Medien 29.06.2001, 17:30 Uhr

Inhalte bald unter Verschluss

Nicht nur bei der Fußball-WM 2002 könnten Fernsehzuschauer, die ihre Programme mit einer so genannten „Free to Air“-Box empfangen, in die Röhre schauen – auch andere Inhalte sind nicht mehr sicher vor der Verschlüsselung.

Während sich 95 % aller deutschen TV-Haushalte in der analogen Fernsehwelt noch ausgesprochen wohl fühlen, so das Ergebnis einer Studie des Hessischen Rundfunks, feilen Sender und Gerätehersteller schon längst an der digitalen Zukunft. Doch die lässt noch immer auf sich warten, wie nicht nur der Bezahlsender Premiere World schmerzlich erfahren durfte. Und während Produzenten und Techniker schon vom interaktiven Zuschauer träumen, trennen sich einige Haushalte noch nicht einmal von ihrer guten alten Zimmerantenne.

Weit mehr als 100 000 Haushalte sind in der digitalen Evolution allerdings schon einen Schritt weiter und verfügen bereits über digitale Satellitenreceiver. Gerade sie scheinen nun jedoch für ihre frühe Anschaffung auch noch bestraft zu werden. Vor allem Fußballfans könnte im kommenden Jahr die digitale Lust vergehen.

Das Problem: Bisher haben sich rund 40 % der digitalen Satellitenkunden für eine so genannte Free-to-Air- oder Zapping-Box entschieden, die ausschließlich Signale übersetzen kann. Diese Boxen sind bereits zum Preis von rund 400 DM erhältlich und empfangen ausschließlich Free TV, wie beispielsweise die Digital-Bouquets von ARD und ZDF. Medienunternehmer Leo Kirch, der die Übertragungsrechte für die Fußballweltmeisterschaften 2002 und 2006 für Milliardensummen von der FIFA erworben hat, will seine Investitionen verständlicherweise wieder herausholen, die Signale verschlüsseln und Zuschauer im Ausland separat für den Empfang der Spiele zahlen lassen. Würde er die Signale unverschlüsselt für die deutschen WM-Fans verschicken, könnte ganz Europa kostenlos mitgucken. In Deutschland hat Kirch mit den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF verhandelt, die die Übertragungen ansonsten im Free-TV zeigen werden.

Ausgerechnet die technisch aufgeschlossenen Haushalte könnten somit bei den Übertragungen leer ausgehen – für einen Empfang der verschlüsselten Signale benötigen sie nämlich einen Einschub für Entschlüsselungsmodule, ein so genanntes Common Interface (CI) – sonst bleibt der Bildschirm schwarz. Mit dem CI und einer entsprechenden Smart Card sollen später auch weitere Applikationen, wie z. B. E-Mailing möglich werden. Das gilt auch für Kabelkunden. Es wäre dann vor allem egal, wer die Programme bereitstellt – mit der Karte könnte jeder Zuschauer seine individuellen Programm-Pakete empfangen. Im CI und neuen Software-Standards der Boxen wie MHP (Multimedia Home Platform), mit der interaktive Dienste möglich werden, liegt die Zukunft, darin sind sich die Medienexperten einig. Pikant: Ausgerechnet ARD und ZDF hatten ihren Gebührenzahlern für den Empfang ihrer Digital-Bouquets zum Kauf der einfachen Boxen geraten. Nun sollen gerade diese nicht mehr zukunftsfähig sein. Bisher haben ARD und ZDF diesen heiklen Punkt noch aus den Verhandlungen mit Kirch ausgeklammert. Ende des Jahres soll es eine endgültige Entscheidung geben.

„Ende des Jahres ist es zu spät für die Geräteindustrie“, warnte nun Helmut Stein, CTO bei Nokia Home Communications in einer Diskussion auf dem 13. Medienforum in Köln. „Wir brauchen Planungssicherheit.“ Bis diese nicht gegeben sei, werde Nokia seinen Kunden auch weiterhin die rund 300 DM billigeren Boxen ohne Common Interface verkaufen. „Wir können keine Geräte mit Medienvollversicherung anbieten“, sagte Stein. Solange es nicht ein zusätzliches Feature gebe, das man den Kunden im Geschäft vorführen könne und somit auch den höheren Preis rechtfertigen, werden die Hersteller auch weiterhin die Zapping-Boxen verkaufen. Zwar seien die technischen Möglichkeiten vorhanden, doch noch fehlten Nachfrage und Dienste.

„Wir müssen die Kunden vor diesen nicht zukunftsfähigen Boxen warnen“, forderte in Köln dagegen Albrecht Ziemer, Produktionsdirektor des ZDF. Wie Hans Hege, Direktor der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg und Leiter der gemeinsamen Stelle „Digitaler Zugang der Landesmedienanstalten“ glaubt er: „Die Verschlüsselung der Inhalte wird kommen“. Und sogar die Kirch-Gruppe, die bei der Übertragung der Weltmeisterschaften auf Nummer sicher gehen will, setzt sich inzwischen ebenfalls für die moderneren Kaufboxen ein: „Die Inhalteanbieter müssen die Verbraucher informieren“, forderte deshalb in Köln auch Dorothee Belz, Geschäftsbereichsleitung Regulierung Kirch Holding.

Die meisten Fernsehkunden wissen jedoch noch nichts von der interaktiven Fernsehzukunft, die vor allem eines wird: teurer. Für viele Kritiker drängt sich deshalb der Eindruck auf, dass die Zuschauer mit den neuen Techniken durch die Elektronik- und Kommunikations-Industrie „zwangsbeglückt“ werden sollen. „Ich bin dagegen, Zuschauern Geräte mit CI und MHP aufzunötigen – wenn jemand sagt, er will nur fernsehen, ist das völlig legitim, schließlich haben wir es mit mündigen Verbrauchern zu“, so Hege.

Trotzdem ließen Hege und die anderen Diskussionsteilnehmer keinen Zweifel an ihrer Prognose: „Wir werden allgemein bei der Verschlüsselung landen – und darauf sollten sich die Kunden einstellen.“ SIMONE ZELL

www.medienforum.nrw.de

Glossar

Digitale Zukunft

Settop-Box: Sammelbegriff für Geräte zum Empfang digitaler Programme und zur Verarbeitung von Zuschauereingaben bei interaktivem Fernsehen. MHP: Neue Software für Settop-Boxen, das die noch getrennten Welten von TV und Internet vereinen soll. zel

 

Von Zel

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