17.09.1999, 17:22 Uhr

In der Hauptrolle: Medienwerte

Die Zahl der Firmen am Frankfurter Neuen Markt wächst stetig. Die VDI nachrichten stellen in lockerer Folge die Branchen am Markt für Wachstumswerte vor. Premiere haben die Medien.

Sean Connery versucht, aus dem brennenden Turm des Klosters zu entkommen; Herbert Grönemeyer und Jürgen Prochnow rennen unter Sirenengeheul durch das dunkle U-Boot; der junge Krieger Atreju fliegt auf dem Glücksdrachen Fuchur zur Kindlichen Kaiserin; Til Schweiger hockt nackt auf dem Wohnzimmertisch – diese Szenen sind untrennbar mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger und der Münchener Aktiensellschaft Constantin Film verbunden.
Ein weiteres erfolgreiches Projekt aus dem Hause Constantin startete am vergangenen Montag am Frankfurter Neuen Markt: der Börsengang. Noch vor dem ersten Handelstag 40fach überzeichnet, wurde der erste Kurs der Aktie nach einem Ausgabepreis von 29 Euro mit 80 Euro notiert.
Das Going Public von Constantin Film steht stellvertretend für den Boom der Medienwerte am Neuen Markt. Ihre populären Produkte ebnen den Film-, Produktions- und Verleihfirmen den Weg ins Portfolio der Anleger. Mit den Namen der meisten Medienunternehmen lassen sich schnell Bilder und Personen verbinden – ein großer Vorteil bei der Plazierung einer Aktie.
Ein echtes Schwergewicht am Neuen Markt ist die Produktionsgesellschaft EM.TV, die den Wert ihrer Aktie seit dem Börsenstart 1997 mehr als verhundertfachte und nun bereits als Dax-Kandidat gehandelt wird. Jüngst erst trieben Meldungen über eine geplante Kapitalerhöhung durch den Einstieg in die Tele-München-Gruppe den Kurs in die Höhe. Mit ähnlich hohen Kursgewinnen wie EM.TV glänzt die Kinowelt Medien AG. Zusammen mit Senator Film, Intertainment und Cinemedia sind EM.TV und Kinowelt dementsprechend im neuen Blue-Chip-Index des Neuen Marktes, dem Nemax 50, zu finden. Schon gibt es auch erste Verflechtungen unter den Medienwerten, so stieg EM.TV kurz vor dem Börsengang von Constantin Film noch mit 25 % in das Eichinger-Unternehmen ein. Die Erfolgsstories von Kinowelt und EM.TV und die damit verbundenen Gewinnchancen ziehen immer mehr Anleger zu den Medienwerten.
Doch auch der größte Filmfan unter den Aktienkäufern sollte sich darüber klar sein, daß gerade die Medienbranche mit vielen Risiken behaftet ist. Viele Analysten halten die Aktie der EM.TV für weit überbewertet, es ist fraglich, wie lange sich die Medienwerte noch auf so einem hohen Level bewegen können. Auch der Geschmack des Publikums ist keine berechenbare Größe. Welcher Schauspieler ist gerade angesagt, welcher Plot zieht die Massen an die Kassen? Für Ulrich Pelzer, Analyst der BHF-Bank, gehören Medien-Aktien klar zu den Werten mit größerer Schwankungsbreite. „Sie sind aber nicht volatiler als so manches Software- oder Internet-Unternehmen.“
Die Constantin Film lockt derzeit vor allem mit ihrer erfolgreichen Vergangenheit, gebannt auf Zelluloid. Doch viel wichtiger als angestaubte Filmrollen sind für die Anleger die Zukunftsaussichten eines Medienunternehmens. So soll sich das Münchener Filmhaus schon bald zu einem „integrierten Medienkonzern mit internationaler Ausrichtung“ entwickeln, so Vorstandsmitglied Thomas Friedl. Der Emissionserlös werde in den Ausbau und Zukäufe investiert.
Außerhalb des Börsenstars Neuer Markt spielen die weiteren Medienwerte eher eine Nebenrolle: Die Aktie der Pro Sieben AG im MDax und die der Cinemaxx AG und der VCL Film- und Medien AG im Smax. „Für uns hat sich durch unsere Größe nie die Frage gestellt, ob Neuer Markt oder nicht“, so Pro Sieben-Sprecher Torsten Rossmann. Doch ob gute Wahl oder nicht: Tatsache ist, daß die Pro Sieben Aktie die Erwartungen der Anleger derzeit nicht erfüllt. Einen Grund für die niedrige Bewertung sehen Analysten darin, daß die Pro Sieben AG nur Vorzugsaktien an den Markt gebracht hat. Die Stammaktien werden von Thomas Kirch und der Rewe-Gruppe gehalten. Es sei nicht geplant, die Stammaktien später an die Börse zu bringen, so Senderchef Georg Kofler.
Auch die Cinemaxx-Gruppe ist mit der Hoffnung auf einen besseren Kursverlauf im Smax gestartet. Für Geschäftsführer Ernst-Günter Surkus geht ein Großteil der Schuld für die schleppende Kursentwicklung auf das Konto der Deutschen Börse: „Der Smax wurde mit Euphorie gestartet, aber die Deutsche Börse tut nicht mehr viel für diesen Markt“, sagt Surkus. Aus heutiger Sicht würde er sich eher für den Neuen Markt entscheiden. Auch Matthias Roth, Vorstandsmitglied der VCL-Medien AG, sieht „Nachholbedarf“ bei der Deutschen Börse, bereut aber die Entscheidung für den Smax nicht: „Mittelfristig wird es nicht mehr auf das Segment ankommen, sondern nur noch auf das Unternehmen und die Story“, so Roth.
Die meisten Medienfirmen zieht es somit an den Neuen Markt. Noch im September kommen das Lizenz- und Synchronisationsunternehmen Splendid Medien sowie die Berliner Multimedia Agentur Pixelpark, im Oktober plant die Filmproduktion Helkon Media den Börsengang. Die Gewinnchancen werden – nach den Erfahrungen mit Telekommunikationstiteln – mit jedem neuen Wert fallen, die Abgrenzung zu den Branchen IT oder Internet wird schwieriger.
Die Banken stellen sich auf den Medienboom an der Börse ein. So bringt die Union Investment Gruppe im Oktober einen neuen „Tele- / Medienfonds“ auf den Markt. „Der Fonds wird voraussichtlich rund 30 Titel enthalten, die aus Deutschland und Amerika kommen“, sagt Sprecher Rolf Drees. Mit deutschen Titeln allein sei ein Fonds noch nicht zu bestreiten und zu risikoreich. Gleiches ist aus dem Hause Commerzbank zu hören. Die BHF-Bank hat sich für Index-Zertifikate entschieden und Medien-Aktien-Baskets mit zweijähriger Laufzeit aufgelegt. Enthalten sind unter anderem Cinemedia, EM.TV, Intertainment und Senator Film. Rolf Drees von Union Investment warnt die privaten Anleger vor einem überstürzten Engagement bei den Medientiteln: „Nur wer schon Erfahrung mit anderen Branchen und Fonds hat, sollte im nächsten Schritt in Medien investieren.“ So sind die Medienaktien also vor allem eine schillernde Beimischung für das Depot, aber nichts für Laienspieler auf der Anlagebühne.
SIMONE ZELL
Klassiker wie „Das Boot“ und „Die Unendliche Geschichte“ werden von der Constantin Film verliehen.
Starker Auftritt für Medienwerte am Neuen Markt: Fast ein Viertel des gesamten Kapitals in diesem Börsensegment entfällt auf die Medienaktien.
Bernd Eichinger, der Mann hinter Constantin Film: Der Name steht bei vielen Anlegern für Erfolgsproduktionen wie „Der Name der Rose“ mit Sean Connery.

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