Medien 31.08.2007, 19:29 Uhr

Im „Next Generation Media Lab“ wird Fernsehen interaktiv  

VDI nachrichten, Berlin, 31. 8. 07, jdb – Das Telefon klingelt und das gerade geschaute TV-Programm stoppt sofort, um später an gleicher Stelle weiterzulaufen. Utopie? Nicht beim Fraunhofer-Institut FOKUS, das auf der IFA in Berlin einen Blick in die Fernsehzukunft zeigt. An Ideen, wie sich TV, Internet und Telekommunikation befruchten, fehlt es den Forschern nicht.

Das hätte sich heute-journal-Moderator Claus Kleber auch nicht träumen lassen. Mitten im Satz wird er durch ein schnödes Telefonat unterbrochen und muss mit offenem Mund pausieren. Dabei hat es noch nicht einmal auf seinem Sprechertisch geklingelt, sondern bei Frank Lehmann in Berlin. Erst wenn der das Gespräch beendet hat, darf es mit dem journal weitergehen.

Wer dieses – und manches andere – Szenario erleben will, sollte auf der IFA der Halle 5.3 einen Besuch abstatten, wo im Technisch-Wissenschaftlichen Forum das Fraunhofer-Institut FOKUS sein „Next Generation Media Lab“ aufgebaut hat. Im Prinzip ähnelt es einem Wohnzimmer, wo eben der Fernseher und nicht der PC im Mittelpunkt steht. „Im Internet können gestreamte Programme schon heute jederzeit unterbrochen werden, aber bei Live-Sendungen im Fernsehen gab es das bislang noch nicht“, erklärte Stefan Arbanowski, Abteilungsleiter im FOKUS.

Arbanowski weiter: „Wir haben angefangen, die verschiedenen Techniken zusammenzubringen, um daraus neue Anwendungsmöglichkeiten, gewissermaßen die ¿nächste Generation der Medien¿, auch NGM genannt, zu entwickeln.“ Das grundlegende standardbasierte System für die NGM-Produkte ist in Form des „IP Multimedia Subsystems“ (IMS) bereits heute verfügbar und entwickelt sich zu einer technologieunabhängigen Plattform zur Bereitstellung von interaktiven Streaming-Diensten über verschiedene mobile und feste Zugangsnetze.

Standardisierungsgremien wie ETSI/TISPAN und 3GPP haben die Regeln für IMS als eine Art Zwischenschicht zwischen den internetbasierten Datennetzen und den Multimedia-Anwendungen bereits festgezurrt und sind dabei, es in ein Next Generation Network (NGN) einzubinden: IMS als „Kleber“, der TV-, Festnetz- und Mobilfunktechniken verbindet.

Für FOKUS bedeutet es Medienkonvergenz, Interaktion und gleichzeitige Nutzung verschiedener Geräte. Die Forscher reden dann aber lieber von „Cross Fertilization“, bei der sich „die Funktionalitäten von Fernsehen, Internet, Mobilfunk und Computer gegenseitig befruchten“, so Arbanowski. Was dabei herauskommt, wird auf der IFA an einer Fülle von Beispielen demonstriert.

Mit dem personalisierbaren Fernsehen kommen z. B. Programmvorschläge auf den Bildschirm, die sich an Sehgewohnheiten orientieren. Naturinteressierte finden so schneller Beiträge über Bären und Wölfe als über die Formel 1.

Fernseh- oder Videofilme liegen wie alle Multimedia-Inhalte als Dateien auf Servern und können von den Nutzern zu individuellen Zeiten abgerufen und auch unterbrochen werden. „Alle Fernsehprogramme kommen über das Internet-Protokoll. Um den Datenverkehr in Grenzen zu halten, wird die so genannte Multicast-Technik eingesetzt, bei dem keine Punkt-zu-Punkt-Verbindung zum Provider besteht, sondern die Pakete für alle Nutzer an geeigneter Stelle dupliziert werden. Ein Kanalwechsel ist nichts anderes als ein Wechsel auf eine andere IP-Adresse“, erklärt Oliver Friedrich vom FOKUS. Neue Bedienkonzepte sollen den Umgang mit der Technik erleichtern. So ist an eine Bedienung über sensorbasierte Gestenerkennung gedacht – wie bei Computerspielen.

Mit Messaging, Chat und TV-Telefonie kommt der telekommunikative Anteil ins Spiel. Während des Fernsehens Nachrichten von den Freunden lesen, sie beantworten oder auch selbst mal in hoher Qualität telefonieren, mit oder ohne Bild, über Fest- oder Mobilnetz – Möglichkeiten gibt es da viele. Ebenso erlebt das so genannte interaktive Fernsehen eine Renaissance. Was Konzepte wie die Multimedia Home Platform (MHP) und andere Techniken nicht zu leisten vermochten – interaktive Informationsgewinnung -, wird in der IMS-basierten IPTV-Präsentation vorgestellt. Das persönliche Online-Video auf dem Fernsehschirm gehört ebenso dazu wie der Austausch eigener Inhalte: Der Home Server ist integriert und bringt bei Bedarf Bilder des letzten Urlaubs zum Fernseher der Freunde.

Wer von denen gerade was sieht – auch diese Frage wird beantwortet: Das gemeinsame Fernseherlebnis in einer virtuellen Community, unter Umständen über Hunderte von Kilometern Distanz. Die Nutzung von (Internet-)Fernsehen in Gruppen setzt voraus, dass jeder mit jedem kommunizieren kann, unabhängig, welche Technik zu Hause eingesetzt wird. Fraunhofer FOKUS setzt daher auf bereits entwickelte Standards, arbeitet mit Settop-Boxen, die im Grunde PCs sind und keine auf bestimmte Anbieter oder Angebote beschränkte proprietäre Systeme.

„NGN erlaubt auch den Zugang zu haustechnischen Geräten“, so Oliver Friedrich. „Die Standards hierfür hat die Digital Living Network Alliance (DLNA) gesetzt, Lichtschalter und Heizungsregler könnten mit einer IP-Adresse versehen sein. Dann ließen sich auch von unterwegs Heizung oder Bewässerungsanlage steuern – und Bilder der eingeschalteten Überwachungskamera kämen aufs Handy.“

RAINER BÜCKEN

Haustechnik wird auch ins Netz eingebunden

Von Rainer Bücken

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