Medien 02.03.2001, 17:28 Uhr

In 120 Minuten einmal um die Welt

Am 5. März erwartet ZDF-Zuschauer eine virtuelle Weltreise. „Das Webcam- Projekt“ zeigt die Bilder der weltweit interessantesten Internet-Videokameras als aufwändig gestaltete Fernsehdokumentation.

Die Welt sieht ständig zu. Jedem, 24 Stunden lang. Zum Beispiel sieht die Welt den Strafgefangenen der Vollzugsanstalt in Phoenix, Arizona, beim Pinkeln zu. Im Internet ist Big Brother – und es ist nicht der RTL-Kindergarten gemeint, sondern der aus Huxleys „Brave New World“– nur noch einen Steinwurf entfernt.
Vielleicht sind auch Sie täglich „drin“, beim Überqueren eines großen öffentlichen Platzes, beim Surfen am Strand von Hawaii. Vielleicht hat Ihr Kollege im Büro gerade eine kleine Kamera über Ihrem Rechner installiert. Das Recht am eigenen Bild könnte bald schon Makulatur sein.
Noch sind die Bilder klein, die Auflösung beschränkt und die Szenen kommen nicht so flüssig daher wie im Fernsehen. Doch schon ein Bildwechsel pro Minute gibt ordentliche Eindrücke zeit-identischer und doch ferner Geschehnisse auf diesem Planeten – die alle nur eines verbindet – das World Wide Web.
Ein elektronisches Auge ins Netz stellen, das kann jeder, der eine Homepage sein Eigen nennt und entsprechend wuchert weltweit ein dichter Dschungel von Webcam-Angeboten. Vier Studenten vom Institut für Mediengestaltung (img) in Mainz haben diesen Dschungel im Auftrag der ZDF-Fernsehwerkstatt Quantum durchforstet und in monatelangen Suchsessions seltsame Exemplare herausfiltriert, wie eben die vier Kameras jenes Gefängnissheriffs Joe Arpaio. Oder Nestor Zaluzec, der Betreuer eines 4-Mio.-Dollar-teuren Mikroskopes in Chicago, an dem Wissenschaftler aus aller Welt Experimente durchführen können. Zaluzek legt die Materialproben ein, seine Kunden sehen das Ergebnis per Webcam-Übertragung.
Die meisten der Webcams, die am 5. März zu nachtschlafender Zeit ab 0:25 Uhr in der Dokumentation „Das Webcam-Projekt“ zu sehen sein werden, zeigen allerdings Aussenansichten markanter Plätze aus allen Herren Ländern. Aufgeteilt in 24 Zeitzonen, die beinahe im Minutentakt angesteuert werden, rückt die Welt in diesen 120 Minuten tatsächlich zum globalen Dorf zusammen. Verwendet haben die Macher ausschließlich „freie“ Webcams, also Bildfolgen, die ohne Mitgliedsbeitrag jedermann zugänglich sind. Folglich bleibt ein wichtiger Bereich des Webcam-Geschehens außen vor. Die unzähligen Sex- und Exhibitionismus-Kameras nämlich, die im Internet gegen Gebühr alles zeigen, was Big Brother – und jetzt ist von der RTL-Voyeurismusshow die Rede – vorenthält.
Nun gilt das um seine Interaktivität betrogene Internet im Fernsehen bislang als eher langweilig. Deshalb besteht Ralf Rückauer, Redaktionsleiter bei Quantum, darauf, mit dem „Webcam-Projekt“ keine Internet-Sendung im üblichen Sinne geschaffen zu haben: „Wir verwenden nur Teile von Internetseiten für unser Fernsehbild und setzen auf eigene Gestaltung. Mit einigen dramaturgischen Kunstgriffen ist es uns gelungen, Spannungsbögen und Leitmotive zu etablieren. Die Idee der Weltreise, die assoziativen Momente, die Landschaftsimpressionen und die Begegnung mit Menschen aus aller Welt, dürfte auch für Zuschauer interessant sein, die noch nie in ihrem Leben einen Computer angefasst haben.“
Um diesen Anspruch einzulösen waren in der Tat einige Kunstgriffe nötig: Die trägen Standbilder aus dem Internet wurden zu rasanten Zeitrafferaufnahmen zusammengeschnitten. Ein Programm wurde geschrieben, dass automatisch die Bilder aus dem Web pflückt, indem es die Bildadresse der Internetseite kontinuierlich abfragt und bei jeder Aktualisierung das Bild speichert. Aufwändige in Videostudios übliche Nachbearbeitungsprogramme wie Final Cut kamen zum Einsatz – nicht etwa um die Bildqualität fürs Fernsehen zu verbessern, sondern um die grafische Rahmengestaltung zu schaffen, in der sich die einzelnen Bildelemente und Webcam-Ausschnitte elegant überlagern und bewegen.
Das Webcamprojekt hat mit Quentin Stafford-Fraser einen kompetenten Moderator, der en passant auch dem wenig Internet-Vertrauten die Webcam-Philosophie nahe bringt. Der Mann hat immerhin bereits 1991 eine der ersten Videokameras ins Internet eingespeist und gilt als Erfinder der Webcam. Eine Zufallserfindung, denn eigentlich wollte Frazer nur von seinem Arbeitszimmer aus sehen können, ob die lahme Kaffeemaschine in der entfernten Küche schon durchgelaufen ist. Auch andere WebcamBetreiber haben im „webcamprojekt“ eine Sprechrolle: Konzepttreu per Internet-Chat oder über das gute alte Telefon nehmen sie zu ihrem Tun Stellung.
Die Quantum-Redaktion, bekannt für ungewöhnliche TV-Formate wie den Arte-Themenabend, bastelt schon an einem Konzept für ein assoziatives Webcam-Nachtprogramm. MARTIN BIEBEL

Von Martin Biebel

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

NEPTUN WERFT GmbH & Co. KG-Firmenlogo
NEPTUN WERFT GmbH & Co. KG Ingenieur (m/w/d) Betriebsmittelkonstruktion Rostock
WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG-Firmenlogo
WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG Qualitätsmanager (m/w/d) Supply Chain Henstedt-Ulzburg
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Key Account Manager (m/w/d) deutschlandweit
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck-Firmenlogo
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Universitätsprofessorin/Universitätsprofessor für Stahl- und Verbundstechnologien Innsbruck (Österreich)
MEMMINGER-IRO GmbH-Firmenlogo
MEMMINGER-IRO GmbH Entwicklungsingenieur Mechanik (m/w/d) Dornstetten
Panasonic R&D Center Germany GmbH-Firmenlogo
Panasonic R&D Center Germany GmbH Engineer (m/f/d) A2W heat pump solutions Langen (Hessen)
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Regionaler Applikationsingenieur (w/m/d) Mannheim
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Abteilungsleiter (m/w/d) Konstruktion Biberach / Riss
FRITSCH Bakery Technologies GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FRITSCH Bakery Technologies GmbH & Co. KG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Markt Einersheim (Raum Würzburg)
Albert Handtmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG Projektleiter (m/w/d) Kundenspezifische Anpasssungen Biberach

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.