Medien 04.10.2002, 18:22 Uhr

Im Online-Buchhandel klettern Umsätze nach oben

Online-Buchhändler wie Amazon, Buch.de und BOL haben das Sterben im Internet überlebt. Auch das Weihnachts-geschäft verspricht steigende Umsätze. Doch der Verkauf von Büchern allein reicht selbst den Großen der Branche nicht aus.

Das Buch ist die mit Abstand meistgekaufte Ware im Internet“, freut sich Albert Hirsch, Sprecher des Online-Shops Buch.de. Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse verzeichnet der international größte Internet-Bookstore Amazon eine Wachstumsrate von weltweit 18 %. Allein auf dem deutschen Markt hat Amazon seine Umsatzzahlen im vergangenen Jahr fast verdoppeln können. Für den bedeutendsten Online-Auktionator eBay ist der Buchhandel inzwischen ebenfalls zu einem der wachstumsstärksten Geschäfte geworden: Etwa 210 000 Bücher werden aktuell in Deutschland über eBay angeboten der Umsatz in diesem Bereich stieg innerhalb eines Jahres um 160 %.
Auch bei einer Reihe traditioneller Verlage und Händler hat sich der Internethandel als Vertriebsweg etabliert. Eine Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zeigt, dass jeder zehnte Buchhändler 5 % und mehr seines Umsatzes über das Web abwickelt. Der Gesamtumsatz stieg hier laut Börsenverein von 193 Mio. ® im Jahr 2000 auf 288 Mio. ® in 2001.
Allerdings hat es sich gezeigt, dass Bücher allein für den Internethandel zu wenig sind – und, dass der Vertriebsweg lnternet für den Buchhandel nicht ausreicht. Online-Händler müssen ihr Angebot also weiter über das gesamte Medienspektrum ergänzen, Buchhändler dürfen nicht auf die Ladentheke verzichten.
Selbst unter den günstigsten Bedingungen überleben dabei nur die Stärksten. Bertelsmann Online, kurz BOL, in Deutschland bislang zweitgrößter Internet-Händler von Büchern, CDs und anderen Medien und in Schweden und den Niederlanden sogar Marktführer, steht zum Verkauf. Der internationale Medienshop der Bertelsmann DirectGroup hat zwar in sechs Ländern 2,5 Mio. Kunden und machte im Geschäftsjahr 2001/2001 knapp 100 Mio. ® Umsatz – doch, so Bertelsmann, die erhofften Synergien mit den lokalen Buchclubgeschäften seien unter den Erwartungen geblieben. BOL wachse zwar, werde aber „auf absehbare Zeit die geforderten Renditeerwartungen“ nicht erfüllen. Wenn auch Amazon und Buch.de, der Online-Buchhandel der Douglas-Gruppe, ein Interesse an BOL nicht offiziell kundtun, so dementieren sie Gespräche auch nicht. Über die Verhandlungspartner und den Stand der Verhandlungen bewahre Bertelsmann aber noch Stillschweigen, so Unternehmenssprecher Gerd Koslowski.
Der Dritte auf dem deutschen Online-Büchermarkt strebt „optimistisch den für das vierte Quartal 2002 geplanten Break-Even an.“ Buch.de mit Sitz in Münster steigerte seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2002 um 316 % auf 6,9 Mio. ® 80 % des Umsatzes entfallen auf Bücher, der Rest auf andere Medien. „Angesichts der schwachen Konjunkturlage und der Flaute in der Verlags- und Buchbranche ein zufrieden stellendes Ergebnis“, findet der Sprecher des Vorstandes, Gerald Winter. Im Gegensatz zum Marktführer Amazon verlässt sich Buch.de nicht auf das Internet, sondern positioniert sich als Multichannel-Anbieter mit Thalia, der stationären Buchkette von Douglas.
Zum Erfolg des Buchhandels im Netz trägt bei, dass Verkäufer und Kunden nun einander kennen: Einerseits scheinen die Bezahl-Systeme ausgereift und hinreichend sicher, auch der Versand funktioniert verlässlich. Andererseits verstehen die Buchhändler ihre Zielgruppe besser. So änderte Amazon im Februar erfolgreich seine Versandkostenstruktur und liefert erst kostenfrei ab einem Warenwert von 20 ® – „der Großteil der Kunden liegt darüber“, sagt Amazon-Deutschland-Sprecherin Christina Höger. Buch.de hat im Juni nachgezogen.
Inzwischen haben Online-Händler sogar auf das Interesse der Kunden reagiert, ihre ausgelesenen Bücher im Web verkaufen zu wollen. Neben der Auktion bei eBay bieten sich der „Marketplace“ von Amazon an oder Abebooks, der weltweit größte Anbieter von antiquarischen Büchern. T. FINKEMEIER

Von T. Finkemeier

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