Medien 26.09.2008, 19:37 Uhr

HDTV braucht immer weniger Bandbreite  

VDI nachrichten, Amsterdam, 26. 9. 08, jdb – Ach, wie war doch in der analogen Welt alles einfach. Da gab es einen Fernsehkanal und ein Programm, das sich darin austoben konnte. Jetzt, in Zeiten von Digitalitis und Co., müssen gleich mehrere Programme um den Platz streiten und bekommen davon zudem nur so viel, wie sie wirklich brauchen. Schnelle Bilder nehmen viel, langsame eben weniger Platz in Anspruch.

Die Vorteile der progressiven, also zeilensprungfreien Technik machen sich vor allem bei schnellen Bewegungen und bei der Umsetzung in andere Bildformate bemerkbar. Allerdings bedingt der Sprung nach 1080p/50 bzw. 60 eben die Verdopplung der Daten, die über die seriellen digitalen Schnittstellen (SDI) laufen. Die Broadcast-Industrie hat die Zeichen der Zeit erkannt und entwickelt immer mehr Geräte für die neue Studiotechnik. 3G-SDI-Produktionsmischer, Kreuzschienen, Kameras, Monitore, Videorecorder, Server, Formatkonverter und nicht zuletzt die Messtechnik. Claus Pfeifer vom Technical Product Management bei Sony Deutschland: „Wir werden demnächst ein erstes Studio bei BSkyB mit 3G-Technik bauen, und auch ESPN in den USA wird künftig in 1080p/60 produzieren.“ Und weiter: „Wenn 2010 in Deutschland die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender mit 720p/50 starten, gibt es bereits die ersten Studios mit 1080p/50. Die sind dann eben einen Schritt weiter.“

Das größte 3-Gbit/s-Angebot an Studiotechnik hatte Harris zusammengestellt. „Unsere Geräte sind heute noch kein Muss, wer aber zukunftsorientiert investieren will, sollte sich genau informieren. Für die Studioinfrastruktur wird es langfristig zu 1080p/50 oder 60 keine Alternative geben“, erklärt Jochen Kuhnen, Produkt-Marketing Manager von Harris.

National Semiconductor hat in Amsterdam entsprechende Bauelemente für die Schnittstellen vorgestellt, um die kritischen Kabellaufzeiten auszugleichen. „Wir sehen 3G aber nicht nur für HDTV, auch für 3DTV, digitales Kino, Blu-ray-Produktionen und nicht zuletzt Super-Hi-Vision sind die hohen Datenraten ein Muss“, so Erroll Dietz, Vizepräsident der Interface Division des Unternehmens.

Über die normale Studioverkabelung sind 3G-Signale nicht ohne Weiteres zu führen, Spezialkabel kommen auf wenige Hundert Meter, die aber beim Einsatz von Übertragungswagen oft nicht ausreichen. Emcore hat ein Glasfasersystem vorgestellt, das die Signale verlustfrei auch über sehr große Distanzen transportieret. „Wer glaubt, 3G HD sei eine Illusion und unnötig, könnte dafür eines Tages teuer bezahlen müssen“, meinte Chris Larocca, Vizepräsident des Unternehmens.

Das Unternehmen Net Insight schickte 1080p/50-Bilder gar aus Stockholm auf die Reise nach Amsterdam – über eine geschaltete 10-Gbit/s-Leitung. „Als wir uns erstmals mit der 3G-Technik fürs Fernsehen beschäftigten, haben noch alle gelacht, 270 Mbit/s seien vollkommen ausreichend, selbst 10 Mbit/s oder 20 Mbit/s würden noch akzeptable Bilder bieten. Jetzt lacht keiner mehr, denn für den Austausch unkomprimierter Daten zwischen den Studios sind solche Übertragungstechniken bald unerlässlich“, erklärt Direktor Henrik Svantesson.

Das unkomprimierte Signal ist freilich nicht fürs Archiv und für weitere Bearbeitungsschritte geeignet. Für die vernetzte HD-Produktion sind Codecs (Codierer und Decodierer) nötig, die das HD-Signal in handliche Formate verpacken, also bei Aufnahme und Produktion hohe Bildqualität und problemloses Kopieren, Verarbeiten und Archivieren ermöglichen. Welches Format für die HD-Produktion genutzt wird, ist für Außenstehende schon beinahe Glaubenssache. Fachleute fühlen sich an die früheren Jahre der Formatschlachten im Videobereich erinnert.

Vor allem die Platzhirsche im Broadcastbereich, Panasonic und Sony, kämpften um Platz und Punkte. Panasonic war zwar offiziell gar kein Aussteller, hatte aber Besprechungs- und Demonstrationsräume gemietet, um die Broadcaster vom neuen AVC-Intra-Format zu überzeugen. So was geht natürlich am besten im Vergleich zu Sonys XDCam-HD-422-Technik. Während die Panasonic-Technik mit 100 Mbit/s daherkommt, glaubt Sony mit MPEG HD 422 und 50 Mbit/s auszukommen.

Jetzt sind die Broadcaster am Zuge. Als ersten Kunden konnte Panasonic bereits das ZDF gewinnen. „Die Technik reicht von der Aufnahme über die Vernetzung im Haus bis zur Archivierung“, erklärte Volker Kersbaum, European Product Manager von Panasonic. Untersuchungen der europäischen Rundfunkunion haben indes ergeben, dass alle getesteten Codecs eine ähnliche Bildqualität generieren.

Erst durch weitere Kompression und entsprechende Modulation der Studiosignale ist die Übertragung digitaler HDTV-Programme möglich. Bei MPEG-2 brauchte ein HD-Programm noch gut 20 Mbit/s. MPEG-4 verlangte anfangs auch noch 12 Mbit/s, doch waren da die Systemreserven noch nicht aktiviert. Mittlerweile sind sie es, und so hat jede Broadcast-Messe ihre neuen eigenen Rekorde. Voriges Jahr waren in Amsterdam akzeptable HDTV-Programme schon bei 6 Mbit/s zu erleben. Jetzt hatten vor allem IBM und NTT die Latte hochgelegt: 3,5 Mbit/s bzw. 3 Mbit/s soll für die HD-Übertragung noch ausreichend sein.

Ausgangsmaterial war bei IBM ein Fußballspiel, das in 720p/50 aufgenommen wurde. Doch bereits das sog. Quellmaterial ist nicht gerade das, was man gerne in der Wohnung auf einem großen Bildschirm sähe. „Wir haben hierfür kein besseres Programm bekommen“, erklärt Dieter Haas, I/T-Architect Media & Telco von IBM. So gesehen ist dann das Software-Encoding über einen im Bladecenter steckenden Cell-Processor und anschließendes Decoding gar nicht so schlecht.

Doch solche Datenraten haben eine Perspektive: 1080p/50. Die könnten nie nach Hause geliefert werden, waren sich Broadcaster und Netzbetreiber stets einig. Jetzt könnte es gehen. Die doppelte Datenrate auch für den Zuschauer könnte endgültig den Zeilensprung killen und Full HD in die Wohnungen lassen. RAINER BÜCKEN

Im Studio flitzen die Daten künftig mit 3 Gbit/s durch die Leitungen

Von Rainer Bücken

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