Medien 16.11.2007, 19:31 Uhr

IPTV – Zwischen Flop und Fernsehen der Zukunft  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 11. 07, jdb – Das „Fernsehen der Zukunft“ stand auch in diesem Jahr beim größten deutschen Medienkongress „Medientage München“ (7. bis 9. November 2007) ganz oben auf der Agenda. Rund 8000 Besucher diskutierten unter dem Titel „Media Yourself – Wie das Internet Medien und Gesellschaft verändert“ über Internetfernsehen und Videoportale.

Die Erfolgsmeldung aus Bonn kam passend: Pünktlich zu den Medientagen in München verkündete Telekom-Chef René Obermann, dass das Angebot „T-Home Entertain“ seit der IFA im August 50 000 Kunden angelockt habe. Mit IPTV, also Fernsehen via Internet-Protokoll in einer geschlossenen Benutzergruppe, wollte die Deutsche Telekom bereits im vergangenen Jahr bei den Kunden punkten. Doch selbst Premium-Inhalte wie die Fußball-Bundesliga machten im Markt nicht genug Appetit auf das superschnelle VDSL-Netz und seine Anwendungen, die Nutzerzahlen dümpelten dahin.

Mit neuem Marketing – die IPTV-Angebote gibt es nun auch via ADSL2+ und ergänztem Namen „T-Home Entertain“ – soll nun der zweite Anlauf gelingen, bis Ende des Jahres erwarte man „zwischen 100 000 und 200 000 Kunden“, erklärte der Senior Manager Produktmarketing für T-Home, Marc Schwarze, in München. Weitere Preissenkungen werde es jedoch nicht geben, sagte Schwarze. So zahlen Interessenten monatlich mindestens 59,95 €, plus 99,99 € für den Kaufreceiver. Dafür gebe es mehr als 70 TV-Sender in bester Bildqualität, Online-Videothek sowie Telefonie- und DSL-Flatrate, „ein angemessener Preis“, so Schwarze.

Auf der Suche nach Erfolg mit dem „Fernsehen der Zukunft“, wie es IPTV-Verfechter auf den Medientagen gern nannten, ist auch der DSL-Anbieter Hansenet mit „Alice home TV“. Nach viel versprechenden Anläufen in den europäischen Nachbarländern wollen Marketing-Direktor Michele Novelli und der Content-Verantwortliche Torsten Peters 150 deutsche Gemeinden mit 100 TV-Sendern (davon 60 Free- und 40 Pay-TV-Kanäle) und einer Videothek von 1200 Filmen beglücken.

Alice home TV gibt es ab 9,90 € im Monat als Zusatzprodukt für DSL-Komplettkunden, die nötige Empfangsbox kann gemietet werden. Im Gegensatz zur Deutschen Telekom macht Alice noch keine breite Werbung, sondern konzentriert sich zunächst auf Bestandskunden. „Wir wollen keine falschen Begehrlichkeiten wecken“, sagte Novelli mit Blick auf die begrenzte Verbreitung.

Auch ein weiterer Telekom-Konkurrent wagt den Einstieg ins IPTV. Nach einer „gründlichen Marktforschung“, so der Bereichsleiter Onlinedienste Bernd Wirnitzer, startet Arcor in 51 Städten „Arcor Digital TV“. 100 Free- und Pay-TV-Sender und 500 Filme in der Online-Videothek stehen zur Verfügung. „Wir brauchen das Produkt als Mehrwert für den Kunden“, erklärte Wirnitzer.

Im Dickicht der DSL-Flatrates hoffen die Anbieter, mit einem neuen attraktiven Dienst aufzufallen, der gleich einen Rückkanal mitbringt und Funktionen wie zeitversetztes Fernsehen ermöglicht – im Gegensatz zu klassischem TV via Kabel oder Satellit. Auch für die Kabelbranche wäre deshalb IPTV in den ausgebauten Netzbereichen ein interessantes Geschäft, meinen Experten.

Allerdings: Selbst über das Multicast-Verfahren, bei dem die Inhalte an eine Gruppe von Adressen verteilt werden, entstehen hohe Kosten. Viel günstiger wird es, wenn IPTV via „Peer to Peer“ übertragen wird, also jeder Empfänger mit seinem Rechner auch zum Sender wird. Um an die Inhalte zu gelangen, brauchen die User spezielle Software.

Beispiel Zattoo: Der Schweizer Dienst für Internetfernsehen wächst rasant in mehreren Ländern Europas und zählt bereits 1 Mio. Nutzer. Bei dieser Art von Web-TV locken die Anbieter mit Abofreiheit, dafür sieht der Zuschauer Werbung, und die Bilder flimmern in magerer Qualität über den Bildschirm. Dafür benötigen sie weniger Bandbreite, „500 kbit/s reichen“, verspricht Zattoo-Mitgründer Beat Knecht. Zum Vergleich: Um T-Home Entertain zu empfangen, sollten beim Kunden mindestens 5 Mbit/s vorhanden sein. Zattoo, Babelgum, Joost und Co. seien, im Gegensatz zum IPTV in geschlossenen Gruppen, deshalb die Zukunft des Fernsehens, so Knecht.

Deutsche Fernsehsender müssen nun entscheiden, wem sie ihre kostbaren Inhalte anvertrauen. Denn auch offene Videoportale wie Youtube ziehen immer mehr Zuschauer ins Netz. So investierte etwa ProSiebenSat.1 in die Videoplattform Maxdome und das Portal MyVideo, dazu sind die Inhalte der Sendergruppe bei fast allen IPTV-Anbietern eingebunden.

IPTV sei jedoch nur ein neuer Verbreitungsweg und noch kein großes Geschäft, erklärte der Vorstand Diversifikation bei ProSiebenSat.1, Markus Englert. Zattoo und andere neue Dienste sind für ihn kein Thema. „Auf diesen Plattformen haben wir keine Kontrolle, was mit unseren Inhalten und unseren Marken passiert.“

Die zunehmende Zahl von Breitbandanschlüssen könnte IPTV zum Erfolg führen, erwarten Marktforscher. So rechnet die Beratung Goetpartners, München, mit bis zu 10 Mio. IPTV-fähigen Haushalten bis 2010. Sicher scheint, dass nach langen Jahren der Ankündigung nun wirklich TV und Internet zusammenkommen. Bei den Medientagen kündigte sich an, worüber die Branche wohl im kommenden Jahr redet: Hybrid TV mit Internet und TV über ein Empfangsgerät.

SIMONE FASSE

Von Simone Fasse

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