Medien 17.10.2008, 19:37 Uhr

Japan bereitet sich auf das Ende des analogen TV vor  

Die Ceatec, die „Combined Exhibition of Advanced Technologies“, in der Nähe Tokios. In diesem Jahr widmete sie sich der bevorstehenden Abschaltung der analogen TV-Ausstrahlung und der Frage, was mit den freiwerdenden Frequenzen passiert. Themen, die irgendwann auch für den deutschen TV-Markt akut werden.

Japan – du hast es besser. Das zumindest sagen Technikfreaks, wenn sie die Ceatec, die „Com- bined Exhibition of Advanced Technologies“ besuchen. Acht Messehallen, alle unter einem gigantischen Dach, bieten so ziemlich alles, was die japanische und Teile der internationalen Industrie so in Sachen Consumer- und sonstiger Elektronik anzubieten haben. Dieses Mal besonders exponiert präsentierte sich die japanische Fernsehanstalt NHK (Nippon Hoso Kyokai) zusammen mit JEITA, der „Japan Electronics and Information Technology Industries Association“.

Dabei stand ein Datum im Mittelpunkt – der 24. Juli 2011. An diesem Tag soll das Ende des analogen Fernsehens besiegelt sein. So will es ein dann zehn Jahre altes Gesetz. Es werden dabei nicht alle analogen Kanäle auf einmal schwarz, sondern der Prozess erstreckt über gut drei Wochen.

Ohne Fernseher mit digital-terrestrischem Tuner – gehört seit Jahren zur Regelausstattung – ist Antennenfernsehen danach nicht zu empfangen. Und Digitaltuner heißt automatisch hochauflösende HD-Tuner. SD-Settop-Boxen gibt es nicht, denn HD ist nichts Spezielles, sondern nur ein weiterer Baustein auf dem Weg der evolutionären Bildverbesserung und wird in einigen Jahren die Regel und eben keine Ausnahme sein.

Übrigens startete der Regelbetrieb des Digital-Broadcasting via Satellit in Japan bereits am 1. Dezember 2000. Auch diese Versorgungsart soll ab 25. Juli 2011 ohne ihre analogen Wegbereiter auskommen. Analoges HD gibt es bereits seit dem 30. September 2007 nicht mehr – das MUSE-System wurde auf Regierungsgeheiß abgeschaltet.

Im Kabel sind die Sitten lockerer, da dürfen die Netzbetreiber offiziell frei zwischen analog und digital wählen. Wollen sie aber nicht, erklärt Kou Chiba von der JCTA, der Japan Cable and Telecommunications Association. „Auch wir werden uns an dieses Datum halten“ – und die Konsumenten nicht unnötig irritieren.

Das gemeinsame Vorgehen hat sich bewährt – angeblich sollen über 80 % der Bevölkerung bereits über den analogen Countdown informiert sein. Geräte für die „altmodische Technik“ dürfen schon seit Jahren nicht mehr ohne Warnaufkleber verkauft werden. Und im Handel sind keine mehr zu finden.

Die Vorbereitung der digitalen Umstellung ist recht teuer, mussten dazu doch nahezu alle analogen Frequenzen verschoben werden. Japans Regierung hat sich an dieser Umsetzung mit 180 Mrd. Yen beteiligt, NHK soll 400 Mrd. Yen aufgebracht haben und die sechs privaten Broadcaster sind mit 800 Mrd. Yen dabei. Das hängt mit der Zahl der Umsetzer zusammen, die alle auf neue Frequenzen getrimmt werden mussten. Da kein Zuschauer bei der Umstellung verloren gehen soll, wanderte eine Heerschar von Technikern von Wohnung zu Wohnung, um bei allen Fernsehern und Videorecordern die – analogen – Tuner neu einzustellen.

Mit der Aufgabe der analogen Terrestrik werden gewaltige Frequenzressourcen frei – 70 MHz im VHF-Bereich (Kanal 1 bis 12) und 300 MHz im UHF-Bereich (Kanal 13 bis 62). Die Frage der digitalen Dividende ist noch nicht geklärt. Also, was soll mit den Frequenzen geschehen? Weggeben an die Mobilfunker kommt für die Broadcaster wohl nicht in Frage. So hat NHK interessante Lösungen entwickelt und sie auf der Ceatec präsentiert – abgeleitet aus dem derzeitigen digitalen terrestrischen Fernsehen, ISDB-T (Integrated Services Digital Broadcasting – Terrestrial).

Dieses digitale Pendant zur analogen Grundversorgung wurde am 1. Dezember 2003 schrittweise eingeführt und steht inzwischen nahezu flächendeckend zur Verfügung. Die digitalen Daten werden dabei segmentiert übertragen: Ein 6-MHz-Kanal ist in 13 Segmente unterteilt. Zwölf davon sind bei einer Datenrate von bis zu 23,2 Mbit/s für ein HDTV-Signal oder drei SDTV-Bilder vorgesehen.

Das verbleibende 13. Segment wird mit seinen 630 Mbit/s für mobilen bzw. portablen Empfang genutzt. Jedes bessere Handy ist heute ein „One-Seg-Mobile“ (1Seg) – und das Interesse am Unterwegsfernsehen ist ungebrochen – schätzungsweise 30 Mio. Japaner dürften die Technik jetzt nutzen, die im April 2006 eingeführt wurde.

NHK und private Broadcaster sowie viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen haben auf der Ceatec aber auch alternative Nutzungsmöglichkeiten der frei werdenden Frequenzen vorgestellt – und zugleich deren mögliche Akzeptanz getestet.

Recht zukunftsträchtig scheint ein Streaming-Verfahren, für das zweieinhalb 6-MHz-Kanäle mit insgesamt rund 14,5 MHz Bandbreite eingesetzt werden sollen. „Dann könnten“, so Masao Yamamoto von NHKs Technical Department „während des Schlafs gewünschte Filme aufs Mobiltelefon überspielt werden.“ Ob und was dieser Service kosten könnte, steht noch nicht fest.

Das gezeigte Szenario scheint hoch interessant, setzt es doch auf der Idee des Home-Server-basierten Broadcasting auf. Hier werden besondere Internet-Settop-Boxen mit großen Festplatten bespielt. Auch in diesem Fall arbeitet NHK mit privaten Anbietern sowie Geräteherstellern zusammen. Die aufgezeichneten Beiträge stehen nicht nur als TV-Produkt zur Verfügung, sondern auch mit zusätzlichen Textfiles – zum Nachlesen. Weitere Techniken sind Data-Broadcasting von programmbezogenen Informationen, Nachrichten sowie Statistiken und Analysen aus dem Sportbereich.

NHK möchte einen Teil der zusätzlichen freien Frequenzen auch für die Erdbebenwarnung (Broadcasting Earthquake Early Warnings) einsetzen. Werden Ausläufer eines Erdbebens erkannt, generiert ein Computer der Meteorologen eine Erdbebenwarnung, die dann durch Broadcastfrequenzen terrestrisch abgestrahlt wird. In max. 20 s soll die Warnung in den betroffenen Gebieten angekommen sein, Fernseher, Radios und Handys würden sich automatisch in der betroffenen Region einschalten und automatisch den Computertext anzeigen und vorlesen.

Spannend auch die Möglichkeit, nicht nur mit einem, sondern mit allen 13 Segmenten unterwegs zu sein. Mobile Empfänger – auch als Navigationsgeräte – mit einem 10-Zoll-Display mit 800 x 400-Auflösung sollen das komplette Signal empfangen, und damit auch Quasi-HDTV-Bilder auf kleinen Bildschirmen ermöglichen. „Die Leute sind durch die PC-Arbeit einen kleinen Betrachtungsabstand gewohnt. Und wollen dann eine hohe Bildqualität. Die kann aber mit der für kleine Geräte ausgelegten 1Seg-Technik nicht erreicht werden“, so Yamamoto.

Mit ISDB-T können derzeit in Tokio und Umgebung bis zu sieben Programme gesehen werden, nämlich: NHK General TV, NHK Educational TV, Nippon TV, TBS (Tokyo Broadcasting Station), FujiTV, TV Asahi und TV Tokyo. In vielen der insgesamt 47 Präfekturen Japans sieht es anders aus, und in sehr ländlichen Regionen können auch mal nur die beiden NHK- sowie zwei kommerzielle Programme terrestrisch zu empfangen sein. Kleinere Sender sind derzeit dabei, ihre Sendeeinrichtungen im Zuge der Digitalisierung zusammenzulegen.

Die Versorgung der 48 Mio. japanischen Haushalte kommt jedenfalls gut in Schwung – 43 % hatten schon Ende vergangenen Jahres mindestens einen entsprechenden Fernseher – oder eine HD-Settop-Box mit Harddisk-Drive, wobei auch der Kopierschutz CPRM (Content Protection for Recordable Media) eingehalten wird. Nur ein Thema fällt aus der ganzen Switch-over-Debatte heraus – Super Hi-Vision. Aber das müsste ja auch erst mal eingeschaltet werden, was aber noch mindestens zehn Jahre dauern dürfte. RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

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