Medien 27.04.2007, 19:27 Uhr

Hochauflösende Fernsehzukunft verzögert sich  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 4. 07, jdb – Hochauflösendes Fernsehen, kurz HDTV, tut sich hierzulande schwer. Dabei sind mit dem Siegeszug HD-bereiter Flach-TVs die Weichen in den Wohnzimmern längst in Richtung höherer Bildauflösung gestellt. Nachdem Premiere und ProSiebenSat.1 ihre ersten HDTV-Schritte gegangen sind, wird der endgültige Durchbruch nun von ARD und ZDF erwartet.

Als Papst Benedikt XVI. am 16. April seinen 80. Geburtstag beging, kam das Geschenk von Radio Vatikan aus 36 000 km Höhe – „Centro Televisivo Vaticano“ (CTV) hatte seine TV-Technik auf HDTV umgestellt. Künftig sollen, so Pater Federico Lombardi, Generaldirektor von CTV und „Radio Vatikan“, die jährlich etwa 130 Hauptereignisse mit HDTV-Technik produziert und übertragen werden. Schon die Beisetzung von Papst Johannes Paul II vor zwei Jahren wurde in HD produziert und übertragen.

Ganz so leicht tun sich zumindest unsere öffentlich-rechtlichen Broadcaster nebst Industrie sowie Kabel- und Satellitenbetreiber noch nicht – HDTV ist hierzulande eine recht sperrige Angelegenheit. Kein Wunder, denn von 1993 bis 2003 war das Vier-Buchstaben-Kürzel offiziell als „Unwort“ erklärt worden, da das Desaster mit dem 1986 begonnenen ersten europäischen HDTV-Projekt keine Fortsetzung erleben sollte.

Doch als am 1. Januar 2004 der belgische Fernsehproduzent Alfacam regelmäßige HDTV-Produktionen und Übertragungen ankündigte, setzte ein Umdenken ein – Euro1080 war zum Synonym für europäische Fernsehinnovationen geworden. Die bislang mit Standardprodukten recht gut lebende europäische Industrie war ebenso elektrisiert wie die übrigen europäischen Broadcaster, öffentlich-rechtliche und private gleichermaßen.

Und noch immer hält dieser bewegende Impuls an. „HDTV ist die faszinierendste Innovation, seit es das Farbfernsehen gibt“, erklärte vor wenigen Wochen Hans-Joachim Kamp, Vorsitzender des Fachverbandes Consumer Electronics des ZVEI und Sprecher von Philips Deutschland, während einer Veranstaltung des Euroforums in Frankfurt.

Vor allem kritisierte Kamp hier die Zögerlichkeit der Infrastrukturbetreiber in Sachen Digitalisierung. So hätten zwar schon über 40 % der Satellitenhaushalte digitales Empfangsequipment, doch nur 14 % der Kabelhaushalte. Demgegenüber hätte die Geräteindustrie ihre Hausaufgaben gemacht, Geräte mit dem Logo HD-ready seien im Verkauf die Regel. „25 % des Display-Marktes entfallen auf Plasma-, 75 % auf LCD-Geräte“, so Kamp. Doch noch haben von den 33 Mio. TV-Haushalten in Deutschland derzeit gerade mal 8 % ein HD-ready-Display – Ende des Jahres könnten es über 10 % werden. Und nur rund 100 000, also etwa 4 % der potenziellen HD-Haushalte, haben auch den zweiten Schritt getan, sich nämlich einen HDTV-Empfänger, also eine entsprechende HD-Settop-Box, angeschafft.

Kamp rechnet bis 2010 mit einem Bestand von rund 14 Mio. HD-ready-TVs, also rund 37 % der Haushalte, und 4 Mio. HDTV-Empfängern bzw. integrierten HD-Geräten. Hinzu dürften noch 3,3 Mio. Blu-ray- und HD-DVD-Player sowie 700 000 MediaCenter und ebenso viele HD-Camcorder kommen, mit denen die Bildschirme bespielt werden, Digitalkameras und Games blieben sogar unerwähnt.

Sicherlich dürfte ein starkes und vor allem schnelles öffentlich-rechtliches HDTV-Programmangebot vor allem die Nachfrage nach Settop-Boxen forcieren. Andreas Bereczky, Produktionsdirektor des ZDF, ließ jedoch einige Träume platzen. So hätten sich ARD und ZDF verabredet, nicht mit den Olympischen Sommerspielen in Peking, sondern erst zu den Winterspielen 2010 im kanadischen Vancouver (12. bis 28. Februar) mit dem Regeldienst HDTV zu beginnen. Ein Jahr zuvor soll es bereits Probesendungen geben. „Im Übrigen ist kein Extraprogramm vorgesehen, wir werden das Hauptprogramm simulcast hochkonvertieren“, erklärte Bereczky. Nur große Konzerte, Opern, Filme und vor allem Sportereignisse dürften als „richtiges HDTV“ daherkommen, alles andere eben nur hochgerechnet. Gerechnet wurde auch beim Investitionsvolumen. „Eine umschaltbare HD/SD-Kamera ist noch immer 20 % bis 25 % teurer als eine für SD“, so der Produktionsdirektor. „Doch bei Ersatzinvestitionen bestellen wir schon jetzt im Hintergrund HDTV-Technik für die Zukunft.“

All das dürfte gewaltige Summen kosten – das ZDF rechnet mit einem dreistelligen Millionenbetrag für die nächste Gebührenperiode von 2009 bis 2012. Bis dahin soll mindestens eine Produktionsstraße vollständig für HD umgerüstet sein. Und dann sei spätestens mit einer Angleichung der Produktionskosten von HD und SD zu rechnen. Dass die Arbeit mit HDTV auch zu höheren Personal- und Umschulungskosten führen würde, ist für die Branche nicht nachvollziehbar. ARD und ZDF denken bei der Simulcast-Ausstrahlung ihrer digitalen SD- und HD-Programme an einen Übergangszeitraum von etwa zehn bis 15 Jahren, und zwar bei Kabel und Satellit, wobei auch noch die analoge Technik im Spiel ist. „Wenn wir analog abschalten könnten, wäre es einfacher.“ Ob das 2010 wie einst geplant passiert, ist fraglich. „70 % unserer Zuschauer empfangen noch analog, und diese Entwicklung sehen wir mit Sorge.“

Technisch dürfte der HD-Übertragung über Satellit nichts im Wege stehen, freie Kanäle gibt es genügend. Anders im Kabel. Hier gibt es Engpässe, haben doch viele Betreiber die Zeichen der Zeit mal wieder nicht erkannt und nur halbherzig auf 606 MHz und eben nicht auf 862 MHz ausgebaut.

Dietmar Schickel vom Netzbetreiber Tele Columbus konnte dem nichts entgegensetzen. Bis 2010 seien jedenfalls längst nicht alle Netze für HDTV aufgerüstet. Laut Bereczky würde der SD/HD-Betrieb eines Programms den Platz von vier SD-Kanälen beanspruchen. „Und den gibt es nur, wenn wir ausbauen oder analoge Kanäle abschalten“, konterte Schickel und meinte damit vor allem seine Branche. „Wir haben bereits die Fußball-WM in unseren Kabelanlagen übertragen, doch die Nachfrage war nicht berauschend.“ Michael Bobrowski vom Verbraucherzentrale Bundesverband bemängelte auf der Tagung des Euroforums die schlechte Informationspolitik des Handels. „Viele Käufer der HD-ready-Displays erfuhren erst später, dass sie damit allein noch kein HDTV sehen können – gesagt hatte man es ihnen nicht.“

„Bei einem HDTV-Vergleich ist Deutschland bestenfalls im europäischen Mittelfeld“, musste Kamp konstatieren. „Großbritannien, Frankreich und Benelux sind da viel weiter.“ Doch auch Philips hatte lange gezögert, HDTV auf die Tagesordnung zu setzen. Und bei der zugesagten Lieferung von Settop-Boxen hatte ausgerechnet dieses Unternehmen durch ausgelagerte Entwicklungslabors auch die meiste Verspätung. RAINER BÜCKEN

Als Papst Benedikt XVI. am 16. April seinen 80. Geburtstag beging, kam das Geschenk von Radio Vatikan aus 36 000 km Höhe – „Centro Televisivo Vaticano“ (CTV) hatte seine TV-Technik auf HDTV umgestellt. Künftig sollen, so Pater Federico Lombardi, Generaldirektor von CTV und „Radio Vatikan“, die jährlich etwa 130 Hauptereignisse mit HDTV-Technik produziert und übertragen werden. Schon die Beisetzung von Papst Johannes Paul II vor zwei Jahren wurde in HD produziert und übertragen.

Ganz so leicht tun sich zumindest unsere öffentlich-rechtlichen Broadcaster nebst Industrie sowie Kabel- und Satellitenbetreiber noch nicht – HDTV ist hierzulande eine recht sperrige Angelegenheit. Kein Wunder, denn von 1993 bis 2003 war das Vier-Buchstaben-Kürzel offiziell als „Unwort“ erklärt worden, da das Desaster mit dem 1986 begonnenen ersten europäischen HDTV-Projekt keine Fortsetzung erleben sollte.

Doch als am 1. Januar 2004 der belgische Fernsehproduzent Alfacam regelmäßige HDTV-Produktionen und Übertragungen ankündigte, setzte ein Umdenken ein – Euro1080 war zum Synonym für europäische Fernsehinnovationen geworden. Die bislang mit Standardprodukten recht gut lebende europäische Industrie war ebenso elektrisiert wie die übrigen europäischen Broadcaster, öffentlich-rechtliche und private gleichermaßen.

Und noch immer hält dieser bewegende Impuls an. „HDTV ist die faszinierendste Innovation, seit es das Farbfernsehen gibt“, erklärte vor wenigen Wochen Hans-Joachim Kamp, Vorsitzender des Fachverbandes Consumer Electronics des ZVEI und Sprecher von Philips Deutschland, während einer Veranstaltung des Euroforums in Frankfurt.

Vor allem kritisierte Kamp hier die Zögerlichkeit der Infrastrukturbetreiber in Sachen Digitalisierung. So hätten zwar schon über 40 % der Satellitenhaushalte digitales Empfangsequipment, doch nur 14 % der Kabelhaushalte. Demgegenüber hätte die Geräteindustrie ihre Hausaufgaben gemacht, Geräte mit dem Logo HD-ready seien im Verkauf die Regel. „25 % des Display-Marktes entfallen auf Plasma-, 75 % auf LCD-Geräte“, so Kamp. Doch noch haben von den 33 Mio. TV-Haushalten in Deutschland derzeit gerade mal 8 % ein HD-ready-Display – Ende des Jahres könnten es über 10 % werden. Und nur rund 100 000, also etwa 4 % der potenziellen HD-Haushalte, haben auch den zweiten Schritt getan, sich nämlich einen HDTV-Empfänger, also eine entsprechende HD-Settop-Box, angeschafft.

Kamp rechnet bis 2010 mit einem Bestand von rund 14 Mio. HD-ready-TVs, also rund 37 % der Haushalte, und 4 Mio. HDTV-Empfängern bzw. integrierten HD-Geräten. Hinzu dürften noch 3,3 Mio. Blu-ray- und HD-DVD-Player sowie 700 000 MediaCenter und ebenso viele HD-Camcorder kommen, mit denen die Bildschirme bespielt werden, Digitalkameras und Games blieben sogar unerwähnt.

Sicherlich dürfte ein starkes und vor allem schnelles öffentlich-rechtliches HDTV-Programmangebot vor allem die Nachfrage nach Settop-Boxen forcieren. Andreas Bereczky, Produktionsdirektor des ZDF, ließ jedoch einige Träume platzen. So hätten sich ARD und ZDF verabredet, nicht mit den Olympischen Sommerspielen in Peking, sondern erst zu den Winterspielen 2010 im kanadischen Vancouver (12. bis 28. Februar) mit dem Regeldienst HDTV zu beginnen. Ein Jahr zuvor soll es bereits Probesendungen geben. „Im Übrigen ist kein Extraprogramm vorgesehen, wir werden das Hauptprogramm simulcast hochkonvertieren“, erklärte Bereczky. Nur große Konzerte, Opern, Filme und vor allem Sportereignisse dürften als „richtiges HDTV“ daherkommen, alles andere eben nur hochgerechnet. Gerechnet wurde auch beim Investitionsvolumen. „Eine umschaltbare HD/SD-Kamera ist noch immer 20 % bis 25 % teurer als eine für SD“, so der Produktionsdirektor. „Doch bei Ersatzinvestitionen bestellen wir schon jetzt im Hintergrund HDTV-Technik für die Zukunft.“

All das dürfte gewaltige Summen kosten – das ZDF rechnet mit einem dreistelligen Millionenbetrag für die nächste Gebührenperiode von 2009 bis 2012. Bis dahin soll mindestens eine Produktionsstraße vollständig für HD umgerüstet sein. Und dann sei spätestens mit einer Angleichung der Produktionskosten von HD und SD zu rechnen. Dass die Arbeit mit HDTV auch zu höheren Personal- und Umschulungskosten führen würde, ist für die Branche nicht nachvollziehbar. ARD und ZDF denken bei der Simulcast-Ausstrahlung ihrer digitalen SD- und HD-Programme an einen Übergangszeitraum von etwa zehn bis 15 Jahren, und zwar bei Kabel und Satellit, wobei auch noch die analoge Technik im Spiel ist. „Wenn wir analog abschalten könnten, wäre es einfacher.“ Ob das 2010 wie einst geplant passiert, ist fraglich. „70 % unserer Zuschauer empfangen noch analog, und diese Entwicklung sehen wir mit Sorge.“

Technisch dürfte der HD-Übertragung über Satellit nichts im Wege stehen, freie Kanäle gibt es genügend. Anders im Kabel. Hier gibt es Engpässe, haben doch viele Betreiber die Zeichen der Zeit mal wieder nicht erkannt und nur halbherzig auf 606 MHz und eben nicht auf 862 MHz ausgebaut.

Dietmar Schickel vom Netzbetreiber Tele Columbus konnte dem nichts entgegensetzen. Bis 2010 seien jedenfalls längst nicht alle Netze für HDTV aufgerüstet. Laut Bereczky würde der SD/HD-Betrieb eines Programms den Platz von vier SD-Kanälen beanspruchen. „Und den gibt es nur, wenn wir ausbauen oder analoge Kanäle abschalten“, konterte Schickel und meinte damit vor allem seine Branche. „Wir haben bereits die Fußball-WM in unseren Kabelanlagen übertragen, doch die Nachfrage war nicht berauschend.“ Michael Bobrowski vom Verbraucherzentrale Bundesverband bemängelte auf der Tagung des Euroforums die schlechte Informationspolitik des Handels. „Viele Käufer der HD-ready-Displays erfuhren erst später, dass sie damit allein noch kein HDTV sehen können – gesagt hatte man es ihnen nicht.“

„Bei einem HDTV-Vergleich ist Deutschland bestenfalls im europäischen Mittelfeld“, musste Kamp konstatieren. „Großbritannien, Frankreich und Benelux sind da viel weiter.“ Doch auch Philips hatte lange gezögert, HDTV auf die Tagesordnung zu setzen. Und bei der zugesagten Lieferung von Settop-Boxen hatte ausgerechnet dieses Unternehmen durch ausgelagerte Entwicklungslabors auch die meiste Verspätung. RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

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