofler, der mit Premiere-Sky die ersten Angebote auf Entavio präsentieren will, argumentierte: Mit dieser Plattform sei es endlich möglich, Spartensender, die bisher nur im (verschlüsselten) Kabel zu finden seien, auch über Satellit anzubieten. Herbert Kloiber, Geschäftsführer der Tele München Gruppe, sieht einen Trend hin zu spezialisierten Spartensendern. Das geht weniger zugunsten der Öffentlich-Rechtlichen, als vielmehr auf Kosten der kleinen Privatsender mit wenig spezialisiertem Angebot.

Und wie verhält es sich mit dem User Generated Content als Nischenprodukt? Das lehnt WDR-Intendantin Piel rundheraus ab: „Es muss auch verlässliche Informationen geben“, begründet sie, warum sie auch im lokalen Umfeld keine Nachricht ohne zusätzliche Recherche veröffentlichen will.

Bodo Hombach sieht im User Generated Content sogar große Gefahren, denn auch böswillige Falschinformationen fänden so ihren Weg ins Netz. „Und da hat die Medienaufsicht überhaupt keinen Zugriff! Es muss ein Journalist auswählen, Relevanz aufzeigen, die Übersicht behalten. Glaubwürdigkeit und Qualität sind marktrelevante Größen.“ JENS D. BILLERBECK

 

Von Jens D. Billerbeck

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