Medien 06.10.2000, 17:26 Uhr

„Irgendwann hat das Publikum keine Lust mehr“

Die zweite Staffel der Reality-Show „Big Brother“ läuft, und die Medienwächter müssen zuschauen. Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Rundfunk (LfR) in Nordrhein-Westfalen, gehört zu den größten Kritikern der Serie.

VDI nachrichten: Vor der zweiten Staffel von „Big Brother“ sind die kritischen Stimmen deutlich leiser geworden. Haben die Medienwächter vor der Quote kapituliert?
Schneider: Nein. Nicht die Medienwächter sind stiller geworden, sondern andere Kritiker, die bereits vor der Ausstrahlung der ersten Staffel das Format der Sendung korrigieren und sogar verbieten wollten. Diese Debatte wurde diesmal nicht geführt. Ich selbst habe in den vergangenen drei Wochen viele öffentliche Äußerungen abgegeben, andere Kollegen ebenfalls.
VDI nachrichten: Welche Folgen ergeben sich aus „Big Brother“ für die deutsche Fernsehlandschaft?
Schneider: Der Trend zu Reality-Formaten ist unverkennbar. Es gibt Nachfolgesendungen wie das „Inselduell“ (Anm.: Sat.1), die realtiv unproblematisch sind. Aber das Absonderlichste haben wir wahrscheinlich noch zu erwarten, und das müssen wir dann im einzelnen bewerten. Ich bin jedoch sicher, dass der Trend dann wieder abflacht, das zeigt die Erfahrung, z.B. bei Talkshows. Irgendwann hat das Publikum einfach keine Lust mehr. Big Brother ist schließlich kommerzielles Fernsehen pur, eine reine Verkaufsveranstaltung – und mal verkauft sich das eine, mal das andere besser.
VDI nachrichten: Denken Sie, dass Informationssendungen auf Dauer durch diese Formate verdrängt werden könnten?
Schneider: Nein, ich glaube nicht, dass durch diese Formate etwas verdrängt wird, was das Publikum auch sonst haben will. Sorge bereiten mir eher die Informationssendungen selbst, denn hier geht die Entwicklung immer mehr zu den „weichen“ Nachrichten. Die „harten“ Nachrichten bleiben dahinter leider immer häufiger zurück.
VDI nachrichten: Aber offensichtlich werden Reality-Formate wie Big Brother von Ihnen auch noch belohnt – jedenfalls ist die Show für den „Deutschen Fernsehpreis“ im Genre Unterhaltung nominiert, der morgen abend von ARD, ZDF, Sat.1 und RTL verliehen wird. Sie sitzen in der zwölfköpfigen Jury…
Schneider: … und ich war dagegen. Ob der Preis also wirklich an Big Brother geht, wollen wir doch mal abwarten. Meine Prognose ist, dass es eher keinen Preis geben wird, sonst hätten wir wirklich ein Problem.
VDI nachrichten: Sie haben angekündigt, die Übertragung aus dem Big Brother-Container, die im digitalen Spartenkanal „Single TV“ fast rund um die Uhr zu sehen ist, genau zu beobachten und – falls nötig – einzuschreiten. Wie soll das in der Praxis funktionieren?
Schneider: Ich sage nicht, dass wir da einschreiten werden, das wird sich herausstellen. Aber wir werden es sorgfältig prüfen. Wir werden hier vor eine neue Programm-Realität gestellt. Mehr als 20 Stunden live – das hat es vorher einfach noch nie gegeben. Aber auch hier gilt: Erst sehen, dann urteilen.
VDI nachrichten: Die neuen technischen Möglichkeiten wie digitale Programm-Bouquets oder Übertragungen ins Internet werfen neue Fragen der Regulierung auf. Welche Befugnisse hat eine Landesmedienanstalt wie die LfR?
Schneider: Für das Internet sind wir nicht zuständig, aber für digitale Angebote, etwa in Programmfragen. Programmaufsicht ist aber eine heikle und komplizierte Angelegenheit. Wir als LfR haben nur ganz bestimmte Bereiche zu prüfen, z. B. die Einhaltung der Menschenwürde. Die steht zwar in der deutschen Verfassung ganz oben, aber daraus einen Beschwerdefall zu machen, ist sehr schwierig. Das haben wir gerade im Fall von Big Brother gelernt.
VDI nachrichten: Wie sollte es mit der Medienkontrolle weitergehen?
Schneider: Ich halte nichts davon, dass diese Kontrolle vom Bundeskartellamt übernommen wird, wie es innerhalb der Länder offenbar überlegt wurde. Medien sind eben keine Ware wie Oberhemden, und das Kartellrecht kümmert sich nur um die Vielfalt der Veranstalter, nicht um die Inhalte.
VDI nachrichten: Es gibt auch Vorschläge, einen so genannten Kommunikationsrat einzurichten, in dem die bisher verteilten Zuständigkeiten in der Medienregulierung gebündelt werden sollen.
Schneider: Ja, dieser Vorschlag kommt immer dann, wenn es darum geht, wie man Medienaufsicht effizienter gestalten könnte. Aber das, was so ein Kommunikationsrat tun würde, machen wir Landesmedienanstalten längst. Und außerdem wird es dann noch eine zusätzliche Instanz geben – ich denke nicht, dass andere Stellen deshalb abgeschafft werden.
VDI nachrichten: Die Forderung nach einem Kommunikationsrat taucht ja immer dann auf, wenn es um eine mögliche Regulierung des Internets geht.
Schneider: Die erste Frage heißt: Muss das Netz reguliert werden? Ich frage: Warum denn nicht? Es gibt Fehlentwicklungen auch im Netz, die reguliert werden müssen. Ich denke da z. B. an die Bereiche Jugendschutz oder Urheberrecht. Aber auch die zunehmende Konzentration ist ein Thema: Warum soll jemand, der 30 bis 40 Mio. Internet-Zugänge kontrolliert, nicht gewisse Auflagen erfüllen? Hier entsteht schließlich auch eine Meinungskonzentration – eine, die wir so im Fernsehen noch nie hatten.
VDI nachrichten: Sicher wissen Sie auch schon, wer diese Regulierung übernehmen könnte.
Schneider: Neue Einrichtungen zu schaffen, die bei null anfangen, finde ich nicht sinnvoll, das wäre vergeudete Kraft. Deshalb sage ich: Was Landesmedienanstalten bisher schon auf dem Feld der Medienaufsicht gemacht haben, können sie auch auf das Internet ausweiten.
Das Gespräch führte Simone Zell

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