Medien 02.09.2005, 18:40 Uhr

Intime Geständnisse stehen woanders  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 9. 05 – Für Internetfans sind Weblogs nichts Neues. Aber dass Mitarbeiter solche Online-Tagebücher auf offiziellen Webseiten von Unternehmen führen, ist eine neue Entwicklung in Deutschland.

Frank Fischer ist so etwas wie ein Pionier, auch wenn er sich selbst wohl gar nicht so sieht. Der 33-Jährige ist bei Microsoft in Unterschleißheim Teamleiter der Technologieberater, die die deutsche Softwareentwicklergemeinde des Unternehmens betreuen. Anfang 2004 richtete Fischer sein eigenes Weblog auf den Internetseiten seines Arbeitgebers ein, um „Zuhörerfragen aus Vorträgen aufgreifen zu können, die sich nicht ad hoc beantworten ließen“. Fischer gehört damit sicherlich zu den ersten 500 Arbeitnehmern in Deutschland, die unter der offiziellen Flagge ihres Arbeitgebers Informationen im Internet veröffentlichen – ohne Kontrolle durch Marketing- oder PR-Abteilungen.

Vor allem amerikanische IT-Unternehmen haben in den vergangenen Jahren solche Weblogs (oder kurz: Blogs) als Mittel der Kundenansprache für sich entdeckt. Mehr als hundert Online-Tagebücher von US-Unternehmen zählte die „Los Angeles Times“ kürzlich, darunter von IBM, Microsoft und Sun Microsystems, aber auch von General Motors. Und während Marketing- und PR-Fachleute noch darüber grübeln, wie sich Blogs für die Darstellung eines Unternehmens in der Öffentlichkeit nutzen lassen, schaffen die „Corporate Blogger“ Fakten. Fakten, die teilweise bereits fester Bestandteil der Unternehmenskultur sind.

Manchmal nutzen ganze Unternehmensbereiche ein oder mehrere Tagebücher, manchmal führt auch nur das Topmanagement ein Weblog. So nahmen beispielsweise die Blogs beim Softwareanbieter SAP Mitte 2003 ihren Anfang. Auch der gemeine Mitarbeiter wird in den ersten Unternehmen zum Bloggen ermuntert: So hat IBM kürzlich eine weltweite Richtlinie für seine Mitarbeiter erlassen, die eigene Online-Tagebücher unter der Flagge ihres Arbeitgebers führen wollen – verbunden mit dem ausdrücklichen Aufruf zum Bloggen.

Dabei nahmen Weblogs ihren Anfang bei privaten Internetnutzern: Nach den Anschlägen am 11. September 2001 in New York berichteten Bürger damals in Blogs aus der Stadt und bildeten dadurch die zeitweise einzigen verfügbaren Informationsquellen. Später führte mancher dieser Internetnutzer sein Online-Tagebuch weiter. Entstanden sind Blogs ursprünglich, um Sammlungen von Internet-Links zu kommentieren. Darstellung und Sprache spielten dabei eine untergeordnete Rolle, es ging um die schnelle Informationsvermittlung.

Experten schätzen die Zahl der deutschen Weblogs inzwischen auf 100 000 bis 150 000, in Frankreich auf 2 Mio. und im angelsächsischen Raum auf 5 bis 10 Mio.. Beim weitaus größten Teil davon handelt es sich um private Blogs. Unternehmens-Blogs gibt es dagegen drastisch weniger.

Da das Thema Weblog oft von Unternehmen mit Hauptsitz in den USA angegangen wird, sieht sich manch deutsche Niederlassung unerwartet wieder mit dem Thema private Internetnutzung am Arbeitsplatz konfrontiert. Diese haben viele deutsche Arbeitgeber inzwischen per Betriebsvereinbarung untersagt – nicht zuletzt auch aus haftungsrechtlichen Gründen: Wenn ein Mitarbeiter beispielsweise auf einem Server seines Arbeitgebers rechtlich bedenkliche Informationen öffentlich zur Verfügung stellt, ist auch der Arbeitgeber haftbar. Durch das Blogging holt die Privatnutzung nun unvermittelt wieder die Personal- und IT-Verantwortlichen ein. Wie der Aufruf zum Bloggen – der definitiv in vielen Fällen auch Privates zulässt – mit dem Verbot der privaten Nutzung zu vereinbaren ist, darüber grübelt derzeit mancher Verantwortliche.

Doch wer primär private Plaudereien und die geheimsten Interna in Web-logs vermutet, wird eher enttäuscht werden. Fachinformationen oder die – positive – Darstellung des eigenen Unternehmens nach außen, finden sich im Gros der Tagebücher. Auch Frank Fischer verfolgt mit seinem Online-Tagebuch ein klares Ziel: „Ich will Informationen zu den von mir betreuten Produkten liefern.“ Daher habe er sein Weblog „thematisch sehr stringent, aber in der Wortwahl locker“ angelegt. Acht von zehn Kollegen seines Teams führen ebenfalls ein Weblog auf den Microsoft-Seiten, mehr als 1200 Kollegen sind es weltweit. „Ob im Blog auch Privates steht, ob es auf Deutsch oder Englisch geschrieben ist und wie häufig es aktualisiert wird, liegt in der Hand des Einzelnen“, erläutert Fischer. Rund eine halbe Mio. Zugriffe verzeichnen die offiziellen Blogs aller Microsoft-Mitarbeiter pro Monat.

Natürlich gibt es auch bei Microsoft entsprechende allgemeine Regeln, was man als Blogger darf und was nicht: keine Firmengeheimnisse ausplaudern zum Beispiel, „aber dies ist selbstverständlich“, so Fischer. Daher gebe es Seitens Microsoft lediglich einige Empfehlungen für neue Blogger. Ein bis zwei, vielleicht auch vier Stunden, schätzt Fischer, würden die Mitarbeiter seines Teams jeweils für ihre Weblogs pro Woche an Zeit investieren. „Idealerweise fasst man etwas zusammen, an dem man gerade gearbeitet hat“, sagt der 33-Jährige, das verringere den Aufwand. Dies alles geschieht im Rahmen der offiziellen Arbeitszeit. „Kein Problem, so lange die anderen Aufgaben nicht leiden“, stellt der Softwareexperte klar.

Am meisten schätzt Fischer an der neuen Form der Kommunikation, dass man „sehr schnell reagieren kann und seinen eigenen Standpunkt vertritt“. Ermutigt hat Fischer die Reaktion eines Lesers: Ein ausgewiesener Microsoft-Kritiker habe die Ausführungen in Fischers Weblog zu einem technischen Problem für ¿sehr neutral“ befunden und daraufhin geschrieben, dass er seine bisher ablehnende Haltung in der Angelegenheit nochmals überdenken werde. „Dank Blog ließ sich also der Glaubenskrieg zwischen Microsoft-Gegnern und -Befürwortern in diesem Fall überwinden“, so Fischer, „weil ich als Person für meine Thesen stand und kein anonymes Unternehmen.“ MICHAEL VOGEL

Fachinformationen und der Dialog mit anderen stehen bei der Nutzung hoch im Kurs

Von Michael Vogel

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