16.04.1999, 17:21 Uhr

In den USA wird HDTV zum Muß

Am Samstag beginnt in den USA die größte Broadcast-Messe der Welt. Was die CeBIT in Hannover für die Kommunikations- und Informationstechnologie, ist die NAB in Las Vegas für Veranstalter und Betreiber von Hörfunk, Fernsehen und Multimedia-Diensten.

Die Fachmesse NAB gilt schon seit vielen Jahrzehnten als das Mekka der Rundfunkexperten – und die USA sowieso. Die National Association of Broadcaster rechnet mit nahezu 1400 Ausstellern und erwartet mehr als 100 000 Fachbesucher aus aller Welt. Dort scheint die einschlägige Industrie einen neuen Boom zu erleben. Während hierzulande die Rundfunk-Industrie kaum noch schwarze Zahlen schreibt und längst von japanischen Unternehmen wie Sony, Panasonic, JVC oder Hitachi an die Wand gedrückt wurde, erleben die entsprechenden Firmen in den USA einen enormen Aufschwung.
Kein Wunder, muß dort doch die Digitalisierung des Fernsehsystems zugleich mit einer enormen Verbesserung der Bild- und Tonqualität einhergehen, was bei uns eben nicht der Fall ist. Das kritisierte kürzlich auch Robert K. Graves, Vorsitzender des US-amerikanischen Advanced Television Systems Committee: „Wenn in Europa jetzt der Übergang vom analogen Standardfernsehen zum digitalen erfolgt, wird einige Jahre später der nächste Schritt von Digital-Fernsehen zum digitalen HDTV erfolgen müssen, und das wird insgesamt teurer als würde das in einem Schritt gemacht.“
Europas Medienindustrie gefällt sich aber sehr in ihrer Ablehnung der HDTV-Technik und hält den japanischen und US-amerikanischen Weg für einen Irrweg. Nur in einem möchte auch Europa nicht zurückstehen – beim Verkauf seiner Fernsehtechnik in andere Länder. Und dann darf es dort auch gerne HDTV sein.
So ist das einstige Unternehmen BTS – jetzt heißt es Philips Digital Video Systems – mit diversem HDTV-Equipment nach den USA unterwegs, um dort Exportgeschäfte zu tätigen. Nur für europäische Kunden soll es das nicht geben. Deren Bild bleibt auf 625 Zeilen begrenzt, auch wenn die anderen doppelt soviel können.
Nun ist es in den USA noch kein Muß, im Hochzeilenformat zu senden. Zwischen 18 digitalen TV-Formaten kann gewählt werden, doch nur sechs davon tragen das Attribut HDTV, die anderen fallen in die Kategorie Standard Definition. Die einzige Gemeinsamkeit der HDTV-Varianten ist das Bildformat 16 : 9. Ansonsten bestehen die Bilder aus 1920 Pixeln mal 1080 Zeilen, wobei 24, 30 und 60 Bilder pro Sekunde möglich sind. Die andere Gruppe besteht aus 1280 Pixeln mal 720 Zeilen und ebenfalls 24, 30 oder 60 Bildern pro Sekunde. Dahinter verbirgt sich der Unterschied zwischen interlaced und progressive, also mit und ohne Zeilensprung.
Egal wie gesendet wird, die Decoder in oder auf den Fernsehapparaten müssen alle Varianten empfangen und umsetzen können – die Darstellung ist einzig vom angeschlossenen Display abhängig. Inzwischen sind die ersten HDTV-Geräte im Handel und stoßen – trotz ihres Preises – auf großes Interesse.
Keine Fernsehanstalt wird es sich in den USA erlauben können, die Digitaltechnik zu verschmähen. Dann würde die analoge Sendefrequenz „kassiert“. Also muß investiert werden. Die Federal Communication Commission (FCC) geht davon aus, daß die gesamte Umstellung der Broadcasttechnik mindestens 16 Mrd. Dollar kosten wird.

Schon jetzt senden mehr als 50 Stationen digital und stundenweise hochauflösend

Schon jetzt sind in den USA über 50 Stationen mit DTV auf Sendung, deutlich mehr, als es nach dem Regierungsplan eigentlich sein müßten. DTV ist nicht nur ein riesiges Konjunkturprogramm, sondern auch eine letzte Möglichkeit, Fernsehen als Fernseh-Erlebnis zu erhalten – und es nicht zum Internet-Ereignis verkommen zu lassen. Von dem großen und scharfen Bild geht eine Faszination aus, zumindest für den, der jahrzehntelang nur NTSC sehen konnte.
Der Leidensdruck ist groß, entsprechend positiv wird alles aufgenommen, was hier eine Änderung verspricht. Wer in den USA diese Entwicklung zum hochauflösenden Fernsehen nicht mitmacht, wird nicht nur vom Leben, also seinen Zuschauern, bestraft, sondern auch von der Werbung. Auch die ist scharf darauf, ihre mit großem Aufwand produzierten Spots so wiederzugeben, wie sie sind.
Von hoher Bildqualität zu sprechen ist in den USA keine Schande, und niemand macht sich lächerlich damit. Das US-Unternehmen Tektronix beispielsweise hat den Übergang in die HDTV-Technik mit einem Slogan belegt: „Create the Future of Television“ und verspricht sich davon ein Wachstum im zweistelligen Bereich, ein Großteil dürfte auf die HDTV-Technik entfallen. „Wir unterstützen die Broadcaster bei ihrem Weg von der Analog- in die Digital- und – darüber hinaus – auch in die HDTV-Technik“, so Tim Thorsteinson, Präsident der Video und Networking Division. Vor allem sollen in Las Vegas erstmals HDTV-Server vorgestellt werden – als Herzstück eines volldigitalen Studios.
Leistungsstarke Computer speichern die Bilder in einer Qualität, die dem Kinobild entspricht. Nicht nur für US-Amerikaner eine fantastische Aussicht, zumal die Gerätepreise schon bald nur noch etwa 30 % über der digitalen Standardtechnik angesiedelt sein sollen. Eine Entwicklung, die unsere Medienstrategen offensichtlich total verschlafen haben.
RAINER BÜCKEN
Vielseitig in die TV-Welt von morgen: In den USA kann allein zwischen 18 digitalen Fernsehtechniken gewählt werden, sechs davon tragen das Attribut HDTV.

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